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Raiffeisens Russland-Dilemma wird in Zahlen überdeutlich

(Bloomberg) -- Steigende Erträge aus dem Rubelhandel im ersten Quartal zeigen das Dilemma der Raiffeisen Bank International AG in Bezug auf ihr Russlandgeschäft: profitträchtig, aber seit Kriegsbeginn hochproblematisch.

Die Wiener Bank verbuchte im ersten Quartal den höchsten jemals erzielten Provisionsüberschuss. Dieser fußt auf dem Devisengeschäft der Bank in Russland und das als direkte Kriegsfolge aufgrund der vom russischen Staat angeordneten Zwangskonvertierung von Devisen in russische Rubel. Der Nettogewinn stieg dadurch auf 442 Millionen Euro -dreimal soviel wie von Analysten geschätzt. Das gute Ergebnis entstand trotz eines Anstiegs der Rückstellungen für Kreditausfälle - ebenfalls eine Folge des Krieges in der Ukraine.

Raiffeisen profitiert davon, dass es eines der drei größten in der russischen Föderation vertretenen westlichen Institute ist, und damit weiter Zugang zum Rubelmarkt hat. Dennoch prüft die Bank - seit Jahrzehnten ein Pionier in Osteuropa - strategische Optionen bis hin zum Verkauf der Russlandsparte, die im vergangenen Jahr ein Drittel des Gewinns erwirtschaftet hat.

“Dass dieser Prozess nicht einfach ist und von den weiteren politischen Rahmenbedingungen in Russland, den strengen regulatorischen Vorschriften, aber auch den Verpflichtungen unseren Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber abhängt, ist kein Geheimnis”, erklärt Konzernchef Johann Strobl im Quartalsbericht. “Seien Sie versichert, dass auch die Interessen unserer Aktionärinnen und Aktionäre eine zentrale Rolle dabei spielen.” Der Prozess könne deshalb noch “einige Zeit” dauern.

Laut Strobl wurde die Bank bereits von potenziellen Käufern kontaktiert, prüfe aber auch noch Alternativen wie etwa die Möglichkeit, wirtschaftlicher Eigentümer zu bleiben, die Kontrolle aber abzugeben. Einstweilen gebe es bei der Sparte starke Einlagenzuflüsse, daher sei auch keine Kapitalspritze notwendig. Der französische Rivale Société Générale SA hat seinen Anteil an der Rosbank etwa an den früheren Eigentümer Wladimir Potanin abgegeben. Auch die UniCredit prüft einen Verkauf.

Raiffeisen gaben in Wien nach und handelten zeitweise bis zu 7,1% leichter. Die Aktie hat wegen des Kriegs seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte ihres Börsenwerts verloren.

Das Russland-Dilemma trifft das Geschäftsmodell von Raiffeisen als Brücke zwischen Ost- und Westeuropa mitten ins Herz. Raiffeisen, dessen Wurzeln in bäuerlichen Kreditgenossenschaften des 19. Jahrhunderts liegen, drängte noch vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den frühen 1990er Jahren in die ehemaligen kommunistischen Staaten und baute Geschäfte auf vom Kosovo bis nach Kiew.

Dieses Engagement ist margenträchtig, aber risikoreich: Die Bank hat im ersten Quartal 319 Millionen Euro für künftige Kreditausfälle zurückgestellt und ihre Prognose für die Risikokosten im Gesamtjahr von 0,4% auf 1% der Kundenkredite angehoben. Kreditwachstum erwartet man in diesem Jahr nicht mehr, da die Kreditvergabe in Russland praktisch eingefroren wurde.

Überschrift des Artikels im Original:

Raiffeisen’s Russia Dilemma Writ Large as Ruble-Trade Fees Soar

(Neu: Strobl zu Kontakten mit Interessanten, Alternativen zum Verkauf.)

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