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Prophetisch: Bernie Sanders sagte viele Entwicklungen in der US-Wahl voraus

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 4 Min.

Die Entscheidung über den Ausgang der US-Wahlen wird sich verzögern. Donald Trump wird sich vorzeitig zum Wahlsieger erklären. Anschließend wird er von Wahlmanipulation reden und sich damit im Amt zu halten versuchen. All das und noch mehr hat Bernie Sanders schon vor Tagen vorausgesagt. Einiges hat sich schon bewahrheitet.

WASHINGTON, DC - OCTOBER 22:  U.S. Senator Bernie Sanders speaks at a protest calling for the Republican Senate to delay the confirmation of Supreme Court Justice Nominee Amy Coney Barrett at the U.S. Capitol on October 22, 2020 in Washington, DC. (Photo by Jemal Countess/Getty Images for Care In Action)
Bernie Sanders bei einer Rede in Washington, DC am 22. Oktober dieses Jahres (Bild: Jemal Countess/Getty Images)

Bei der US-Präsidentschaftswahl liefern sich Donald Trump und Joe Biden ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aktuell führt der demokratische Herausforderer Biden denkbar knapp vor dem Amtsinhaber. Dass es so eng werden würde, hatten viele angesichts der Umfragen im Vorfeld nicht erwartet. Bei diesen lag Biden noch deutlich vor Trump. Bernie Sanders aber hatte nicht nur vorausgesagt, dass es eng werden und das Wahlergebnis sich verzögern würde. Er prophezeite auch, was sich vor wenigen Stunden tatsächlich ereignet hat, dass Trump sich schon vor Auszählung aller Stimmen zum Wahlsieger erklären würde.

Über die Briefwahl

In einem Interview mit dem US-Moderator Jimmy Fallon in dessen Sendung "The Tonight Show" sagte Sanders am 23. Oktober so manches voraus, was sich bewahrheiten sollte. Etwa dass in US-Bundesstaaten wie Pennsylvania, Michigan und Wisconsin sehr viele Menschen per Briefwahl abstimmen und deren Stimmen nicht rechtzeitig bis zum Wahltag ausgezählt sein würden. Tatsächlich haben in den USA dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie mehr Menschen als jemals zuvor per Post gewählt. Medienberichten zufolge müssen die Behörden mehr als 64 Millionen Wahlbriefe auszählen.

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Sanders, der selbst bei den Vorwahlen für die Demokraten als Präsidentschaftskandidat im Rennen war, sagte auch, dass die Biden-Anhänger eher per Post wählen und die Republikaner am Wahltag in die Wahllokale gehen würden. Dabei berief er sich auf entsprechende Studien. Dieser Umstand führt zum nächsten Zukunftsszenario, das er ausmalte: "Es ist wahrscheinlich", sagte er, "dass die ersten Stimmen, die gezählt werden, diejenigen sein werden, die am Wahltag hereinkamen, also die der Republikaner."

Über Trumps Taktik

Das berechtigte Sanders, seine Sorge zum Ausdruck zu bringen. "Hier ist die Befürchtung und ich hoffe, dass das alle hören", fügte er hinzu. "Es kann sehr gut sein, dass Trump am Wahlabend um 22 Uhr in Michigan, in Pennsylvania und in Wisconsin gewonnen haben und er dann im Fernsehen verkünden wird: 'Danke Amerikaner dafür, dass ihr mich wiedergewählt habt. Habt einen schönen Tag'.

Trump prangert angeblichen Wahlbetrug an

Auch das ist – bis auf die Uhrzeit – eingetreten. Nicht um 22 Uhr, sondern gegen halb drei Uhr früh Ortszeit erklärte Trump im Weißen Haus, dass er die Wahl gewonnen habe und er den Abbruch der Stimmenauszählung gerichtlich erwirken wolle. Zu dem Zeitpunkt waren Hundertausende Stimmen noch nicht gezählt worden. Die Rede sorgte weltweit für Empörung. Biden kritisierte die Aussagen als "skandalös".

Was kommt als nächstes?

Ob sich die weiteren Voraussagen Sanders' bewahrheiten werden, wird sich in den nächsten Stunden zeigen. Seine "Treffsicherheit" bis hierhin dürfte für die Demokraten Anlass zur Sorge sein über die kommenden Entwicklungen. Weiter sagte Sanders: "Wenn am nächsten Tag, nachdem alle Stimmzettel gezählt sein werden und sich Biden als eigentlicher Sieger der [genannten] Staaten erweisen wird, dann kommt Trump und sagt: Seht ihr, ich hab euch gesagt, dass alles Betrug ist. Ich hab euch gesagt, dass die Wahlbriefe betrügerisch sind. Wir werden das Amt nicht verlassen'."

WASHINGTON, DC - NOVEMBER 04: U.S. President Donald Trump speaks on election night in the East Room of the White House in the early morning hours of November 04, 2020 in Washington, DC. Trump spoke shortly after 2am with the presidential race against Democratic presidential nominee Joe Biden still too close to call. (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)
Mit Taktik und Manipulation zur nächsten Amtszeit? Donald Trump verkündet in der Nacht zum 4. November, dass er die Wahl bereits gewonnen habe. (Bild: Chip Somodevilla/Getty Images)

Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder die Briefwahl zu diskreditieren versucht. Seiner Ansicht nach öffnet diese Art zu wählen Tür und Tor für Wahlbetrug. Die Demokraten könnten die Stimmzettel einsammeln, um sie zu manipulieren oder wegzuwerfen. Die Briefwahl werde zum "größten Betrug in der Geschichte der Wahlen" sagte er. Dass er bei seinem Standpunkt auch nach dem Wahl bleiben und das Ergebnis also mit diesem Argument anfechten wird, ist die "Sorge" auch von Bernie Sanders. "Die Menschen", sagte er noch in dem Fernsehgespräch, "sollten sich dieser Möglichkeit bewusst sein".

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