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Von politischer Strippenzieherei bis zu Investments bei Real: Hinter diesen Deals steckt der Millionen-Unternehmer Harald Christ

Unternehmer Harald Christ - Copyright: C&C/ Thomas Imo/ photothek
Unternehmer Harald Christ - Copyright: C&C/ Thomas Imo/ photothek

In der Ecke des großen, hellen Altbau-Büros steht ein großer Maschinentelegraf, so ein altes Gerät, mit dem früher Befehle für große Schiffe gesteuert wurden. Harald Christ geht zu der hüfthohen Apparatur aus Messing und schiebt den knüppelartigen Regler oberhalb der runden Anzeige von links nach rechts. Das Gerät gibt einen hellen "Rrring"-Laut von sich und Christ freut sich, dass das maritime Stück aus einem Schifffahrtsmuseum noch funktioniert. In der anderen Ecke von Christs Büro stehen die Deutschland- und Europa-Flagge.

Die weitläufige Altbauwohnung auf dem Berliner Kurfürstendamm fungiert als Treffpunkt und Kontaktbörse für Toppolitiker und Wirtschaftsgrößen, wie hochrangige Manager der Schwarz-Gruppe oder den Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

Auch die Schifffahrtsmetaphern passen gut zu Harald Christ, beschreiben sie doch einerseits seine Rolle als eine Art Steuermann seiner Unternehmensbeteiligungen, aber auch als Navigator zwischen Politik und Wirtschaft. Seit 35 Jahren ist Christ mittlerweile im Business – als Unternehmer mit zahlreichen Firmenbeteiligungen, als Politiker (erst SPD, dann FDP), Konzernlenker und Kommunikationsberater.

Christ trieb als Schatzmeister der FDP Millionen ein

Von September 2020 bis April 2022 war er Bundesschatzmeister der FDP. Ende März hatte er seinen Rücktritt von dem Ehrenamt angekündigt. Das "Manager Magazin" betitelte ihn in dieser Funktion als "Christian Lindners Geldeintreiber", da er in seiner Amtszeit weit höhere Großspenden für die FDP erzielte als die anderen Parteien. Rund 10,5 Millionen Euro an Spenden erhielt die FDP im Jahr 2021, unter seiner Ägide. Dabei geholfen hat ihm sein Netzwerk. Carsten Maschmeyer spendete 2021 etwa 200.000 Euro, die Höhle-der-Löwen-Juroren Georg Kofler und Ralph Dommermuth steuerten 750.000 und 100.000 Euro bei.

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Das Ehrenamt des Schatzmeisters sei ein Vollzeitjob gewesen, neben seiner Unternehmertätigkeit, so Christ. "Das habe ich dadurch kompensiert, dass ich in der Regel mehr als 80 Stunden arbeite”, sagt Christ. Vor kurzem ist Christ 50 geworden, doch müde scheint er nicht. "Ich verspüre noch die gleiche Energie, die ich mit 20 oder 30 Jahren hatte", sagt er. "Themen wie Burnout gibt es in meinem Leben nicht."

Dabei verlief Christs Lebenslauf nicht wie jener seiner vielen Unternehmer- und Politiker-Freundinnen und Freunde, die häufig bereits aus sehr gut situierten Verhältnissen stammen.

Karriere aus einfachen Verhältnissen

Harald Christ wuchs in Worms als Sohn eines Opel-Arbeiters auf. Schon mit 16 Jahren habe er angefangen zu arbeiten und sei schon früh in Führungsrollen eingesetzt gewesen. Mit 25 etwa war er das erste Mal Bezirksdirektor bei einer Bausparkasse. Seitdem sei er „finanziell unabhängig“ gewesen, noch vor Erreichung des 30. Lebensjahres habe er seine erste Million verdient, erzählt uns Christ.

Er begleitete zwei Börsengänge, investierte immer geschickt, auch im Immobilienbereich – was sich insbesondere in den vergangenen Jahren als sehr lukrativ herausgestellt hat. „Mein Antrieb war aber nie die Vermögens-Maximierung auf dem Kontoauszug. Da ich aus einem Arbeiterumfeld komme, ging es immer nur um Freiheit und Unabhängigkeit.“

Von 2002 bis 2007 war er Vorstandsvorsitzender und Gesellschafter mit einem Anteil von 24 Prozent an einem Hamburger Reederei-Unternehmen und investierte immer wieder innerhalb der Branche. Später war er im Vorstand der WestLB für das Geschäft mit vermögenden Privatkunden zuständig, Chef der Berliner Weberbank und Bereichsvorstand der Postbank AG. Seine letzte Konzernstelle war Vorsitzender des Vorstandes der Ergo Beratung und Vertrieb AG, bevor er 2017 ausschied, umsich politisch, unternehmerisch und ehrenamtlich zu engagieren. Danach nahm er jedoch noch einige Aufsichtsratsmandate wahr, bis 2020 war er etwa Aufsichtsrat bei Karstadt Kaufhof.

Jetzt will er sich wieder voll und ganz auf seine unternehmerischen Tätigkeiten konzentrieren, keine halben Sachen. "Ich möchte meine Unternehmens-Rolle nicht vermischt wissen mit einer Partei-Funktion, jetzt, da wir exekutive Verantwortung tragen als Partei", sagt Christ über sich und die FDP.

Dabei begann seine politische Karriere eigentlich einmal bei der SPD. Erst 2020 wechselte Christ die Seiten und wurde FDP-Mitglied. Bis heute gilt er als guter Bekannter von Kanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (beide SPD). Dass er beide Seiten kennt – Genossen wie Liberale, hat auch bei den Ampel-Sondierungsgesprächen geholfen. Christ war Mitglied der Verhandlungsdelegation auf Seiten der FDP, galt dabei als eine Art Vermittler zwischen den Parteien. „Mein Beitrag in den Sondierungsgesprächen war es, ein Brückenbauer zu sein, da ich viele der handelnden Personen lange kenne“, beschreibt er selbst seine Rolle.

Brücken zu schlagen, zwischen den Welten, das macht Christ seit vielen Jahren. Nicht nur zwischen den Parteien, sondern auch Politik und Wirtschaft. Sein Netzwerk in die Führungsspitze der deutschen Politik und der deutschen Großkonzerne gilt als exzellent. 2017 machte er sich mit seinem vermutlich größten Kapital, seinem Netzwerk, selbstständig: Er gründete die Beratungsfirma Christ & Company. Das Unternehmen mit 50 Mitarbeitern mit Sitz am Berliner Kudamm und Frankfurt berät große Konzerne, Familienunternehmen, Top-CEOs und Verbände in Sachen strategischer und Krisen-Kommunikation. Darüber hinaus investiert die Firma aber auch in Unternehmen, mit Christs eigenem Geld.

Die Deals des Harald Christ

Was genau Christ mit seinem Vermögen macht und an welchen Deals er beteiligt ist, das wissen bisher aber nur die wenigsten.

Zu seinen neuesten Projekten gehört seine Beteiligung an der luxemburgischen Immobilienfirma x+bricks, zu deren Portfolio von Handelsimmobilien mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro auch viele alte Real-Standorte gehören. X+bricks kaufte die ehemals zu Real gehörenden Objekte dem Eigentümer Metro ab, als dieser die desolate Handelskette 2020 abstieß. Christ kaufte 2022 rund 50 Prozent der Anteile an der Firma, die anderen 50 Prozent gehören dem CEO Sascha Wilhelm, einem guten Bekannten von Christ.

Das Ziel der Übernahme, die kurz nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine durchgeführt wurde, war die Ablöse der bisherigen Eigentümer, der russischen Oligarchen Felix und Wladimir Jewtuschenkow. Christ sollte helfen, die rund 100 Millionen Euro an russischem Kapital in x+Bricks beziehungsweise der Luxemburger Muttergesellschaft abzulösen. Bereits seit 2020 habe Wilhelm ihn dabei haben wollen, so Christ. „Meine Bedingung für einen Einstieg war aber immer der Ausstieg der russischen Investoren, das war auch im Einvernehmen mit Sascha Wilhelm.“ Mit seinem Einstieg sicherte Christ die Zukunft der rund 200 Standorte, die hauptsächlich von Lidl, Kaufland, Aldi und Co. gemietet werden. In der neuen Eigentümerstruktur ist Christ nur Anteilseigner, das operative Geschäft übernimmt weiterhin Sascha Wilhelm.

X+bricks vermittelt Handelsimmobilien über eine Plattform, laut Christ ist das Unternehmen profitabel. Im Gesellschafterkreis werde in den kommenden Monaten die Entscheidung getroffen, wie es mit x+bricks weitergeht. Laut Christ kommen sowohl ein Komplett- als auch ein Teilverkauf, aber auch die mittelfristige Weiterbetreibung sowie Zukäufe infrage. Demnach haben bereits „große internationale Konzerne ein Interesse an dem deutschen Mittelstands-Portfolio“ von x+bricks. Es sei aber noch alles offen und wesentlich in den Händen von Sascha Wilhelm als CEO und Mitgesellschafter.

Neben Engagements im Immobilien- und Handelsbereich unterhält der Unternehmer jedoch auch Investments in den Branchen Digitalisierung, Konsumgüter und Bildung.

Sein größter Fehlgriff waren Schiffe

Relativ neu ist er im Software-Business. Vor rund einem Jahr kaufte Christs Beteiligungsfirma 20 Prozent der Anteile an G2K, einem jungen KI-Startup aus Berlin. Als Anteilseigner berät Christ das Unternehmen auch in strategischen Fragen sowie bei der Skalierung des Geschäfts. Gerade für Handelsunternehmen ist die Software von G2k interessant: Die Technologie des Startups sammelt verschiedene Datenpunkte und kann so etwa Engpässe in den Regalen vorbeugen.

Externe Branchenkenner schätzen den Wert des Unternehmens im schlechtesten Fall auf mindestens eine Milliarde Euro. Christ kommentiert diese Zahlen nicht. 20 Prozent von einer Milliarde Euro, ein attraktives Return of Investment.

Doch wer mit so vielen Millionen hantiert, greift auch mal daneben. Sein größter Fehlgriff sei es gewesen, im Endzyklus des Schifffahrts-Hypes 2008 mit einem Partner vier Bulk-Schiffe mit einem Volumen von rund 250 Millionen US-Dollar (rund 238 Millionen Euro) gekauft zu haben. „Wir sind mit diesen Schiff zu spät investiert, haben es zu teuer gekauft und sind dann in die Krise reingefallen“, sagt Christ. Nach ein paar Jahren habe er die Schiffe dann mit Verlust verkauft, sei jedoch „mit einem blauen Auge“ davongekommen.

Deshalb investiere er nur noch in Dinge, die er aktiv unternehmerisch gestalten könne. "Von Sachen, die ich nicht verstehe oder ich keine aktive unternehmerische Rolle habe, lasse ich die Finger.“ Zum Beispiel Krypto-Währungen wie Bitcoin. Das sei nicht seine Welt, dafür sei er zu „old fashioned“.

Fokus auf die Unternehmerrolle und Aufsichtratsmandate

"Ich bin durch und durch Unternehmer – das habe ich in den vielen Jahrzehnten in den Rollen als Vorstand oder Vorstandsvorsitzender großer Konzerne gemerkt", sagt er im Gespräch. "Deswegen will ich mich jetzt auf das konzentrieren, was mir wirklich am meisten Spaß macht und was ich am besten kann.“

Deshalb will er nicht nur das Kerngeschäft von Christ & Company, die Kommunikationsberatung und strategische Kommunikation, weiter ausbauen, sondern auch weitere Zukäufe tätigen und andere Dienstleistungen anbieten, wie zum Beispiel Firmen bei Sanierungen und Restrukturierungen helfen. Außerdem berate Christ & Company Unternehmen bei Börsengängen und Zu- und Verkaufsprozessen. Dafür wolle Christ in den kommenden fünf Jahren bis zu 50 Millionen Euro in Personal, Unternehmenszukäufe und Infrastruktur investieren.

Auch, wenn er keine operative Rolle in Konzernen mehr einnehmen wolle, könne er sich auch vorstellen, noch ein weiteres Aufsichtsratsmandat anzunehmen. Derzeit sitzt er bei der börsennotierten Reederei Ernst Russ im Aufsichtsrat.

Der Unternehmer hat sich außerdem verpflichtet, sein gesamtes Vermögen später der gemeinnützigen, von ihm aufgebauten „Harald Christ Stiftung für Demokratie und Vielfalt“ zu vermachen. Aus dem Geld der Stiftung sollen unter anderem Projekte zur Demokratieförderung oder benachteiligte Jugendliche unterstützt und Stipendien vergeben werden.

Sein Abtritt als Schatzmeister bedeutet jedoch nicht, dass Christ nicht auch künfig noch ab und an die politische Bühne suchen wird. Er ziehe sich zwar aus aktiven politischen Ämtern zurück, jedoch wolle er sich auch weiterhin politisch „einmischen“ – parteiübergreifend. Dass er das auch als Strippenzieher im Hintergrund kann, hat Christ schon oft bewiesen.