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"Seine Politik ist eine Anhäufung konservativer Klischees": Nobelpreis-Ökonom rechnet mit Christian Lindner ab

·Lesedauer: 2 Min.
FDP-Chef Christian Lindner verlässt den Tagungsort nach dem Auftakt der Koalitionsverhandlungen. Die Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP verhandeln zur Regierungsbildung nach der Bundestagswahl.
FDP-Chef Christian Lindner verlässt den Tagungsort nach dem Auftakt der Koalitionsverhandlungen. Die Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP verhandeln zur Regierungsbildung nach der Bundestagswahl.

Christian Lindner wäre gerne Finanzminister. Das sagte er schon vor Monaten, das sagte er auch vor wenigen Wochen nach den Sondierungen einer möglichen Ampel-Koalition als neue Bundesregierung. Olaf Scholz (SPD) wird Kanzler, die Grünen kümmern sich um das Klima, die FDP – er, Lindner – um die Finanzen. So zumindest hat sich der Parteichef der Liberalen das ausgerechnet.

Ob Lindner sich seinen Wunsch erfüllen kann, ist offen. Mit dem Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck hat der FDP-Chef namhafte Konkurrenz um die Führung des Finanzressorts. Und mit dem Ökonomen Joseph Stiglitz, der 2001 den Wirtschaftsnobelpreis verliehen bekam, nun auch einen prominenten Gegensprecher.

Stiglitz ist Professor an der Columbia University, war von 1997 bis 2000 Chefökonom der Weltbank und beriet den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in Wirtschaftsfragen. Gemeinsam mit dem Wirtschaftshistoriker Adam Tooze, der wie Stiglitz an der Columbia University lehrt, hat der Ökonom einen Gastbeitrag über Lindner in der "Zeit" verfasst. Einen sehr, sehr kritischen Gastbeitrag.

Finanzminister Lindner? "Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben"

Lindner sei als Finanzminister ungeeignet, schreiben Stiglitz und Tooze. "Nach dem Amt des Bundeskanzlers ist der Posten des Finanzministers derjenige, der für Deutschlands tagtägliche Außenbeziehungen die größte Bedeutung hat", schreiben die Ökonomen. "Was Europa benötigt, ist ein deutscher Finanzminister, der weiß (...), dass es bei finanzieller Nachhaltigkeit nicht einzig auf die Höhe der Schulden ankommt, sondern auch auf die Höhe des Bruttoinlandsprodukts."

Ihre Folgerung: Lindner dürfe das Amt nicht bekommen. "Was Deutschland oder Europa am allerwenigsten gebrauchen können, ist ein Finanzminister, der das Ministerium als Plattform ansieht, von der aus er die konservative Haushaltspolitik seiner Partei predigen kann", schreiben Stiglitz und Tooze. Lindners Wirtschaftspolitik sei "eine Anhäufung konservativer Klischees" aus den Neunzigerjahren. Nach drei Jahrzehnten Krise auf den Finanzmärkten, in der Geopolitik und im Umweltbereich sei eine solche Politik obsolet. In Lindner sehen die Ökonomen einen Anhänger von Schuldenbremse und Austerität in Zeiten, in denen große Investitionen der öffentlichen Hand von zentraler Bedeutung seien.

"Um seiner selbst willen sollte Lindner die unmögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen", schreiben Stiglitz und Tooze. Und weiter: "Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben." Die Ökonomen sähen lieber den Grünen-Chef Habeck als Finanzminister. Für Lindner und die FDP haben sie eine andere Aufgabe im Sinn: ein "Superministerium für Digitaltechnologie mit dem Auftrag der Modernisierung des Landes".

jg

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