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Plötzlich ohne Bürde – Der letzte Auftritt von VDA-Chef Bernhard Mattes

Der Präsident des Automobilverbands VDA zieht sich zurück. Letzte Amtshandlung ist das Übergabegespräch mit seiner Nachfolgerin Hildegard Müller.

Guter Dinge betritt Bernhard Mattes den Sitzungsraum des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in Berlin. „Sie sind extra aus Frankfurt gekommen“, ruft er vergnügt einem ihm bekannten Journalisten zu. Alles geht leichter von der Hand: Mattes ist anzumerken, dass eine schwere Last von ihm gefallen ist.

Vor drei Monaten war das noch anders. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt verkündete Mattes überraschend seinen Rücktritt als Präsident des VDA. Das monatelang hinter seinem Rücken betriebene Intrigenspiel aus der eigenen Branche wollte der frühere Ford-Deutschlandchef nicht länger ertragen.

Er sei nicht der richtige Mann für die Branche, hieß es. Als erster Vertreter von Deutschlands wichtigster Industrie müsse er für eine engere Bindung zur Politik sorgen, war immer wieder von einflussreichen Branchenvertretern zu hören.

Die Pressekonferenz am Mittwoch in der Berliner VDA-Zentrale ist der letzte große Auftritt von Mattes als Verbandspräsident. Am 18. Dezember ist Schluss, dann gibt der 63-Jährige Hausausweis und Schlüssel ab.

Die Veranstaltung des VDA im Dezember hat Tradition. Der Verband zieht dann eine vorläufige Jahresbilanz und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate. Bernhard Mattes möchte an diesem Tag einfach noch einmal der gewöhnliche VDA-Präsident sein, der über die Probleme der Autoindustrie spricht. Für Intrigen, Grabenkämpfe und Nachtreten ist aus seiner Sicht kein Platz. „Über meine Nachfolge wurde schon genug geschrieben. Darüber hinaus gibt es nichts zu sagen“, meint er.

Der scheidende VDA-Präsident nutzt seinen letzten Auftritt vielmehr als Warner. Weltweit und nicht nur in Deutschland muss sich die Automobilindustrie auf schwierigere Zeiten einstellen. Die Zeiten ununterbrochenen Wachstums sind vorüber, plötzlich gehen die Verkaufszahlen rund um die Welt zurück. Mattes spricht davon, dass die Beschäftigtenzahlen in der deutschen Automobilindustrie konjunkturbedingt im nächsten Jahr einbrechen werden.

In seiner letzten Pressekonferenz übernimmt Mattes zudem noch einmal die typische Rolle des Lobbyisten, der von der Politik nachhaltige Veränderungen zu Gunsten der Automobilindustrie einfordert. Die Unternehmenssteuern, die Energie- und die Arbeitskosten seien zu hoch. Außerdem müsse die Politik Sorge dafür tragen, dass der Waren- und Güterverkehr nicht durch weitere Handelshemmnisse zusätzlich eingeschränkt werde.

Mattes hat es nicht einmal zwei Jahre an der Spitze von Deutschlands einflussreichstem Branchenverband ausgehalten. „Alles in allem war es einfach eine sehr unglückliche Amtszeit“, meint ein Branchenvertreter. Am 1. Februar übernimmt Hildegard Müller, 52, das Amt, die frühere CDU-Staatsministerin und Innogy-Vorstandsfrau.

In den nächsten Tagen steht für Mattes noch ein Übergabegespräch mit Müller auf dem Programm. Völlig aus der Autobranche wird er sich allerdings nicht zurückziehen, sein Aufsichtsratsmandat bei Ford will er behalten.