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Personalchef von SAP Deutschland über einen Extra-Tag frei und virtuelles Trinken mit dem Team : "Wir sind keine Maschinen"

Robin Wille
·Lesedauer: 4 Min.
SAP-Deutschland-Personalleiter Cawa Younosi
SAP-Deutschland-Personalleiter Cawa Younosi

Der Softwarekonzern SAP hat für den 27. April einen „Mental Health Day“ angekündigt. Dabei handelt es sich um einen zusätzlichen und bezahlten Urlaubstag für die mehr als 100.000 Beschäftigten weltweit. Das Unternehmen wolle damit „ein Zeichen der Wertschätzung senden“, sagt der Personalleiter der SAP in Deutschland, Cawa Younosi, im Gespräch mit Business Insider. Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere die mentale, sei dem Unternehmen sehr wichtig.

Hintergrund ist, dass die vertraulichen Anrufe beim Beratungsdienst von SAP in 2020 weltweit um 28 Prozent gestiegen sind. In Deutschland sei die Anzahl der psychologischen Beratungsgespräche 2020 allerdings um 20 Prozent gesunken: Von 359 im Jahr 2019 auf 287 im vergangenen Jahr. Dennoch bekommen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland den Extra-Tag frei - um innezuhalten und sich zu erholen, zu priorisieren, zu reflektieren und achtsam mit sich selbst umzugehen. „Wir müssen nicht wie Roboter funktionieren, wir sind keine Maschinen“, sagt Younosi.

Das Stressempfinden hänge nicht nur vom Unternehmen ab, sondern auch von den gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen. „Kitas, Schule, die finanzielle Belastung der Eltern, das ist von Land zu Land unterschiedlich. Aber die Kultur, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, ist bei SAP überall gleich“, sagt Younosi. Er sehe auch, dass es anstrengend sei, von zu Hause zu arbeiten und private und berufliche Belange in Einklang zu bringen.

„Homeschooling, putzen, einkaufen“

Viele Kolleginnen und Kollegen hätten sich den Montag vor dem „Mental Health Day“ am Dienstag frei genommen. Auch Personalleiter Younosi, er wolle das Wochenende mit der Familie verbringen. Wegfahren sei nicht möglich, da sein Sohn unter der Woche Schule habe, da müsse Younosi zu Hause sein („Homeschooling, putzen, einkaufen“). „Aber es macht einen riesigen Unterschied, wenn ich nicht auf Termine achten muss und auch mal einen Tee zu Ende trinken oder ein Nickerchen machen kann.“ Er wolle entspannen.

Younosi sagt, er persönlich habe die Belastung während der Corona-Krise in unterschiedlichen Phasen wahrgenommen. Am Anfang hätten sich alle noch einrichten müssen. Dann, im Sommer, als es warm und hell war, sei es ihm gut gegangen. „Sonne macht bei mir einen riesigen Unterschied“, sagt er. Als dann die dunkle Jahreszeit angefangen habe, hätte er gemerkt, dass der Lockdown auf die Nerven drücke. „Da ging es auch mir nicht gut“, sagt Younosi. Er merke, dass die Leute gereizter seien, auch außerhalb von SAP. Younosi hofft auf das Wetter als „Lichtpunkt, der dabei helfen kann, die nächsten Monate zu überbrücken“.

SAP habe viel getan, um gegenzusteuern: Digitale Wine-Tastings, Gesangsveranstaltungen, ein Hochglanzmagazin zum Thema Home-Office für die Mitarbeiter. Am Anfang der Krise habe das Unternehmen schnell reagiert und alle Mitarbeiter nach Hause geschickt. Bereits in der Vergangenheit hätten die Mitarbeiter im Schnitt zwei bis drei Tage in der Woche mobil gearbeitet. Die technische Infrastruktur stand also. „Die IT hat dann schnell dafür gesorgt, dass wir die entsprechenden Bandbreiten bekommen“, sagt Younosi.

„Der soziale Austausch fehlt einfach"

Der Personaler sagt, die Krise habe viele negativen Seiten, aber: „Die Pandemie hat es geschafft, die Arbeitswelt zu humanisieren, zu vermenschlichen.“ In Videokonferenzen hätten die Mitarbeiter auch das Zuhause der Führungskraft kennengelernt, vielleicht auch Kinder oder Haustiere. Es brauche Zeiten, in denen das Team nicht über die Arbeit spricht. Bei Younosi gebe es den „Thirsty Thursday“, da hätten er und seine Mitarbeiter früher Sekt, Wein oder Selters getrunken. Der Termin sei wegen Corona ins Virtuelle verlagert worden. „Der soziale Austausch fehlt einfach. Man kann nicht in die Kneipe gehen und sich dort ausheulen“, sagt Younosi. Die Führungskräfte müssten in Kontakt mit den Mitarbeitern bleiben. Sie müssten „ganz klar sagen, worum es geht und noch mehr kommunizieren als in der Vergangenheit, damit wirklich alle wissen, woran sie sind“.

"Die Mitarbeiter wollen sich wieder sehen"

Die Herausforderung sei es nun, eine geordnete Normalität sicherzustellen. „Wir wollen nicht alle Leute zurück ins Büro beordern, aber es ist damit zu rechnen, dass es einen riesigen Bedarf geben wird, wenn die Tore wieder geöffnet werden.“ Die Mitarbeiter wollten sich wieder sehen, Geschäftsreisen machen. Es müsse immer einen zusätzlichen Mehrwert haben, ins Büro zu kommen, das sei schon vor Corona so gewesen. Der Austausch zwischen den Kollegen stehe in Umfragen ganz oben. Auch für die Kreativität könne es sinnvoll sein, wenn man gemeinsam in einem Raum arbeite. „Am Ende ist es wichtig, dass sie die Flexibilität und Wahl haben.“

Es gehe darum, die Kolleginnen und Kollegen weiterhin zu motivieren und zu begleiten, „damit wir die Leute nicht verbrennen“. Aber auch die Geschäftsanforderungen müssten erfüllt werden. „Wir sind schließlich immer noch ein profitorientiertes Dax-Unternehmen“.