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Parosmie: Warum für mich fast jeder Geruch ekelerregend ist – selbst ein Jahr nach meiner Covid-Erkrankung

·Lesedauer: 5 Min.

Nachdem ich im März 2020 an Covid-19 erkrankte, war eines der ersten Symptome, die auftraten, der Verlust meines Geruchs- und Geschmackssinns. Es war eine völlig surreale Erfahrung. Zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Geruchssinn verlor, war Anosmie noch nicht als offizielles Symptom einer Covid-19-Erkrankung gelistet. Das machte das Ganze noch verrückter. Drei Monate später begann ich langsam, einige Gerüche wieder wahrzunehmen. Ich war überglücklich. Allerdings war mein Geruchssinn verändert und ist seitdem nicht mehr wie vor der Infektion.

Seit nun mehr als einem Jahr wird meine Nase von etwas geplagt, das ich den „Covid-Geruch“ nenne. Diesem „Covid-Geruch“ entspricht nichts, was ich jemals zuvor wahrgenommen habe. Wenn ich ihn in Worte fassen müsste, würde ich ihn als eine Mischung aus Müll, rohen Zwiebeln und verschwitzten Achselhöhlen beschreiben. Im wissenschaftlichen Fachjargon wird diese Störung des Geruchssinns als Parosmie bezeichnet, „eine Veränderung des Geruchssinns, die in der Regel unangenehm ist und durch eine Schädigung der olfaktorischen Neuronen im Nervenzentrum verursacht wird“, so die Beschreibung auf der US-amerikanische Gesundheitswebseite Health.com.

Das Leben mit dieser Begleiterscheinung ist unglaublich frustrierend. Es hat meinen Alltag massiv beeinflusst. Einst liebte ich die Aromen von Zwiebeln und Knoblauch, die sich in der Küche verbreiteten, wenn man sie anbriet. Heute ist das nicht mehr so. Heute bringe ich die Gerüche nur noch mit der Infektion in Verbindung. Genauso wie Kaffee. Der angenehme Duft am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Küche erleuchten — auch das riecht für mich nur nach Covid. Ein riesiger Rosenbusch — romantisch und reizend? Nein, für mich riecht er nach Covid. Von allem am schlimmsten ist jedoch für mich, dass ich den Geruch meines Partners ebenfalls mit Covid in Verbindung bringe.

Der Geruch hat mein Leben verfälscht. Ich kann mich zwar glücklich schätzen, keine schwerwiegenderen und langwierigen Covid-Symptome zu haben, denn mehr als zwei Millionen Erwachsene Menschen in England haben zwölf Wochen nach der Infektion mit dem Virus entweder immer noch Atemprobleme oder leiden an müdigkeitsbedingten Symptomen. Dennoch waren die Erkrankung und der Geruchsverlust alles andere als einfach. Zum Glück weiß ich, dass ich mit dieser Nachwirkung nicht alleine bin. Das gibt mir Trost.

Mit Parosmie ist nicht zu spaßen

Viele Menschen, die aufgrund einer Corona-Infektion ebenfalls von Parosmie betroffen sind, haben ihre Erfahrungen öffentlich geteilt. Eine Frau erzählte gegenüber der New York Times, dass sie sich in Therapie begab, nachdem ihre Parosmie es unerträglich machte, ihren Partner zu küssen. Eine andere Frau erzählte, sie könne kein Essen mehr kochen, ohne sich übergeben zu müssen, so der Nachrichtensender BBC.

Die genaue Anzahl der Menschen, die aufgrund einer Covid-Erkrankung von Parosmie betroffen sind, ist nicht bekannt. Eine im Juli 2020 veröffentlichte Studie ergab jedoch, dass sich 89 Prozent der Menschen, die im Zuge einer Covid-Infektion an Geruchsverlust litten, innerhalb von vier Wochen erholten und sich der Geruchssinn anschließend vollständig zurückbildete. Die restlichen elf Prozent berichteten von einem anhaltenden Geruchsverlust oder Parosmie darüber hinaus. Eine weitere Studie, die im Februar 2021 veröffentlicht wurde, ergab, dass von den 47 Prozent der Covid-19-Erkrankten, die über eine Veränderung ihres Geruchs- oder Geschmackssinn berichteten, etwa die Hälfte an Parosmie litt.

„Wenn Nahrungs- und Lebensmittel Menschen anwidern, kann das zu einem großen Problem werden“, erklärte mir Carl Philpott von der University of East Angklia’s Norwich Medical School. „Aus ernährungspsychologischer Sicht kann das zu einem enormen ungewollten Gewichtsverlust führen. Ebenso kann es zu Depressionen und Gefühlen der Isolation führen.“ Philpott gründete die Smell and Taste Clinic am James Paget University Hospital in Great Yarmouth, England. Die Klinik ist eine Einrichtung des staatlichen Gesundheitssystems Großbritanniens, dem National Health Service. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung helfen den Betroffenen dabei, mit Anosmie oder Parosmie zu leben. Neben der Arbeit mit den Patientinnen und Patienten wird das Symptom des Verlusts des Geruchs- und Geschmackssinns in der Einrichtung wissenschaftlich untersucht.

Es gibt Anlass zur Hoffnung. Eine neue Studie, die vergangenen Monat veröffentlicht wurde, ergab, dass der Verlust des Geruchssinns aufgrund von Covid-19 definitiv vorübergehend ist. 90 Prozent der Betroffenen erhalten ihren Geruchssinn innerhalb einiger Wochen nach der Infektion vollständig zurück. Bei den restlichen zehn Prozent kann es bis zu drei Jahre dauern. „Für Menschen, die so langanhaltende Verzerrungen erleiden, gibt es einen Erklärungsansatz. Möglicherweise ist das Virus weiter in das Gehirn der erkrankten Personen vorgedrungen als bei denjenigen, die nicht diese langanhaltende Symptomatik erleben“, erklärte mir Philpott. Diese Theorie basiert weitgehend auf Obduktionsstudien und früheren Forschungen zum SARS-Virus.

Riechtraining kann bei der Genesung helfen

Bislang gibt es keine konkrete Behandlung für Parosmie. Allerdings gebe es eine Möglichkeit, die Genesung zu beschleunigen, erklärte Philpott. Es ist demnach möglich, die Nase einem Geruchstraining zu unterziehen. Durch Geruchstraining wird die Parosmie zwar nicht geheilt, aber es ist eine Form der Physiotherapie für die Nase. Das Training beinhaltet, dass ihr mit verschiedenen Gerüchen arbeitet, um die Nerven in der Nase, die für die Geruchswahrnehmung verantwortlich sind, zu stimulieren und zu verstärken.

Vorangegangene Studien zeigten einen klaren Zusammenhang zwischen der Geruchstherapie und der Genesung dank der Gerüche von Klee, Eukalyptus, Zitrone und Rosen. „Der bisherige Verlauf zeigt, dass es sehr wahrscheinlich mit der Zeit besser wird“, beruhigte mich Philpott. Seit fast einem Jahr lebe ich nun mit einem gestörten Geruchssinn. Es ist zwar ungewiss, wie lange meine Parosmie noch anhalten wird, aber eins weiß ich: Ich freue mich schon jetzt auf den ersten Morgen, an dem ich meine Tasse Kaffee trinken kann, ohne den Atem anhalten zu müssen.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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