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Neuer Bayern-Boss: Wie Oliver Kahn vom Torwart-Titan zum mächtigsten Manager der Bundesliga wurde

·Lesedauer: 6 Min.

Oliver Kahn tritt die Nachfolge vom Bayern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz-Rummenigge an und wird zum mächtigsten Manager der Bundesliga.

Tritt die Nachfolge von Karl-Heinz Rummenigge an: Oliver Kahn.
Tritt die Nachfolge von Karl-Heinz Rummenigge an: Oliver Kahn.

Seit Dienstag ist es amtlich: Oliver Kahn tritt bereits am 01. Juli die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern München an und steigt somit zum mächtigsten Mann in der Bundesliga auf. Der vorzeitige Rückzug vom langjährigen Bayern-Boss Rummenigge kommt überraschend. Ursprünglich wollte dieser erst zum 31.12.2021 seine Geschäfte niederlegen und Oliver Kahn das Ruder in die Hand geben. Nun tritt der 65-Jährige ein halbes Jahr früher zurück. Mit ihm dankt das letzte Mitglied des einstigen Triumvirats um Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge ab, die zusammen in den vergangenen 30 Jahren die neue Erfolgs-DNA beim FC Bayern geprägt haben. 

Dass der ehemalige Bayern-Spieler und Welttorhüter Oliver Kahn die Geschäfte von Rummenigge übernimmt, ist bereits länger bekannt. „Nach seiner überaus erfolgreichen Profi-Karriere und seiner Zeit als Unternehmer hat er sich jetzt seit eineinhalb Jahren intensiv im Vorstand der FC Bayern München AG eingebracht“, betont Bayern-Aufsichtsratschef Herbert Hainer in einer Pressemitteilung und fügt an: „Wir alle sind überzeugt, dass Oliver Kahn der richtige Mann ist, um die Zukunft der FC Bayern München AG erfolgreich zu gestalten.“

Die Kultfigur Oli Kahn

Oliver Kahn im Mai 2001 nach dem Gewinn der UEFA Champions League.
Oliver Kahn im Mai 2001 nach dem Gewinn der UEFA Champions League.

Oliver Kahn – der Titan. Als Fußballer erlangte er während seiner aktiven Karriere bereits Kultstatus. Wenn Kahn in über 600 Profispielen zwischen den Pfosten stand, personifizierte er Ehrgeiz, Perfektion und Wahnsinn zugleich. Unvergessen sind seine Paraden. Vor allem bei der WM 2002, die Deutschland ins Finale führten und er als bisher einziger Torhüter in der Geschichte des Turniers als bester Spieler ausgezeichnet wurde. Unvergessen sind jedoch auch seine wenigen Fehler. Sein abgewehrter Schuss vom brasilianischen Spieler Rivaldo vor die Füße von Ronaldo, der im WM-Finale zum 1:0 für Brasilien einnetzte. Und mindestens genauso berühmt sind seine Ausraster auf dem Feld: Kahns Kung-Fu-Anflug in Richtung Chapuisat. Kahns angetäuschte Beißattacke gegen Heiko Herrlich.

Doch das ist der Kahn der Vergangenheit. Als neues Gesicht an der Führungsspitze des mitgliederstärksten Sportvereins der Welt braucht es nicht nur "Eier!", wie Kahn selbst einst nach einem Spiel von seinen Mitspielern forderte, sondern vor allem Besonnenheit, Weitsicht und Geschick. Vor dem 51-Jährigen stehen große Herausforderungen. Es könnten die größten in seinem Leben werden. Ist der Titan darauf vorbereitet?

Vom Stadion in den Vorlesungssaal

Wer denkt, dass die Bayern-Bosse erst seit anderthalb Jahren mit einer Rückkehr von Kahn in den Verein rechnen, liegt weit daneben. Bereits 2004 überlegte der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß nach eigener Aussage, Kahn nach dem Karriereende in den Vorstand zu holen. Doch damals dachte der Bayern-Spieler noch nicht ans Aufhören. Heute steht Kahn seit fast 13 Jahren nicht mehr zwischen den Pfosten. Sein Abschiedsspiel fand im September 2008 in der ausverkauften Allianz-Arena unter Tränen und dem Gesang von Paul Potts zu "Time To Say Goodbye" statt. Es sollte nur ein Abschied auf Zeit werden.

Oliver Kahn im ZDF als TV-Experte zusammen mit Johannes B. Kerner.
Oliver Kahn im ZDF als TV-Experte zusammen mit Johannes B. Kerner.

Nach seinem Karriereende trat ein anderer Oliver Kahn in der Öffentlichkeit auf. Zuvor von Fans aufgrund seiner angeblichen Ähnlichkeit mit einem Gorilla bei Spielen mit Bananen beworfen, zeigte sich der Ex-Nationalspieler als Fernsehexperte im ZDF über Jahre überlegt und besonnen. Von den einstigen Entgleisungen auf dem Spielfeld war im TV-Studio keine Spur mehr zu sehen. Der Oliver Kahn neben dem Platz hat mit dem Titan auf dem Feld abgeschlossen.

Stattdessen richtete sich sein Blick auf andere Themen. Er wollte etwas abschließen, mit dem er bereits vor seinem Karrieredurchbruch angefangen hatte. Nach dem Abitur in seiner Heimat Karlsruhe begann der damals aufstrebende Torhüter ein Fernstudium in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hagen. Kahn erreichte zwar ein Diplom, schloss das Studium jedoch nie mit einem Master ab. Einsatzzeiten beim Karlsruher SC hinderten den jungen Studenten daran, in Uni-Bibliotheken stundenlang zu lernen. Ein Leben als Fußballtorwart und Flutlichtspiele in München, Mailand oder Madrid erschienen reizvoller, als ein Leben in Unternehmensvorständen.

Also fing Kahn nach seiner Fußballerkarriere da an, wo er vor 30 Jahren aufgehört hatte. 2009 war der Ex-Torhüter an der Privatuniversität Schloss Seeburg in Österreich nicht mehr Weltmeister Oliver Kahn, sondern eingetragener Student im Studiengang General Management. Nebenfach, na klar, Sportmanagement. Als Kahn im dritten Semester war, verrät er in einem Gespräch mit dem „Spiegel“, wie schwer ihm die Umstellung fiel: „Da konnte ich nicht einmal eine Stunde am Stück sitzen und konzentriert lernen.“ Doch Kahn passte sich an, büffelte und wurde mit dem Master of Business Administration belohnt. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig“, betonte Kahn.

Gründer von Goalplay

Seine unternehmerischen Fähigkeiten blieben nicht unbemerkt. Bereits 2009 soll der FC Schalke 04 ihm ein Angebot gemacht haben. Doch Kahn lehnte ab. 2015 stieg Kahn dann sogar ins Start-up-Geschäft ein und gründete zusammen mit Geschäftspartner Moritz Matters das Unternehmen Goalplay. Das Start-up sammelt Leistungsdaten von Torhütern und bietet jungen Spielern Trainingsmöglichkeiten an, um ihr Spiel zu verbessern. Neben einer App entwickelte das Unternehmen auch verschiedenen Akademien, die Torhüter weiterbilden und ihnen den Sprung in die Spitzenklasse ermöglichen sollen. Als Gründer und Geschäftsführer sammelte Kahn vor allem hier Erfahrungen darin, wie man ein Unternehmen führt. Heute ist der zukünftige Bayern-Boss immer noch Gesellschafter bei Goalplay.

Doch reicht diese Erfahrung aus, um den FC Bayern zu übernehmen und nicht nur einen Fußballverein, sondern auch ein riesiges Wirtschaftsunternehmen mit Millionenumsätzen zu führen? Das Hoeneß-Rummenigge-Erbe ist groß, doch seine Vorgänger vertrauen ihm. „Oliver hat sich enorm entwickelt“, sagte Hoeneß über ihn. Er sei ausbalancierter geworden und trage das „Mia-san-mia“ im Blut. Es ist im Fußballgeschäft außerdem nicht unüblich, dass ehemaliger Spitzensportler Führungspositionen übernehmen und ihr Geschick darin beweisen. Hoeneß und Rummenigge sind selbst zwei perfekte Beispiele.

Die Zukunft des FC Bayern München

Oliver Kahn wird von Bayern-Präsident Herbert Hainer als Vorstandsmitglied vorgestellt.
Oliver Kahn wird von Bayern-Präsident Herbert Hainer als Vorstandsmitglied vorgestellt.

Im Hintergrund trieb Kahn seit seiner Ernennung in den Vorstand im Januar 2020 das Projekt „FC Bayern AHEAD“ voran und holte sich dafür die Unterstützung von ehemaligen Unternehmensberatern. Kahn führte Mitarbeiterumfragen durch. Ziel des Projekts war es, den Erfolg der Bayern-DNA zu verstehen und ihn weiterzuentwickeln. Es ist ein Spagat zwischen alten Werten und der Ausrichtung in die Zukunft. 

Das Projektteam bestand aus acht Leuten und arbeitete Corona-bedingt aus dem Homeoffice heraus. Von den über Tausend Mitarbeitern der Bayern AG, des e.V. und der Basketball-Abteilung soll sich die Hälfte beteiligt haben. Erwünscht waren in den Umfragen Feedback und Kritik – auch an der Bayern-Spitze. Die genauen Ergebnisse kennen nur Kahn und sein Team. Welche Erkenntnisse sie daraus ziehen, bleibt abzuwarten.

Am Ende steht trotzdem die Frage, ob Kahn als Rummenigge-Nachfolger beim FC Bayern funktionieren wird. Zusammen mit Präsident Herbert Hainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic bildet er ein neues Dreigespann, das sich erst noch beweisen muss. Damit sie dies tun können, braucht es Zeit. Zeit, die im schnelllebigen Fußballgeschäft kaum vorhanden ist. 

Auch auf dem Platz steht Bayern München vor Umbrüchen. Mit Julian Nagelsmann kommt ein neuer Trainer an die Seitenlinie und Verträge von alternden Leistungsträger wie Robert Lewandowski, Manuel Neuer und Thomas Müller laufen in den nächsten Jahren aus. Es entwickelt sich eine neue Bayern-Generation — auf und neben dem Platz. An ihrer Spitze steht jetzt Oliver Kahn.

VIDEO: Matthäus: ''Kahn wird auch das eine oder andere verändern''

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