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Neue Toilette für die ISS - für einen stolzen Preis

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Nichts ist im Weltraum leicht zu bewerkstelligen, auch nicht der Toilettengang. Deshalb haben Forschende der Nasa lange an einer Lösung für das Problem der Schwerelosigkeit getüftelt.

Wenig erinnert auf den ersten Blick an eine Toilette. (Foto: James Blair / Nasa)
Wenig erinnert auf den ersten Blick an eine Toilette. (Foto: James Blair / Nasa)

Vielleicht ist Gold in die Keramik eingearbeitet oder glänzende Edelsteine – vielleicht gibt es auch innovative Reinigungs-Funktionen, die den Besuch auf dem stillen Örtchen besonders hygienisch gestalten? Was sonst könnte einen Preis von umgerechnet knapp 20 Millionen Euro für eine Toilette rechtfertigen?

Die US-amerikanische Weltraumbehörde Nasa würde darauf wohl antworten: Funktionalität. Und zwar in der Schwerelosigkeit. Denn die macht gewöhnliche Toiletten auf Weltraumfahrten unmöglich. Ohne Schwerkraft fallen Ausscheidungen nicht einfach herab und lassen sich fortspülen.

Wasserbasierte Flüssigkeiten werden aufbereitet

Wie der Stern diese Woche berichtet, knobelten Forschende der Nasa eine ganze Weile über diesem Problem. Nun haben sie aber ihre Antwort darauf vorgestellt: Eine 23-Millionen-US-Dollar-teure Toilette, die demnächst ins All geschossen und auf der „International Space Station“ (ISS) getestet werden soll.

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Sie trägt den Namen „Universal Waste Management System“ (UWMS) und kann laut Entwickler*innen leicht in unterschiedliche Weltraumfahrzeuge eingebaut werden. Bei längerem Aufenthalt im All kann das UWMS sogar regenerativ genutzt werden und Urin zu Wasser aufbereiten. In einer Pressemitteilung der Nasa erklärt die Astronautin Jessica Meir dazu: „Wir bereiten auf der ISS ungefähr 90 Prozent aller wasserbasierten Flüssigkeiten wieder auf, dazu gehören auch Schweiß und Urin. Der Kaffee von heute ist der Kaffee von morgen.“

Für Mondmissionen ist eine so hohe Regenerationsrate nicht ganz so wichtig, für zukünftige Reisen zum Mars möchte die Nasa allerdings 98 Prozent erreichen. Denn für die jahrelangen Missionen ist die Reduktion von Transportgewicht absolut entscheidend.

Entsorgung? Verglüht beim Wiedereintritt in die Atmosphäre

Das UWMS hat dazu noch weitere Vorteile: Im Gegensatz zu dem derzeit in Nutzung befindlichen Modell ist es kleiner, leichter, komfortabler und einfacher zu nutzen. Apropos: Der Trick ist Unterdruck. Auf diese Weise werden Ausscheidungen von den Toiletten-Besucher*innen weggesaugt und in entsprechenden Behältern verwahrt.

Neu ist auch, dass die Astronaut*innen den Absaugvorgang nicht mehr starten müssen. Das geht jetzt automatisch, sobald der Toilettendeckel aufgeklappt wird. Was, laut Nasa-Pressemitteilung, auch der Geruchsentwicklung entgegenwirken soll. Je nach Geschäft gibt es entweder einen speziell geformten Trichter oder einen Schlauch, die können aber auch gleichzeitig benutzt werden. Ein weiteres Problem der Schwerelosigkeit lösen zudem Haltegriffe und Fußstützen, damit die Astronaut*innen zwischendrin nicht wegfliegen können. Auf früheren Modellen gab es noch Anschnallgurte, was wohl nicht gerade komfortabel war.

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Toilettenpapier, Tücher und Handschuhe kommen im Anschluss übrigens in wasserdichte Säcke. Gemeinsam mit den Fäkalbehältern werden sie dann auf ein Frachtmodul gebracht, das bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

Wenn der Test des UWMS auf der ISS erfolgreich verläuft, soll die neue Toilette flächendeckend eingesetzt werden: Auch auf möglichen Flügen zum Mars.

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