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Neue Modelle, mehr E-Autos: Nissan wagt den Neustart in Europa – von Großbritannien aus

Menzel, Stefan
·Lesedauer: 4 Min.

Der japanische Autobauer hat in Europa zuletzt hohe Verluste erlitten. Helfen soll ein neuer E-Antrieb für den Qashqai – produziert in England.

Nissan hat einen brutalen Absturz hinter sich. Bereits 2019 hatte der japanische Autohersteller in Europa 20 Prozent seiner Verkäufe verloren, im Corona-Jahr 2020 kamen weitere 25 Prozent dazu. Von knapp 500.000 im Jahr 2018 verkauften Neuwagen sind Ende vergangenen Jahres keine 300.000 übrig geblieben.

Nissan will diesem Aderlass ein Ende setzen. Dazu sollen in erster Linie neue Modelle und die Elektrifizierung des Produktportfolios beitragen. „Der Trend zur Elektromobilität lässt sich nicht mehr aufhalten“, sagt Nissan-Europachef Gianluca de Ficchy im Gespräch mit dem Handelsblatt, „in Europa geht die Elektrifizierung am schnellsten.“

Mit Toyota und Honda gehört Nissan zu den japanischen Autoherstellern, die einen Teil ihrer in Europa verkauften Autos in Großbritannien produzieren. Wegen der vielen im Zusammenhang mit dem Brexit ungeklärten Fragen war es lange unklar, wie es mit der Autoproduktion auf der britischen Insel weitergehen würde. Honda schließt seine Fabrik Mitte dieses Jahres.

Bei Nissan herrscht inzwischen Klarheit, dass die Produktion im Werk Sunderland weitergehen kann. Dafür sorgt das Handelsabkommen, das die Europäische Union (EU) und Großbritannien gerade noch rechtzeitig vor dem Jahreswechsel abgeschlossen hatten. „Jetzt haben wir klare Regeln, um weiterhin produzieren zu können“, erläutert Europachef de Ficchy.

Nissan habe die Produktion in Großbritannien auf jeden Fall fortsetzen wollen: „Sunderland ist weltweit eine unserer effizientesten Fabriken.“ Ohne die in letzter Minute gefundene Übereinkunft hätten dem Hersteller echte Probleme gedroht. „Wenn es keine Lösung gegeben hätte, wäre die nachhaltige Stabilität von Nissan in Europa nicht mehr zu garantieren gewesen“, so de Ficchy.

Im dortigen Werk waren die Vorbereitungen für den Produktionsstart des wichtigsten Modells aus britischer Fertigung bereits im vergangenen Jahr so gut wie abgeschlossen. „Die Entscheidung, auch die dritte Generation des Qashqai in Sunderland zu produzieren, haben wir nicht 2020 getroffen, sondern Jahre zuvor“, betont de Ficchy.

Nissan habe in der Vorbereitungsphase entsprechend für die Produktion des neuen Qashqai investiert. Es wäre eine „unmögliche Mission“ geworden, die Fertigung des Modells in eine andere Fabrik zu verlagern. Durch die erfolgte Einigung sei die Produktion des Qashqai in Sunderland wirtschaftlich tragfähig. Mit Zöllen zwischen europäischem Kontinent und britischer Insel wäre das kaum möglich gewesen.

Hoffnung liegt auf neuem E-Antrieb

Zölle können allerdings anfallen, wenn ein Autohersteller wie Nissan Zulieferteile aus Drittstaaten bezieht. Nach vollzogenem Brexit schreiben die neuen Regeln vor, dass die in Großbritannien produzierten Autos einen gewissen Anteil lokaler Wertschöpfung („local content“) enthalten müssen.

Nissan hat mit diesen Vorgaben vergleichsweise geringe Probleme. „Unsere Zulieferströme müssen wir nicht ändern. Der überwiegende Teil der Lieferanten ist in Großbritannien oder auf dem Kontinent zu Hause“, erläutert de Ficchy.

Es gibt allerdings eine Ausnahme. Nissan fertigt in Sunderland auch das vollelektrische Modell Leaf. Einen Teil der dafür benötigten Batterien hatte Nissan bislang aus den USA bezogen. Diese Lieferungen fallen jetzt weg, da der Autohersteller dafür Zölle zahlen müsste. Künftig werden alle Leaf-Batterien in Großbritannien produziert, wo Nissan zusammen mit einem chinesischen Partner Batterien herstellt.

Sollten in weiterer Zukunft noch weitere E-Modelle in Sunderland gefertigt werden, könnte Nissan auch die Batterieproduktion im Vereinigten Königreich ausbauen. Entscheidungen sind nicht getroffen: „Die weitere Lokalisierung der Batteriefertigung müssen wir uns noch ansehen“, so de Ficchy.

Vor allem mit dem neuen Qashqai wird Nissan beweisen müssen, dass der Turnaround in Europa gelingt. Das Auto, das etwa den VW Tiguan und den Ford Kuga als Konkurrenten hat, gibt es zunächst in zwei teilelektrischen Varianten mit Verbrennungsmotor.

Nissan hofft auf besondere Erfolge mit dem sogenannten „E-Power“-Antrieb, den der Konzern schon vor geraumer Zeit in Japan erfolgreich eingeführt hat und beim Qashqai jetzt erstmals in Europa einsetzt. E-Power ist die – kabellose – Interpretation des Hybridantriebs.

Ein Benzinmotor wird ausschließlich für die Stromerzeugung genutzt: Er lädt eine Batterie, die wiederum einen Elektromotor antreibt. Für den Antrieb der Räder ist dann nur dieser Elektromotor verantwortlich. Das bedeutet, dass das Benzinaggregat immer in seinem optimalen Drehzahlbereich laufen kann, mit Vorteilen beim Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Der Qashqai mit E-Power hat das Fahrverhalten eines Elektroautos, was sich etwa durch die starke Beschleunigung bemerkbar macht.

Allianz mit Renault noch schwierig

Nicht nur in Europa, sondern weltweit hat sich Nissan einen einschneidenden Sanierungsplan auferlegt. Rund um den Globus streicht der japanischen Autohersteller die eigenen Produktionskapazitäten um ein Fünftel zusammen. Auch Europa ist davon betroffen: Zum Jahresende muss ein Transporterwerk in Barcelona schließen.

Mit weltweit zwölf neuen Modellen will Nissan die Wende schaffen. „Diese neuen Autos sind der Schlüssel“, sagt Bloomberg-Analyst Tatsuo Yoshida. Damit sei eine Trendwende möglich. Die aktuelle Lage bleibe allerdings schwierig. Immerhin hatte Nissan im letzten Quartal des vergangenen Jahres wieder einen kleineren Gewinn geschafft. Für das gesamte Geschäftsjahr 2020/21 (zum 31. März) kalkuliert der Konzern weiterhin mit einem Verlust in Milliardenhöhe.

Die Allianz mit dem französischen Renault-Konzern ist dabei weiterhin kein Erfolgstreiber. „Das Bündnis gestaltet sich nach wie vor schwierig“, sagt Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover. Immerhin hat sich Nissan dazu entschieden, leichte Nutzfahrzeuge künftig in einer Renault-Fabrik in Frankreich produzieren zu lassen.