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Mittelständler Fiege wird zum Geburtshelfer für Start-ups

·Lesedauer: 4 Min.

Seriengründer Matthias Friese entwickelt Start-ups, die mit digitalen Modellen Logistikprobleme lösen. Auch andere Mittelständler setzen auf das Modell.

Mit dem Gründen von Unternehmen hat Matthias Friese so einige Erfahrung. In den vergangenen sieben Jahren war er am Aufbau ganz unterschiedlicher Start-ups beteiligt. Darunter waren unter anderem der digitale Außenwerber Metaposter, ein Cybersecurity-Unternehmen oder ein Anbieter von maßgeschneiderter Bettwäsche.

Auch in seinem aktuellen Job ist er wieder als Geburtshelfer für Start-ups unterwegs. Allerdings diesmal nicht auf eigene Rechnung, sondern im Auftrag des Familienunternehmens Fiege. Er soll dort gezielt Gründungen initiieren, die mit digitalen Geschäftsmodellen Lücken in den Logistikketten schließen.

Das Logistikunternehmen Fiege geht dabei einen anderen Weg als die meisten Mittelständler. Neben dem Investment in bestehende Jungunternehmen oder der Veranstaltung von Start-up-Wettbewerben hat es den Company-Builder „Xpress Ventures“ aufgebaut. Dieser soll Ideen für neue Unternehmen ausbrüten und dann daraus Start-ups gründen.

„Wir können aus der Organisation heraus Ideen entwickeln, die bereits sehr nah an der Praxis sind“, erläutert Friese. Die Experten von Fiege kennen die richtigen Ansprechpartner und haben den direkten Kundenkontakt. Sie könnten so gut abschätzen, welche Produkte bei den Geschäftspartnern gefragt sind und wie hoch die Preisbereitschaft dafür ist. „Dadurch können die Start-ups die Geschäftsideen effizienter umsetzen und viele Fehler im Aufbau umgehen“, sagt Friese.

Der wichtigste Job des bärtigen 39-Jährigen mit dem markanten Unterarm-Tattoo ist es dabei, seine Netzwerke zu nutzen und die richtigen Köpfe für die künftigen Start-ups zu finden. „Es gibt so viele unglaublich spannende Gründer in Deutschland, und es ist unsere Aufgabe, ihnen die richtigen Angebote zu machen und das richtige Umfeld zu schaffen.“

Heizungsbauer Viessmann als Vorbild

Die Start-ups bekommen eine Startfinanzierung und können die Infrastruktur von Fiege nutzen, wie beispielsweise Lagerhäuser. „Aber die Gründer halten die Mehrheit und sollen das Unternehmen weiterentwickeln“, betont Friese. Deswegen sei es besonders wichtig, die richtigen Unternehmerpersönlichkeiten zu finden.

Eins der Vorbilder bei der Company-Builder-Idee ist der Heizungsbauer Viessmann. Er war schon vor Jahren der erste Mittelständler, der systematisch und in einem eigenen Unternehmen Start-ups aufgebaut hat. WattX heißt dort die Entwicklungseinheit.

Um diesen Prozess noch zu beschleunigen, hat Viessmann in Berlin den „Maschinenraum“ am Prenzlauer Berg eingerichtet, ein Zentrum für die Kooperation zwischen Mittelständlern und Start-ups. „Viele Mittelständler beschreiten einen ähnlichen Weg wie wir, und da können wir voneinander lernen“, beschreibt es Juniorchef Max Viessmann.

Deswegen ist es kein Zufall, dass sich auch Xpress Ventures von Fiege im Maschinenraum angesiedelt hat. „Die Zusammenarbeit zwischen Mittelständlern und Start-ups ist ein komplexes Thema, da hilft der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen“, sagt Tobias Rappers, Geschäftsführer der Maschinenraum GmbH.

„Man darf den Charakter von Familienunternehmen nicht unterschätzen. Sie haben einen langen Atem und denken in Generationen“, beobachtet Rappers. Sie hätten häufig ein klares und bewusstes Vorgehen. „Auch Xpress Ventures ist sehr umsetzungsorientiert“, lobt er seinen neuen Partner.

Geschützter Raum für junge Unternehmen

Fiege-Manager Friese schätzt am Maschinenraum die Offenheit. „In der Logistikbranche herrscht ein großer Preiskampf, die Margen sind niedrig. Die Unternehmen versuchen, ihre Betriebsgeheimnisse besonders streng zu schützen. Da ist es schwierig, sich mit Konkurrenten über Ideen bei der Zusammenarbeit mit Start-ups auszutauschen“, sagt er. Der Maschinenraum sei daher ein ideales Umfeld, um mit anderen Unternehmen Erfahrungen auszutauschen, mit denen man nicht im direkten Wettbewerb steht.

Xpress Ventures hat bereits drei Start-ups im Portfolio, die schon am Markt aktiv sind. Eines davon ist beispielsweise das City-Logistik-Unternehmen „Angel bringt’s“. Über eine Technologieplattform ermöglicht es Händlern die Nutzung von freien Kapazitäten von Paketdiensten und liefert die Waren an die Kunden zur Wunschzeit aus.

Der Company-Builder ist für die Start-ups ein geschützter Raum, damit sie in den Konzernstrukturen von Fiege mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz und 19.000 Mitarbeitern an 150 Standorten nicht untergehen. Mittelständlern, die ebenfalls Neugründungen aufs Gleis setzen wollen, empfiehlt Seriengründer Friese: „Man muss die Start-ups so autark wie möglich leben lassen.“

Nötig sei aber gleichzeitig eine so intensive Kommunikation wie möglich. Und dafür brauche es Menschen, die beide Seiten kennen und vermitteln können.