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Nachdem mir die negativen Auswirkungen des vielen Arbeitens auf mein Kind klar wurden, reduzierte ich von 70 auf 20 Stunden — und wurde fokussierter

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Bridgette Borst Ombres mit ihrer Familie.
Bridgette Borst Ombres mit ihrer Familie.

Zu Beginn der Pandemie waren mein Mann und ich beide voll berufstätig und hatten ein zweijähriges Kind. Ich arbeitete als Vizepräsidentin für Kommunikation und strategische Partnerschaften in einem IT-Unternehmen, das am Höhepunkt der Pandemie sehr viele Aufträge hatte. Wir versuchten, Firmen in den USA wieder zum Laufen zu bringen und sie dabei zu unterstützen, ihren Mitarbeitern die Arbeit im Home Office durch den Fernzugriff auf die Daten des Unternehmens zu ermöglichen.

Ich war besonders stark eingebunden. Ich arbeitete 60 bis 70 Stunden pro Woche und versuchte, interne und externe Zielgruppen über bürointerne Richtlinien, Pläne für den Wiedereinstieg in den Beruf und andere Änderungen zu informieren. Neben der Arbeit hatte ich außerdem einen Nebenjob als PR-Beraterin. Ich hatte schon seit einigen Jahren immer wieder beratende Tätigkeiten ausgeführt, aber 2018 wurde es regelmäßiger. Ich nahm diese Rolle an, während ich andere Rollen als Mutter und in der Pandemie auch als Vorschullehrerin meiner Tochter gleichzeitig erfüllen musste.

Meine Eltern zogen in den ersten zwei Monaten der Pandemie bei uns ein. Sie halfen uns dabei, unser Leben zu bewältigen und übernahmen einen Großteil der Aufgaben im Haushalt, da mein Mann und ich in der Technikbranche weit mehr als 40 Stunden wöchentlich arbeiteten.

Nach sechs Monaten Pandemie war ich allerdings an meiner Belastungsgrenze angelangt. Das i-Tüpfelchen war für mich die Tatsache, dass meine Tochter mich in einer Weise imitierte, die mir nicht gefiel. Sie hatte einige ihrer Kuscheltiere um sich herum aufgestellt und tat so, als würde sie telefonieren.

Einmal sagte sie: „Oh, entschuldigen Sie bitte die Hintergrundgeräusche. Ich habe hier ein kleines Kind bei mir.“ Sie wiederholte, was sie mich schon so oft in Zoom-Calls hatte sagen hören. Dann fügte sie noch hinzu „Schh, Mama ist gerade in einem Meeting, es dauert noch ein bisschen länger. Mama ist in einem Meeting.“

Ich war schockiert und dachte, es sei ihr gegenüber nicht fair. Wir taten immer unser Bestes, um jeden Tag gut zu überstehen, aber wenn ich meine Prioritäten genau anschaute, dann war sie immer meine oberste Priorität. Ich musste etwas tun.

Durch die Pandemie wurde mir klar, dass ich mehr Flexibilität brauche und will

Ich beschloss, Consulting zu meiner Haupteinnahmequelle zu machen und arbeite ab September 2020, als ich meine Vollzeitstelle aufgab, etwa 20 Stunden wöchentlich. Als ich noch in Vollzeit arbeitete, kam mir mein Arbeitgeber sehr entgegen und bot mir an, flexibler zu arbeiten.

Aber meine Funktion als Kommunikationsleiterin brachte sehr viel Verantwortung mit sich. Als ehemalige Fernsehreporterin wusste ich, wie es ist, in einem anspruchsvollen Job außerhalb der üblichen Arbeitszeiten zu arbeiten. Ich hatte 15 Jahre im Kommunikationsbereich gearbeitet – aber das war ein ganz neues Level an Arbeitsstress.

Jetzt bin ich auf Medienstrategie, Thought Leadership und Kommunikationsplanung für Unternehmen in den Bereichen Blockchain, AR, Cleantech und neue Technologien spezialisiert. Bei der Wahl, mit wem ich zusammenarbeite, bin ich bewusst sehr wählerisch, weil ich weiß, wie es ist, ausgebrannt und überarbeitet zu sein und viel zu viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen zu müssen. An diesen Punkt möchte ich nie wieder zurückkehren.

Meine Tochter ist jetzt vier Jahre alt. Irgendwann werde ich wahrscheinlich wieder mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, aber im Moment habe ich mich dagegen entschieden. Nachdem ich immer für ein Unternehmen gearbeitet habe, setze ich jetzt zum ersten Mal auf mich selbst. Ich richte mich gänzlich nach dem Zeitplan meiner Tochter und habe festgestellt, dass ich mein Berufs- und Privatleben nun viel besser vereinbaren kann.

In der Regel arbeite ich von 4 Uhr morgens bis 6:30 Uhr morgens an fünf bis sechs Tagen in der Woche. Außerdem arbeite ich montags, mittwochs und freitags, wenn sie in der Vorschule ist. Dienstags und donnerstags arbeite ich von 18:00 bis 20:00 Uhr.

Als ich zum ersten Mal aus der Unternehmenswelt ausstieg, fühlte ich mich von einer großen Last befreit. Während meines Vollzeitjobs hatten wir eine feste Routine. Am Vorabend musste ich Aktivitäten für den nächsten Arbeitstag heraussuchen und vorbereiten, um mein Kind zu beschäftigen. Ich tat das, um den nächsten Tag zu überstehen. Aber das bedeutete nicht, dass alles in Ordnung war oder wirklich gut funktionierte.

Als ich begann, in Teilzeit zu arbeiten, empfand ich so viel Freude und Dankbarkeit für die Möglichkeit, mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. Ich fing an, gesündere Entscheidungen zu treffen und meiner körperlichen, geistigen und emotionalen Gesundheit Vorrang zu geben. Außerdem engagierte ich mich mehr in der Gemeinschaft.

Wir haben mit den Kindern in unserer Nachbarschaft einen Grußkarten-Austausch zum Valentinstag und eine Parade zum 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der USA, organisiert. Die Kinder schmückten ihre Fahrräder, Wägen und Roller. Ich fing an, mich mehr für die Beziehungen zu meinen Nachbarn zu interessieren, weil ich dafür etwas mehr Zeit hatte.

Die berufliche Neuorientierung hat mir gezeigt, dass es im Leben mehr gibt als nur Arbeit

Für mich gibt es heute weit mehr als nur meinen Job. Meine Gesundheit und die Beziehung zu meinem Mann und meiner Tochter sind für mich das Wichtigste auf der Welt. Die berufliche Neuorientierung hat meine Karriere völlig verändert. Es fiel mir leichter, „Nein“ zu Projekten zu sagen, die nicht mit meinen Werten übereinstimmen oder sich nicht richtig anfühlen. Ich habe gelernt, wie wertvoll Zeit wirklich ist. Der Karrierewechsel hat mich gezwungen, mich auf die richtigen Herausforderungen einzulassen, kreativ zu werden und mehr Risiken einzugehen.

Das war wirklich schwierig, aber meine Geschichte ist kein Einzelfall. Es gibt viele Mütter, Eltern und Pflegende, die noch viel größere Hürden bewältigen müssen. Mein Rat: Wenn Familie, Freunde oder Nachbarn anbieten, bei der Kinderbetreuung, beim Kochen, der Wäsche oder beim Freischaufeln der Einfahrt zu helfen – nehmt die Hilfe an. Wir alle können manchmal ein zusätzliches Paar Hände gebrauchen. Versucht außerdem, euren Körper fünfmal in der Woche mindestens 20 Minuten lang zu bewegen. Bewegung ist wichtig. Ruhe ist wichtig. Gutes Essen ist wichtig. Ihr könnt nicht aus den Vollen schöpfen, wenn der Becher leer ist.

Dieser Text wurde von Marlene Schulze aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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