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Merkel-Ära hat berufstätigen Frauen wenig Fortschritt beschert

·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Angela Merkel ist die längstgediente Regierungschefin in der westlichen Welt. Ihren deutschen Geschlechtsgenossinnen hat das wenig gebracht.

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Zwar arbeiten in Deutschland anteilig mehr Frauen als im Durchschnitt der Industrieländer, ihre Jobs sind jedoch oftmals keine Vollzeitstellen. Der Anteil berufstätiger Frauen in Teilzeit lag 2005, als Merkel ins Amt kam, bei 38,8%. 2019 war er mit 36,3% laut Daten der OECD kaum gesunken. Nimmt man an, dass viele dieser Frauen gerne Vollzeitstellen hätten, ist das ernüchternd: In Schweden beispielsweise lag der Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit 17,3% bei weniger als der Hälfte des deutschen Niveaus. In Frankreich war er 20,4%.

Im deutschsprachigen Raum wird es Frauen nicht leicht gemacht, Vollzeit zu arbeiten - und Müttern schon gar nicht. Das Steuerrecht ist nicht auf Doppelverdiener ausgelegt, bezahlbare Kinderbetreuung ist knapp und Frauen, die ihre Kinder ganztags betreuen lassen, sind als Rabenmütter verschrien. Unter den Dax-Unternehmen gibt es mit Merck KGaA nur ein einziges, das von einer Frau geführt wird.

Im European Women on Boards Gender Diversity Index landete Deutschland letztes Jahr auf einem peinlichen 12. Platz von 18, hinter Großbritannien, den Niederlanden und Spanien. Österreich kam auf Rang 14, die Schweiz wurde Vorletzte.

“Ich halte das für eine verpasste Gelegenheit - das Thema hätte sich unter dieser großartigen Kanzlerin viel weiter entwickeln können,” sagte Monika Schulz-Strelow, Chefin der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte. “Frauen in Führungspositionen wollen oft nicht mit solchen ‘Frauenthemen’ assoziiert werden.”

Merkel hat sich dem Thema in ihrer Amtszeit nur sporadisch gewidmet.

Die Bertelsmann Stiftung hat errechnet, dass Kinderkriegen das Erwerbseinkommen einer Frau in Deutschland um bis zu 62% verringert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Mütter in Teilzeit gehen müssen. Auf die gesamte Volkswirtschaft bezogen wäre das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um jeweils mehr als ein Fünftel höher, wenn alle Frauen soviel arbeiten würden wie Männer, heißt es in einer Studie des Council on Foreign Relations, auf der Basis von Schätzungen von McKinsey.

Viele Resourcen würden einfach nicht genutzt und das schade der Wirtschaft, sagt Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. “Veränderungen gibt es nur, wenn Frauen selbst Druck machen. Von selbst passiert nichts.”

Zur hohen Besteuerung von Haushalten mit zwei Einkommen und der schlechten Kinderbetreuung in Deutschland kommen zudem noch großzügige Sozialleistungen für Partner, die daheim bleiben, und für Witwen.

In Frankreich etwa gibt es ein gutes Angebot staatlicher Ganztagsbetreuung schon für kleine Kinder. Hierzulande ist das die Ausnahme - oder teuer. Für Grundschulkinder etwa führt Deutschland erst ab 2026 einen ganztägigen Betreuungsanspruch ein.

Während Deutschland Schritte unternommen hat, die Frauen besser stellen sollen, etwa die Anhebung des Mindestlohns, wird bislang am Steuersystem nicht gerüttelt - trotz der Kritik der OECD, die Ausgestaltung sei ungünstig für Doppelverdiener. Ein Wechsel hin zur Einzelbesteuerung könnte die Beschäftigung im Land um 200.000 Vollzeitstellen erhöhen, hat das Ifo-Institute errechnet.

Quoten sollen nun zu mehr Managerinnen führen - neue Regeln hierzu traten am 12. August in Kraft. Einige beklagen dennoch, Merkel habe einfach nicht genug getan.

Die Bundeskanzlerin habe “einzelne Frauen gefördert, jedoch nicht so sehr weitreichende Gesetzesänderungen” im Sinne von mehr Gleichberechtigung auf den Weg gebracht, so Miriam Beblo, Professorin an der Universität Hamburg. “Es wird wohl nochmal vier Jahre dauern” bis das Einkommensteuergesetz geändert wird.

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