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Merck scheitert an Corona-Impfstoff

Reuters , AP Reiblein, Jana , Bloomberg
·Lesedauer: 4 Min.

Da die Testreihen keine gute Ergebnisse brachten, hat das Pharma-Unternehmen Merck die Entwicklung zweier Corona-Impfstoffe gestoppt. Die Merck-Aktie drehte nach Bekanntgabe der Nachricht vorbörslich ins Minus.

Das US-Pharma-Unternehmen Merck hat die Entwicklung von zwei Corona-Impfstoffen gestoppt. Frühe Testreihen hätten keine guten Ergebnisse gebracht, erklärte das Unternehmen in Kenilworth im US-Staat New Jersey am Montag. Deshalb werde sich Merck jetzt auf Medikamente zur Behandlung von Covid-19-Patienten konzentrieren. Merck hatte erst im Herbst mit ersten Tests für einen Corona-Impfstoff begonnen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die inzwischen zugelassenen Entwicklungen von Biontech und Pfizer sowie Moderna schon in der Endphase.

In frühen klinischen Studien der Phase-1 hätten die beiden Vakzine eine unzureichende Immunreaktion erzeugt, teilte der US-Pharmakonzern am Montag mit. Diese sei niedriger als die bei ehemaligen Covid-19-Patienten und auch schwächer als die Ergebnisse anderer Covid-19-Impfstoffe in klinischen Studien.

Die Ergebnisse seien „enttäuschend, und ein bisschen überraschend“, sagte Nick Kartsonis, zuständig für klinische Forschung für Infektionskrankheiten bei Merck Research Laboratories. Die Merck-Aktie drehte nach Bekanntgabe der Nachricht vorbörslich ins Minus. Auch die US-Aktienfutures gerieten leicht unter Druck. Ermutigende Testergebnisse lieferte hingegen Moderna: Das Impf-Mittel des Herstellers schützt den Angaben zufolge wohl auch vor den ansteckenderen britischen und südafrikanischen Varianten des Erregers. Das verlieh der Aktie der Biotechfirma Auftrieb. Sie steigt um 8,4 Prozent.

Der US-Pharmakonzern Merck war erst vergleichsweise spät ins Rennen um einen Corona-Impfstoff eingestiegen. Dafür hatte Merck & Co im Mai 2020 die Übernahme des österreichischen Impfstoffherstellers Themis Bioscience angekündigt. Der Impfstoff von Themis, der in Zusammenarbeit mit dem Institut Pasteur in Paris entwickelt wurde, basiert auf einem modifizierten Masernvirus, das Teile des Coronavirus in den Körper abgibt. Das Projekt wurde durch die internationale Impfinitiative CEPI finanziell unterstützt.

Merck & Co wollte zudem in einer Zusammenarbeit mit der Internationalen Aids-Impfstoffinitiative IAVI einen weiteren Impfstoff entwickeln, der auf der gleichen Technologie wie der Ebola-Impfstoff Ervebo des US-Konzerns basiert. Wegen des Fehlschlags in der Impfstoffentwicklung werde im vierten Quartal eine Sonderbelastung vor Steuern anfallen, kündigte Merck & Co an, ohne eine genaue Summe zu nennen.

Die Entwicklung von zwei Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 will das Unternehmen dagegen weiter vorantreiben. Ergebnisse aus den klinischen Studien mit den beiden Mitteln sollen noch im ersten Quartal veröffentlicht werden. Für eines der beiden Mittel namens MK-7110 hatte Merck & Co im Dezember eine Liefervereinbarung im Wert von bis zu 356 Millionen Dollar (knapp 293 Millionen Euro) mit der US-Regierung getroffen. Sollte es zugelassen werden, könnte Merck bis Ende Juni bis zu 100.000 Dosen davon liefern.

Weltweit befinden sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit 64 Impfstoffprojekte in der klinischen Entwicklung, davon 16 in der entscheidenden dritten Phase. Während Firmen wie die Partner Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca schon Notfallzulassungen erhielten, mussten andere auch schon Rückschläge verkraften. So muss der französische Pharmakonzern Sanofi wegen unbefriedigender erster Studienergebnisse eine weitere Studie starten, weshalb es bis zu einer möglichen Zulassung des Vakzins deutlich länger dauern wird als gedacht.

Die Europäische Union hat – im Gegensatz zum verspäteten Sanofi-Impfstoff – laut der offiziellen europäischen Impfstoffstrategie keine Dosen beim US-Konzern Merck geordert. Laut der Webseite der Europäischen Kommission gab es auch keine Sondierungsgespräche mit Merck.

Große Hoffnungen ruhen alldieweil auf dem Impfstoffkandidaten des US-Konzerns Johnson & Johnson. Bei diesem soll nur eine Verabreichung des Vakzins nötig sein; bei den bereits im Einsatz befindlichen Mitteln von Biontech und Moderna sind zwei Gaben notwendig. Das Präparat soll zudem monatelang bei Kühlschranktemperaturen lagerfähig und zudem noch günstiger sein, als die bisher zugelassenen Impfstoffe. 200 Millionen Einheiten hat die Europäische Kommission bei Johnson & Johnson bestellt – mit der Option für weitere 200 Millionen. Das Vakzin ist aber bisher noch nicht zugelassen.

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