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Evercore schätzt Impfstoff-Chancen ab; erste Daten im September

David Verbeek
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Bei Sanofi beginnen die klinischen Tests für einen Serumkandidaten, mehrere Impfstoffstudien dürften in den kommenden Wochen erste Daten liefern, und ein Analysehaus wagt eine Einschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit der Wirkstoffe.

Die ersten Phase-3-Studien mit den wichtigsten Impfstoffen haben laut Evercore ISI eine 55-prozentige Chance auf Erfolg. Ein Best-Case-Szenario, dass eines oder mehrere der Mittel bei hoher Sicherheit einen Schutz von über 90% bietet, wäre laut Analyst Josh Schimmer eine “positive Überraschung”. Dem Szenario, dass die Impfstoffe eine Wirksamkeit von 60 bis 70% aufweisen, misst Schimmer eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 27,5% bei. Dabei sei jedoch mit Sicherheitsproblemen zu rechnen.

In den kommenden Wochen dürften mehrere Pharmaunternehmen wichtige Studiendaten aus ihren Corona-Impfstoffprojekten vorlegen. AstraZeneca werde bereits Mitte dieses Monats erste Ergebnisse veröffentlichen, schreibt das Analysehaus Airfinity. Der britische Pharmakonzern hatte angekündigt, bis Ende September bis zu 30 Millionen Dosen für Großbritannien zu produzieren. Von der deutsch-amerikanischen Partnerschaft von BioNTech und Pfizer erwartet Airfinity erste Daten vor dem 22. Oktober. An dem Tag findet ein wichtiges Meeting der US-Zulassungsbehörde FDA statt. Kurz danach werden Daten von der chinesischen Sinovac Biotech erwartet.

Am heutigen Donnerstag haben erstmals Menschen den Covid-19-Impfstoffkandidaten von Sanofi und der britischen GlaxoSmithKline verabreicht bekommen. Ergebnisse aus der Studie mit 440 gesunden Probanden aus zwei Altersgruppen sollen im Dezember vorliegen, damit die Schlussphase der Tests noch vor Jahresende beginnen kann, teilten die beiden Unternehmen am Donnerstag mit.

Frankreich hat in den letzten 24 Stunden mehr als 7.000 Neuinfektionen gemeldet. Der Sieben-Tage-Durchschnitt stieg dadurch auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Die französischen Behörden haben zuletzt zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um das Virus einzudämmen. So müssen die Menschen jetzt in vielen Städten, auch in Paris, im öffentlichen Raum Masken tragen.

Um die von Corona gebeutelte französische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, macht die Regierung von Präsident Emmanuel Macron 100 Mrd. Euro locker. Das Paket umfasst Lohnsubventionen, Steuersenkungen für Unternehmen und Mittel für Umweltschutzprojekte. “Dieses Konjunkturprogramm soll den Kollaps unserer Wirtschaft und den Anstieg der Arbeitslosigkeit stoppen”, sagte Premierminister Jean Castex dem Radiosender RTL.

Die britische Regierung beobachtet laut Financial Times die steigende Zahl von Krankenhausaufnahmen in Frankreich und Spanien mit Sorge. Nach Informationen der Zeitung befürchtet Gesundheitsminister Matt Hancock, dass es in Großbritannien eine ähnliche Entwicklung geben könnte. Es werde befürchtet, dass jüngere Infizierte ohne Krankheitssymptome ältere und gefährdetere Familienmitglieder anstecken könnten.

In Deutschland wurden nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Donnerstagmorgen in den zurückliegenden 24 Stunden 1.396 Neuansteckungen registriert, gegenüber 1.213 am Vortag. Die bisherigen Höchstwerte bei den Neuinfektionen in Deutschland hatten Ende März an manchen Tagen bei knapp 7.000 gelegen.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in der Bundesrepublik insgesamt 247.411 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem 20. Platz weltweit.

Es wurden 15 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gemeldet. Es ist der höchste Wert seit dem 6. August. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg damit auf 9.322.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend lag die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, bei 0,80. Der 7-Tage-R-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 0,91 angegeben.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Evercore im 2. Absatz)

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