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Mehr Arbeitnehmer fehlen wegen psychischer Krankheiten

·Lesedauer: 5 Min.
Laut AOK-Studie gingen 11,9 Prozent aller Fehlzeiten 2019 auf psychische Erkrankungen zurück.
Laut AOK-Studie gingen 11,9 Prozent aller Fehlzeiten 2019 auf psychische Erkrankungen zurück.

Angst, Depression, Alkoholabhängigkeit - psychische Erkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Zu spüren bekommen das auch die Arbeitgeber.

Berlin (dpa) - Immer mehr Menschen in Deutschland werden wegen psychischer Krankheiten behandelt. Die Krankheitstage und die Rehas aus diesem Grund werden immer zahlreicher.

Entsprechende ungebrochene Trends zeigen der am Dienstag veröffentlichte AOK-Fehlzeiten-Report 2020 und neue Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegen. Zu den häufigsten psychischen Leiden zählen Angststörungen, Depression sowie Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit.

Psychische Erkrankungen an zweiter Stelle

11,9 Prozent aller Fehlzeiten gingen 2019 laut AOK-Studie auf psychische Erkrankungen zurück. «Die psychischen Erkrankungen sind damit in diesem Jahr zum ersten Mal an die zweite Stelle gerutscht, noch vor die Atemwegserkrankungen», so die AOK-Studie.

Die AOK weist auf die «besondere Bedeutung» der psychischen Krankheiten hin: Seit 2008 nahmen die Krankheitstage aus diesem Grund um 67,5 Prozent zu. 2019 wurden erneut mehr Krankheitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen (5,4 Prozent) als aufgrund von Herz- und Kreislauf-Erkrankungen (3,7 Prozent) registriert.

Der Anteil der Reha-Leistungen wegen psychischer Erkrankungen stieg von 15,3 Prozent im Jahr 2000 auf 19,6 Prozent im vergangenen Jahr, wie der Reha-Atlas 2020 der Rentenversicherung zeigt. Das sind mehr als 75.000 solche Rehas zusätzlich - ein Anstieg um 62 Prozent.

Im Durchschnitt dauert die offizielle Krankheitszeit bei einer psychischen Erkrankung laut AOK-Report 27 Tage - mehr als doppelt so lang wie der Krankheits-Durchschnitt insgesamt mit zwölf Tagen.

Gefühlte Ungerechtigkeit von Chefs macht krank

Wer sich vom Chef ungerecht behandelt fühlt, fehlt häufiger krankheitsbedingt im Job. So sind Arbeitnehmer, die ihren Vorgesetzten die besten Noten für Fairness geben, laut einer neuen Studie im Schnitt an 12,7 Tagen pro Jahr offiziell arbeitsunfähig. Wer den Chef als eher ungerecht wahrnimmt, fehlt im Schnitt an 15 Tagen, der AOK-Report auch zeigt.

Fast jeder vierte Beschäftigte, der sich von oben ungerecht behandelt fühlt, berichtet über Wut oder Ärger. Die Folgen bei jeweils rund jedem Fünften: Lustlosigkeit, Erschöpfung - aber auch Schlafstörungen. Körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen weisen nach eigenen Angaben 25,8 Prozent der Betroffenen auf, Kopfschmerzen 10,2 Prozent.

Unterm Strich berichten 13 Prozent der Beschäftigten mit ihrer Ansicht nach ungerechten Chefs, dass sie Beschwerden haben. Von denen, die ihre Führungskraft fair finden, sind es nur 3,4 Prozent.

Fast jedem zweiten Beschäftigten fehlt es im Betrieb an gerechten Konfliktlösungen. Wertschätzung im Job vermissen zwei von fünf. Rund ein Drittel bemängelt, ihre Firma stehe nicht hinter dem Personal.

Wenn Vorgesetzte den Mitarbeitern das Gefühl geben, fair behandelt zu werden, fühlen sich diese im Schnitt deutlich häufiger gut im Unternehmen aufgehoben und der Firma verbunden. Sie würden sie als Arbeitgeber auch weiterempfehlen. «Fairen Betrieben gelingt es eher, hoch qualifizierte selbstständig arbeitende, zufriedene und gesunde Beschäftigte auch dauerhaft an das Unternehmen zu binden», unterstrich der Vize-Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Helmut Schröder. «Unternehmen und Führungskräfte, deren Agieren von ihren Beschäftigten als gerecht empfunden wird, haben zufriedenere und gesündere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter», lautet das Fazit von AOK-Chef Martin Litsch.

Auswertung der Zahlen nach Branche

Unterschiede gibt es laut AOK zwischen den Branchen. Bei Banken und Versicherungen sowie bei Beschäftigten an Schulen und Kitas nehmen psychische Erkrankungen neben den Atemwegserkrankungen mit jeweils 16 Prozent sogar einen größeren beziehungsweise gleichen Anteil ein im Vergleich zu Muskel- und Skelett-Erkrankungen.

Die meisten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen gibt es demnach bei den 35- bis 39-Jährigen (14,1 Prozent der Ausfalltage) und bei den 30- bis 34-Jährigen (14 Prozent) - die wenigsten bei den 15- bis 19-Jährigen (7,9 Prozent).

Von denjenigen, die wegen einer psychischen Erkrankung eine Rehabilitation machen, sind rund 83 Prozent zwei Jahre danach noch im Erwerbsleben, wie ein Sprecher der Rentenversicherung mitteilte. Eine Erwerbsminderungsrente oder eine Altersrente bezogen zwei Jahre nach einer solche Reha rund 17 Prozent.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte Anfang des Monats eine Offensive für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz angekündigt, die dieses Jahr starten soll. Beteiligt an der Offensive sollen auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sein. Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsschutz und Gesundheits- sowie Familienpolitik sollen laut Heil dabei Hand in Hand gehen.

Deutlicher Anstieg bei Rehaleistungen

Auch bei den Rehaleistungen über alle Diagnosen hinweg gab es einen deutlichen Anstieg. So ermöglichte die Rentenversicherung im Jahr 2019 rund 1,05 Millionen medizinische Rehaleistungen. Neun Jahre zuvor waren es erst 836.000. Mit Rehas will die Rentenversicherung kranken Menschen die Wiedereingliederung in das berufliche und gesellschaftliche Leben ermöglichen, oft nach einer Klinikbehandlung.

Bei den Krankenständen insgesamt gab es laut AOK-Report seit Ende der 1990er Jahre zunächst einen Rückgang bis zum Jahr 2006. Danach stieg der Krankenstand an und lag im Jahr 2019 im Bundesdurchschnitt mit 5,4 Prozent auf dem Stand wie im Jahr 2000. Als Krankenstand wird die Zahl der arbeitsunfähig geschriebenen Kranken pro 100 Pflichtmitglieder der Krankenkasse verstanden.

Mehr als ein Fünftel der Fehlzeiten gingen demnach 2019 auf Muskel- und Skelett-Erkrankungen zurück (22,4 Prozent), auf Atemwegserkrankungen 11,8 Prozent, auf Verletzungen 10,8 Prozent. Auch für Rehas sind orthopädische Krankheiten - also Leiden etwa an Hüfte oder Knie - mit 40,7 Prozent nach wie vor ein noch häufigerer Grund als psychische Störungen. An dritter Stelle folgen die Rehas wegen Krebserkrankungen (15,8 Prozent).

Noch nicht in den Zahlen niedergeschlagen haben sich Fehltage und Rehas wegen Corona. Bereits Anfang September hatte die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, betont, es würden auch Post-Covid-Rehabilitationen angeboten für Menschen, die nach der Akutphase einer Covid-19-Erkrankung noch weiter unter den Folgen leiden.