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Wie die Medikamenten-Sparte Bayer neuen Schwung geben soll

·Lesedauer: 3 Min.

Das Agrargeschäft sorgt für einen Milliardenverlust bei Bayer. Nun soll die Medikamenten-Sparte wieder Schwung geben. Auf Pharma-Chef Stefan Oelrich und seine Truppe kommt es nun an. Welche Strategie er dabei verfolgt.

WirtschaftsWoche: Herr Oelrich, Bayer gibt bis zu vier Milliarden Dollar aus, um das US-Unternehmen AskBio zu erwerben. Was bekommen Sie dafür?
Stefan Oelrich: AskBio ist eines der führenden Unternehmen in der Gentherapie. Sie arbeiten, vereinfacht gesagt, daran, defekte Gene zu reparieren, um Krankheiten wie Herzinsuffizienz, Parkinson oder Morbus Pompe, eine seltene Muskelerkrankung, zu heilen oder abzumildern. AskBio verfügt über ein tolles Team von Wissenschaftlern und hält wichtige Patente zu Gentherapien. Zudem passt AskBio gut zu dem Biotech-Unternehmen Bluerock, das wir im vergangenen Jahr gekauft haben und das maßgeschneiderte Zellen entwickelt, um Krankheiten zu bekämpfen.

Bislang ist Bayer bei Gentherapien noch nicht am Markt aktiv. Hätte Bayer dazu nicht auch eine eigene Forschung aufbauen können, statt Milliarden für einen Zukauf auszugeben?
Das haben wir auch geprüft, aber es wäre zu kostenintensiv geworden und hätte auch zu lange gedauert. Mir ist es wichtig, dass Bayer in diesem wichtigen Zukunftsfeld der Medizin zeitnah vertreten ist.

Wann ist denn mit den entsprechenden Medikamenten zu rechnen?
Das wird noch einige Jahre dauern. Am ehesten könnte das Medikament gegen Morbus Pompe auf den Markt kommen, weil dort die klinische Entwicklung weniger aufwändig ist. Aber auch das kann vier, fünf Jahre dauern.

Bayer braucht aber doch bald Medikamente, die Geld einbringen. Die Patente wichtiger Medikamente wie beim Gerinnungshemmer Xarelto und beim Augenmittel Eylea laufen bald aus…
Ich sehe Bayer gut aufgestellt. Wir testen gerade rund 50 Entwicklungskandidaten am Menschen. Wir haben gute Produktkandidaten gegen Herzschwäche und Nierenerkrankungen in der letzten Phase der Entwicklung. Aber natürlich lässt sich ein Mittel wie Xarelto, mit dem wir zuletzt einen Jahresumsatz von vier Milliarden Euro gemacht haben, nicht eins zu eins ersetzen. Uns kommt aber zugute, dass der Verlust der Marktexklusivität nicht auf einen Schlag passiert. In China läuft das Wirkstoffpatent Ende dieses Jahres aus, in Europa im Herbst 2023 und in den USA im Herbst 2024. Wir haben also Zeit, uns darauf einzustellen.

Und bei Eylea?
Da ist die Patentklippe eher ein Hügel. Eylea ist kein klassisches kleines Molekül, sondern eine biologische Substanz. Solche sind generell schwerer nachzumachen und in der Form, wie wir sie weiterentwickeln, bisher nicht erreicht, so dass mir vor der Konkurrenz nicht sehr bange ist.

Um seine Medikamenten-Pipeline zu stärken, hat Bayer früher auch schon mal große Pharmaunternehmen wie Schering aufgekauft. Fehlt Ihnen für solche Zukäufe derzeit das Geld, da die Übernahme von Monsanto noch nicht verdaut ist?
Die Mittel sind beschränkt. Daher versuchen wir, spannende Medikamenten-Entwicklungen in frühen Phasen zu finden, die weniger kosten und ein höheres Wertsteigerungspotential besitzen. In diesem Umfeld können sowohl BlueRock als auch AskBio weitgehend unabhängig an neuen und innovativen Lösungen für Patienten forschen. Das bringt mehr, als zentrale Vorgaben zu machen.

Und wann kommt das Corona-Medikament von Bayer?
Wir haben ein Mittel zur Behandlung eines spezifischen Lungenleidens in der klinischen Entwicklung, dass womöglich auch bei Corona Patienten vielversprechend eingesetzt werden könnte. Bis zur möglichen Zulassung wird es allerdings noch dauern. Da das Virus zudem auch Thrombosen auslösen kann, wird auch unser Gerinnungshemmer Xarelto als mögliche Hilfe für Corona-Patienten untersucht. Mit einem Impfstoff können wir allerdings nicht dienen. Ich kann mir aber vorstellen, dass wir, wenn nötig, den Herstellern von Corona-Impfstoffen Produktionskapazitäten zur Verfügung stellen.

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