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Das ist Marina Owssjannikowa, die Frau, die im russischen Fernsehen gegen Putins Krieg demonstrierte — und der nun lange Haft droht

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„Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen. Russen sind gegen Krieg.“ Mit diesen Sätzen auf einem Plakat hat Marina Owssjannikowa im Moskauer Staatsfernsehen gegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine aufbegehrt. In den wichtigsten Abendnachrichten «Wremja» hielt sie das Transparent in die Kamera, lief hin und her, während Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa über Sanktionen des Westens sprach. «Nein zum Krieg!» rief Owssjannikowa, bevor die Sendung unterbrochen und ein anderer Beitrag eingeblendet wurde.

Der Protest ist in dem fast militärisch geregelten Sendebetrieb des Staatsfernsehens mit kremltreuen und sehr gut bezahlten Propagandisten ein beispielloser Vorgang. Von der 44-Jährigen, die am Dienstag international als mutige Heldin gefeiert wurde, fehlt seither jede Spur. Nach EU-Angaben ist sie verschwunden. «Ihre Anwälte dürfen keinen Kontakt zu ihr aufnehmen», sagte ein Sprecher des EU-Chefdiplomaten Josep Borrell. Der Protest sei das jüngste Beispiel einer mutigen Haltung, welche die Lügen und Propaganda des Kreml widerlege.

Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Vorfall als „Rowdytum“, die Senderleitung müsse sich kümmern. Nicht einmal die Staatsmedien kamen umhin, darüber zu berichten. Die Bedeutung der Sendung „Wremja“ ist mit der „Tagesschau“ in Deutschland vergleichbar.

Zunächst hieß es, Owssjannikowa drohe eine Ordnungsverfahren. Die Redakteurin und zweifache Mutter könnte aber auch nach einem neuen Gesetz belangt werden, das die Diffamierung der russischen Armee unter hohe Strafe stellt. Wer das Ansehen der Streitkräfte beschmutzt, dem drohen in Russland bis zu 15 Jahre Gefängnis. Unter Strafe steht es auch, Russlands Krieg in der Ukraine einen "Krieg" zu nennen. Offiziell ist nur von einer "militärischen Spezialaktion" die Rede.

Owssjannikowa hatte vor dem TV-Auftritt ein Video aufgenommen, das sich nach der Aktion schnell verbreitete. Darin sagt die Mitarbeiterin des Senders, sie schäme sich dafür, jahrelang Kreml-Propaganda verbreitet zu haben. „Was in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen.“ Verantwortlich für die Aggression sei nur Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie rief ihre Landsleute dazu auf, gegen den Krieg zu protestieren. „Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden.“ Der Staat könne nicht alle einsperren.

Die zweifache Mutter erläutert ihre Motive in einem Video

Owssjannikowa, die in dem Video eine Kette mit den Farben der Flaggen Russlands und der Ukraine trägt, erzählt, dass sie Tochter eines Ukrainers und einer Russin sei - „und sie waren nie Feinde“. „Diese Kette an meinem Hals ist wie ein Symbol dafür, dass Russland den Bruderkrieg sofort stoppen muss und unsere Brudervölker sich noch versöhnen können.“

Nach ihrem Protest wurde ihr weltweit eine Welle der Anerkennung zuteil. Der Mitschnitt der Szene, in der sie mit einem handgeschriebenen Plakat hinter der Nachrichtensprecherin auftaucht, wurde am Dienstag vielfach geteilt. „Was Mut wirklich bedeutet“, schrieb etwa Pianist Igor Levit dazu. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei ihr. Er lobte Russen, „die versuchen, die Wahrheit zu sagen“.

Und auch das Lager des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny bedankte sich bei ihr, nachdem sie in dem Video kritisierte, dass der Kremlgegner vergiftet worden sei. Bis heute leugnen Kreml und Russlands Staatsfernsehen, dass Nawalny 2020 nur knapp einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebte. Nawalny, der im Straflager sitzt und dem in einem neuen umstrittenen Prozess viele Jahre Haft drohen, hatte Putin persönlich für das Attentat mit dem verbotenen chemischen Kampfstoff verantwortlich gemacht.

Nawalnys Team kündigte an, die TV-Redakteurin zu unterstützen. Mann wolle die Strafen übernehmen, die gegen sie verhängt werden könnten, schrieb Maria Pewtschich von Nawalnys Team am Dienstag bei Twitter. Russische Journalisten dürfen nicht von Krieg sprechen, sondern nur von einer «militärischen Spezial-Operation». Da gab es noch die Hoffnung, dass es nur bei einer Geldstrafe bleiben könnte.

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