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MAN und Scania sollen E-Mobilität forcieren – Zeit der Dieselmotoren läuft ab

·Lesedauer: 4 Min.

Der Lkw-Verbund will mit neuen Antrieben profitabler werden. Die Rechnung geht aber nur auf, wenn die Übernahme des US-Herstellers Navistar gelingt.

Die Volkswagen-Holding Traton will ihre Strategie überprüfen. „Alle aktuellen Entwicklungsprojekte werden neu priorisiert“, sagte Traton-Chef Matthias Gründler am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Vorrang habe nun die „Dekarbonisierung und Digitalisierung“ des Unternehmens. Für Gründler ist klar: „Jetzt beginnt die entscheidende Phase für den klimaneutralen Transport“. Vorrang hätten die Elektromobilität und die Brennstoffzelle vor der Weiterentwicklung von Dieselmotoren.

Gründler sprach in München auf der ersten Hauptversammlung der mehrheitlich von Volkswagen gehaltenen Traton SE, der Dachgesellschaft von Scania, MAN und Volkswagen Caminhões e Ônibus. Der 55-Jährige ist erst seit einigen Monaten Chef der Lkw-Holding, sein Vorgänger Andreas Renschler hatte das Unternehmen im Juli verlassen. Gründler, bis 2018 Finanzvorstand unter Renschler, tritt seinen Job in unruhigen Zeiten an.

„Wir haben mit Gegenwind gerechnet, aber stehen in einem Orkan“, klagte der Traton-Chef seinen Aktionären. Tatsächlich sind die Probleme für die Lkw-Gruppe gewaltig: Im ersten Halbjahr sank der Absatz der drei Marken um 37 Prozent, der operative Verlust lag bei 220 Millionen Euro. Ob Traton in diesem Jahr einen Gesamtverlust verhindern kann, bleibt offen. „Wir sind von einer nachhaltigen Erholung weit entfernt“, sagte Gründler.

Klar sind nur die Ziele. Mittelfristig will Gründler pro Jahr eine durchschnittliche Umsatzrendite von neun Prozent erwirtschaften. Während Scania solche Werte vor der Corona-Pandemie sogar deutlich übertreffen konnte, hängt die Münchener Schwester MAN seit Jahren hinterher. „MAN ist heute nicht da, wo es sein könnte“, sagte Gründler.

Anfang September hatte das Unternehmen einen Sanierungsplan vorgelegt, der den Abbau von 9500 der rund 36.000 Stellen im Unternehmen vorsieht. „Wir wollen so schnell wie möglich zu einer für alle Seiten tragbaren Vereinbarung kommen“, sagte Gründler.

Bereits am Dienstag versammelten sich die MAN-Betriebsräte zu einer Kundgebung in München. Zuvor hatte der Vorstand den eigentlich bis 2030 laufenden Standortsicherungs- und Beschäftigungsvertrag aufgekündigt und könnte damit betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Das will der Konzernbetriebsrat auf jeden Fall vermeiden.

„Wir als IG Metall und Betriebsrat halten uns an jeden Vertrag. Vom Vorstand kann man das nicht behaupten“, sagte Betriebsratschef Saki Stimoniaris. Für den Donnerstag hat die IG Metall zu einer Demonstration vor dem MAN-Werk in Nürnberg aufgerufen. In dem Werk werden Dieselmotoren gefertigt, die in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung verlieren dürften.

Auch in der MAN-Zentrale in München wird es zu erheblichen Einschnitten kommen. Hier bemängeln die Traton-Manager zu große Verwaltungs- und Entwicklungsabteilungen. In Österreich steht das Werk Steyr vor der Schließung, wo mittelgroße Lkw und Fahrerkabinen hergestellt werden.

Doch allzu sehr darf Stimoniaris auf die Solidarität der Kollegen im VW-Konzern nicht bauen: Nach den massiven Arbeitsplatzverlusten bei Volkswagen (mehr als 20.000) und Audi (9500) erwartet man auch von der chronisch kriselnden MAN einen Befreiungsschlag. Nach jahrelangen Sanierungsversuchen ist man in Wolfsburg frustriert über die mangelnde Performance der 2011 übernommenen Tochter.

Volkswagen werde aber noch einmal richtig Geld für MAN in die Hand nehmen, heißt es in Konzernkreisen. Allein für das Abfindungsprogramm ist ein mittlerer bis hoher dreistelliger Millionenbetrag eingeplant. Die Zuständigkeit auf Konzernebene liegt bei VW-Personalvorstand Gunnar Kilian, der bis vor kurzem als rechte Hand von Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh fungierte.

Die Hoffnungen ruhen auf der Navistar-Übernahme

Gründler will den Marken mehr Eigenverantwortung zubilligen, die großen Linien aber weiter aus der Holding vorgeben. Eine Milliarde Euro will Traton bis 2025 in die Elektrifizierung der MAN- und Scania-Lkw stecken. Der Entwicklungspfad sieht zunächst den Einsatz von Elektroantrieben für Busse und kleinere Laster vor, die Verteilerverkehre in Großstädten abdecken können. Für längere Stecken sind neue Dieselmotoren und später Brennstoffzellen vorgesehen.

Damit sich die Investitionen lohnen, braucht Traton aber die Übernahme des US-Herstellers Navistar. „Nordamerika ist der profitabelste Markt im Nutzfahrzeuggeschäft, auf den wir im Moment keinen Zugriff haben“, sagte Gründler.

Am 10. September stockte Traton sein bereits seit Januar laufendes Übernahmeangebot auf. Traton will nun fast 3,6 Milliarden Euro für die verbliebenen 73,2 Prozent der Navistar-Anteile zahlen. Die US-Amerikaner pokern aber weiter um den Preis – im Wissen, dass Traton einen Abschluss braucht.