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MAN-Chef schwört die Beschäftigten auf eine harte Sanierung ein

·Lesedauer: 3 Min.

Der Lastwagenbauer steht vor Stellenabbau und Werksschließungen. Vorstandschef Tostmann wirbt für die Sanierung – durch „erhebliche Einsparungen“.

Zusätzlich zu der Coronakrise steht MAN vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Foto: dpa
Zusätzlich zu der Coronakrise steht MAN vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Foto: dpa

Die hohen Verluste und der Stellenabbau beim Lastwagenbauer MAN sorgen weiter für Zündstoff. Am Freitag warb Vorstandschef Andreas Tostmann auf einer Betriebsversammlung für die harte Sanierung des Unternehmens. „Die Restrukturierung und die Transformation der MAN muss konsequent angegangen werden“, sagte Tostmann dem Handelsblatt. „Wir brauchen erhebliche Einsparungen, sonst werden wir keinen nachhaltigen Erfolg haben.“

Tostmann will auch die geplatzten Gespräche mit den Betriebsräten wieder aufnehmen. „Wir wollen schnell Klarheit für die Standorte und die Beschäftigten. Wir hoffen, vor Weihnachten zu einem Ergebnis zu kommen.“ Die Betriebsräte wollten sich am Freitag nicht zur Lage äußern. Sie hatten die Gespräche über die Sanierung Anfang November abgebrochen.

Die Lage bei dem Traditionsunternehmen ist dramatisch, MAN schreibt tiefrote Zahlen. Allein im ersten Halbjahr summierten sich die Verluste auf über 400 Millionen Euro. 9500 Stellen sollen bei der Tochter der VW-Lastwagenholding Traton gestrichen werden, das wäre jeder zweite Job.

Mit Steyr in Österreich soll ein ganzes Werk geschlossen werden, in Deutschland soll vor allem die Zentrale in München eingedampft und zwei kleinere Standorte zugemacht werden. Insgesamt sollen die Kosten pro Jahr um 1,8 Milliarden Euro gesenkt werden.

Tostmann ist vom Mutterkonzern Volkswagen zu MAN gewechselt, nachdem sein Vorgänger Joachim Drees Mitte Juli ebenso seinen Posten räumen musste wie Traton-Chef Andreas Renschler. Sein klarer Auftrag aus Wolfsburg lautet: Sanierung. Der Mutterkonzern, der selbst in der Transformation steckt, ist die hohen Verluste von MAN leid. Lediglich die gut laufende Schwester Scania bewahrt die Traton-Holding vor tiefroten Zahlen.

VW schickt seine Spezialisten für Konflikte

Die Arbeitnehmer hingegen pochen seit Jahren auf Standort- und Jobgarantien, die sie sich bei der Übernahme durch Volkswagen 2011 haben verbriefen lassen. Diesen Vertrag hat Tostmann aber Ende September gekündigt. Anfang November brach auch Betriebsratschef Saki Stimoniaris die Gespräche mit Tostmann ab. „So nicht: Wir lassen uns nicht vorführen“, schäumte Stimoniaris. „Wir kehren erst zurück, wenn das Unternehmen ernsthaft verhandeln möchte!“

Die Vorbereitungen dafür laufen, heißt es in Konzernkreisen. Volkswagen hat seine obersten Konfliktentschärfer eingeschaltet. An einer Schlichtung arbeiten VW-Personalvorstand Gunnar Kilian ebenso wie Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Auch der neue Traton-Chef Matthias Gründler sitzt am Tisch – lässt aber ebenso wie Tostmann wenig Zweifel am Ernst der Lage.

Zusätzlich zu der Coronakrise steht MAN vor einem tief greifenden Strukturwandel. Bis 2030 müssen neue Lastwagen in der EU ihren Kohlendioxid-Ausstoß um rund dreißig Prozent reduzieren. Das geht mit den heutigen Dieselantrieben nicht. Nur der massive Einsatz von Elektroantrieben und Brennstoffzellen wird MAN im Markt halten. „MAN muss bei alternativen Antrieben, der Digitalisierung und dem automatisierten Fahren eine führende Position anstreben“, sagt Tostmann.

Denn wie beim Auto werden auch im Lkw immer aufwendigere Assistenzsysteme den Fahrer erst entlasten – und dann ersetzen. Bereits jetzt ist der Fahrer im Lkw-Transport der größte Kostenfaktor. Gelingt es der Branche über teilautonomes Fahren, die Lenkzeiten zu verlängern, sinken die Kosten für die Transporteure enorm. Zudem mangelt es in Europa seit Jahren an Lkw-Fahrern.

Digitalisierung, autonomes Fahren, Elektroantriebe: Die hohen Investitionen könne die MAN nur leisten, wenn die Kosten im Unternehmen drastisch sinken, sagt Tostmann. Er hofft – ebenso wie Traton-Chef Gründler – auch auf eine enge Zusammenarbeit mit dem US-Hersteller Navistar, den Traton für 3,7 Milliarden Euro übernommen hat. MAN, Scania und Navistar sollen sich Technik und Motoren teilen und das autonome Fahren gemeinsamen vorantreiben.

Die Zeit läuft. Die jetzige Sanierung sei die letzte Möglichkeit, „dass MAN um die Kurve kommt“, sagt ein Beteiligter.