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„Männer investieren in Männer“ – Wie ich trotzdem eine Finanzierungsrunde abgeschlossen habe

Flora Geske verrät, wie Gründerinnen den eigenen Platz beanspruchen können - Copyright: Flora Geske; Getty Images / Hector Roqueta Rivero
Flora Geske verrät, wie Gründerinnen den eigenen Platz beanspruchen können - Copyright: Flora Geske; Getty Images / Hector Roqueta Rivero

In dieser Gastbeitrags-Reihe teilen Gründerinnen der Digital Hub Initiative ihre Sicht auf die Gründerszene. Sie zeigen auf, wie sie zentrale Herausforderungen gemeistert und ihr Wachstum vorangetrieben haben. Ein Beitrag von Flora Geske, CEO und Co-Founderin des Daten-Startups Summ.AI.

Geht es ums Funding, merkt man schnell: It’s a man‘s world. Die meisten Geldgeber sind Männer. Auf Investorinnen trifft man immer noch viel zu selten. Weltweit liegt ihr Anteil bei unter zehn Prozent. Als Gründerin habe ich mich davon nicht beeindrucken lassen – auch, wenn es manchmal schwerfiel.

Unser Team ist divers, zumindest in puncto Geschlecht: Zwei Gründerinnen, ein Gründer. Laut Statistik entfallen in Deutschland elf Prozent aller Venture-Capital-Deals auf solche gemischten Gründungsteams. Sind die Teams rein weiblich, erhalten sie nur magere fünf Prozent der Investitionen. Investiert wird vor allem in männliche Gründer. Der Löwenanteil des deutschen Wagniskapitals landet bei ihnen. Gerne hätten wir auch nach dem Fundraising unsere Quote beibehalten und überwiegend Frauen als Beteiligte an Bord gehabt. Das haben wir wenig überraschend nicht geschafft. Wir wussten schon: Es wird sehr herausfordernd, überhaupt Investorinnen zu finden.

Gender Funding Gap: Männer investieren in Männer

Die Gender Funding Gap, also die Tatsache, dass Gründerinnen deutlich weniger Wagniskapital als ihre männlichen Counterparts erhalten, liegt meiner Meinung nach darin begründet, dass man bei einer schwierigen Entscheidung eher einer Person vertraut, die einem selbst ähnelt.

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Man entscheidet schließlich unter sehr großer Unsicherheit, auf welches Startup man setzt. Da die meisten Investoren Männer sind, präferieren sie also unbewusst Gründer. Diese unterschiedliche Wahrnehmung der Geschlechter kann sogar dazu führen, dass Investoren im Pitch andere Fragen stellen. Eine Studie hat gezeigt, dass sie sich bei den männlichen Gründungsteams nach potenziellen Erfolgen ihres Unternehmens erkundigen. Gründerinnen hingegen müssen eher Auskunft darüber geben, wie sie einen Misserfolg verhindern wollen.

Inzwischen gibt es Funds oder Initiativen, die vor allem Gründerinnen mit Kapital ausstatten wollen. Aus meiner Erfahrung sind diese Bemühungen bisher eher zahnlose Tiger. Es geht in der Regel um Co-Investments und es ist deutliches Zögern spürbar – à la: 'Wenn ein etablierter Lead-Investor mit großem Namen gefunden ist, gerne'. Das kann ich verstehen, höhlt aber den gewünschten Impact aus: Beim bekannten, großen VC sitzt im Zweifel wieder ein Mann auf der entscheidenden Position. Ich wünsche mir hier mehr Mut, denn vor allem das initiale Commitment ist entscheidend!

Wir brauchen mehr Wagniskapitalgeberinnen

Frauen sind im Venture-Capital-Bereich weiterhin rar. Dabei sind diverse Teams mit Männern und Frauen erfolgreicher – das gilt nicht nur für Gründungsteams, sondern generell. Es lohnt sich also immer, auf diverse Perspektiven und Entscheidungen zu setzen. Dass männliche Investoren von Grund auf risikoaffiner sind als ihre Kolleginnen, glaube ich nicht. Vor allem im Angel-Bereich haben sie eine andere finanzielle Ausgangssituation, da sie in der Vergangenheit im Zweifel mehr Kapital aufbauen konnten und dementsprechend auch mehr wagen können.

Wenn sich die Gender Pay Gap in Zukunft schließt und Frauen einen fairen Zugang zu Karriere und Gründung erhalten, können sie künftig auch stärker ins Risiko gehen. Darum braucht es auch mehr erfolgreiche Frauen, die nach einem Exit oder einer Konzernkarriere als Business Angel aktiv sind. Lea Sophie Cramer oder Tina Müller haben gezeigt, wie es geht. Um Veränderung zu bewirken, braucht es mehr Role Models – nicht nur für Gründerinnen, sondern auch für Investorinnen.

Wie Gründerinnen den eigenen Platz beanspruchen

Gründerinnen sollten sich angesichts der Fakten aber keineswegs von einer bevorstehenden Finanzierungsrunde einschüchtern oder sich gar Chancen auf Wagniskapital absprechen lassen. Mut und Selbstbewusstsein haben mir immer geholfen, Herausforderungen zu meistern – auch unsere Finanzierungsrunde. Ich rate jedem Gründer und jeder Gründerin, sich nicht kleiner zu machen, als er oder sie ist.

Du bist Experte für dein Thema, kannst schon Erfolge in deinem Bereich aufweisen und gehörst genau dorthin, wo du jetzt bist. Auch wenn Du ein anderes Alter oder Geschlecht als potenzielle Geldgeber hast.

Auf andere Menschen zuzugehen, erfordert immer Mut. Vergangenes Jahr waren meine Co-Gründerin Vanessa und ich auf unzähligen Events. Dort waren Frauen meist in der Unterzahl oder es waren außer uns gar keine anwesend. Die männlichen Gäste waren oft älter als wir. Mir fällt es inzwischen leicht, uns und unser KI-Startup in solchen Kontexten vorzustellen. Dass man aber erst lernen muss, selbstbewusst ein Gespräch zu initiieren, ist völlig normal. Meist ergibt sich dann eine sehr nette Unterhaltung. Und wenn nicht: auch ok!

Vorbereitung auf den Investoren-Pitch ist alles

An einer Sache führt vor einem Gespräch mit Investoren für mich aber nichts vorbei: Sehr gut vorbereitet zu sein. Sei penibel und schau genau, dass alles stimmt. Vor allem bei Zahlen und Fakten. Sei so aufgestellt, dass du nicht in eine Situation kommst, in der du zu sehr improvisieren musst. Sollte das passieren, versuche selbstbewusst zu bleiben und immer aus der Situation zu lernen. Notiere dir Fragen, auf die du nicht vorbereitet warst, und lege dir für den nächsten Termin eine Antwort zurecht. Und setz dich nicht unter Druck: Kaum jemand meistert den ersten Pitch schon perfekt.

Ich steige gerne mit unserer Gründungsgeschichte ein. So zeige ich meine persönliche Motivation. Am besten machst du das so anschaulich, dass klar ist, dass du für dein Startup brennst. Menschen sind interessiert an anderen Menschen und zu den Zahlen und Fakten komme ich dann im Anschluss. Die Zahlen und unsere Traction – also unsere bisherigen Erfolge – spielen dann selbstverständlich eine zentrale Rolle. Auch bei einem Startup mit sozialem Impact solltest du unbedingt argumentieren, warum es wirtschaftlich eine gute Idee ist, zu investieren.

Bleibt dran

Sei offen, neugierig und verliere nie den Mut. Fundraising kostet Kraft, aber über die Zeit baust du einen sehr guten Pitch, persönliche Resilienz und ein großes Netzwerk auf. Und dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen – egal ob Gründer oder Gründerin!

Flora Geske ist CEO und Co-Founderin von Summ AI. Sie hat an der TU München Wirtschaftsinformatik studiert und mit zwei Mitstudierenden ihr KI-Start-Up gegründet, das digitale Barrierefreiheit mit neuester Technologie umsetzt. Das erste Produkt ermöglicht es Behörden und Unternehmen, auf Knopfdruck barrierefreie Inhalte in Leichter Sprache zu veröffentlichen, sodass sie für Menschen mit Lernschwierigkeiten und geringen Deutschkenntnissen verständlich sind.