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Lufthansa, Ikea, McDonald's: So reagieren Unternehmen auf das Coronavirus

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Der Coronavirus verbreitet sich rasant, immer mehr Firmen schränken ihr China-Geschäft ein. Die Lufthansa streicht vorerst alle Verbindungen.

Flug LH 780 von Frankfurt nach Nanjing verlief zunächst nach Plan. Doch der zunehmende Husten eines chinesischen Fluggastes alarmierte die Crew. Der Mann, der sich wenige Tage zuvor in Wuhan aufgehalten hatte, wurde gleich nach der Landung von den chinesischen Behörden untersucht – das Ergebnis blieb zunächst offen.

In der Lufthansa-Zentrale zog man wenig später die Konsequenzen: Alle Flüge nach China wurden am Mittwochnachmittag bis auf Weiteres abgesagt. Zuvor strichen Cathay Pacific, United Airlines ihre Verbindungen zusammen, British Airways hatte bereits ab Mittwochmorgen das Land nicht mehr angeflogen.

Die Airlines, traditionell ein Seismograf für Krisen in der Weltwirtschaft, reagieren nach Tagen des Abwartens mittlerweile entschlossen auf die Ausbreitung des Coronavirus. Denn dessen Weiterverbreitung ist trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht gestoppt.

Mehr als zwei Wochen nach dem erstmaligen Ausbruch der Virus-Epidemie in Wuhan zeigt sich, wie einschneidend die Folgen für die Menschen und das Zusammenleben geworden sind. Knapp 6000 Menschen gelten bislang als infiziert, 132 Tote sind dem Erreger zum Opfer gefallen. Während die chinesische Regierung die betroffene Region unter Quarantäne hält, spüren Konsumenten und Unternehmen die Auswirkungen immer deutlicher.

Die Regierung in Peking sieht ihre wirtschaftlichen Prognosen bereits wackeln. „Das Wirtschaftswachstum könnte im ersten Quartal 2020 unter fünf Prozent fallen“, sagte der Regierungsberater Zhang Ming dem Magazin „Caijing“. Seine Erwartung stützt sich allerdings auf die Annahme, dass der Höhepunkt der Krise bereits Mitte Februar überschritten sein wird und sich die Situation Ende März wieder normalisiert haben wird.

Weniger als fünf Prozent Wachstum pro Quartal – das hat es seit Jahrzehnten in China nicht mehr gegeben. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 6,1 Prozent, für Pekings Ökonomen schon bedrückend wenig. Die Wirtschaft des Riesenreichs ist verwundbar: Schon wenige Wochen Konsum- und Produktionsausfall werfen die Planungen durcheinander.

So gab die Kaffeehauskette Starbucks bekannt, die Hälfte ihrer 2000 Geschäfte in China vorerst schließen zu wollen, Ikea macht mehr als ein Dutzend Möbelhäuser dicht. Fast-Food-Ketten wie Kentucky Fried Chicken und McDonald‘s stellen ihren Betrieb rund um die betroffene Region von Wuhan ein.

Apple dämpfte bereits am Dienstagabend nach der Vorlage seiner Quartalsbilanz die Erwartungen für die kommenden Monate. Zum einen könnten die fehlenden Verkäufe in China das Geschäft trüben, zum anderen fürchtet der iPhone-Hersteller ausbleibende Zulieferungen aus der Region Wuhan.

Smartphone-Hersteller wie Apple haben in der Regel Komponenten für zwei bis acht Wochen auf Lager – kommt dann kein Nachschub, droht die Produktion abzureißen. Viele Firmen weiten nun die chinesischen Neujahrsferien aus.

Der Autohersteller Toyota will erst am 9. Februar wieder produzieren, Volkswagen lässt seine Mitarbeiter zunächst im Homeoffice. Das gilt auch für die rund 1000 Beschäftigten des Autozulieferers Webasto in Stockdorf bei München. Dort hatte sich Anfang der Woche ein Mitarbeiter bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Der Mann ist zwar nicht in Lebensgefahr, doch Webasto erklärte, seine Firmenzentrale bis mindestens Sonntag schließen zu wollen.

Schock an der Börse vorbei

Nach den massiven Kurseinbrüchen der vergangenen Tage lassen die Börsen den Schock über die Ausbreitung des Virus erst einmal hinter sich. In Europa, den USA und Asien stiegen die Kurse am Mittwoch leicht.

Anders war es in Hongkong, wo die Börse nach den chinesischen Neujahrsfeiern erstmals seit vergangenem Freitag wieder öffnete. Der Hang-Seng-Index brach um 2,8 Prozent ein. Analysten bewerten das aber nicht über: „Hongkong holt lediglich die jüngsten Verluste der Weltbörsen nach“, meint zum Beispiel Matthias Schell von der Landesbank Baden-Württemberg.

Besonders unter Druck standen in Hongkong die Aktien von Unternehmen, die besonders darunter leiden, dass die Menschen zu Hause bleiben. So verloren die Aktien der in Macau ansässigen Kasinobetreiber Galaxy Entertainments und Sands China mehr als fünf Prozent.

Die Regierung in China hat angekündigt, keine Reisegenehmigungen von Festlandchina nach Macau auszustellen. Die Aktien der Fluglinie Cathay Pacific büßten mehr als drei Prozent an Wert ein. Noch heftiger traf es die Aktien der

Filmproduktionsgesellschaft Alibaba Pictures Group. Die Aktie der Tochter des Online-Händlers Alibaba brach um 9,5 Prozent ein. Die Alibaba-Aktie selbst gab in Hongkong gut drei Prozent nach. Die in den USA notierten Anteilsscheine des Online-Giganten hatten seit Freitag bis zu sechs Prozent an Wert verloren, sich davon aber teilweise wieder erholt.