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Lindner stellt Steuerentlastungen vor: Wie viel Geld ihr künftig sparen könnt

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) stellt Inflationsausgleich vor. - Copyright: Getty Images
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) stellt Inflationsausgleich vor. - Copyright: Getty Images

Angesichts der Inflation und der dadurch rasant steigenden Preise hat Finanzminister Christian Lindner (FDP) eine Steuersenkung über mehr als zehn Milliarden Euro angekündigt. Diesen Mittwoch legt er den Rahmen für ein Inflationsausgleichsgesetz vor, das die Bürgerinnen und Bürger vor den enormen Preissteigerungen schützen soll. Davon würden 48 Millionen Menschen profitieren, durchschnittlich läge die Entlastung bei 192 Euro.

„Es profitieren Arbeitnehmerinnen und Geringverdiener, Rentnerinnen und Selbstständige, Studierende mit steuerpflichtigen Nebenjobs und vor allem Familien“, schrieb der FDP-Politiker in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Dienstag.

Grundsätzlich soll die Einkommenssteuer und das Kindergeld so angepasst werden, dass die Kaufkraftverluste der Bürgerinnen und Bürger in der Inflation abgefedert werden können. Die Inflationsrate in Deutschland betrug im Juni 7,6 Prozent. So hoch wie seit fast 50 Jahren nicht mehr.

Ohne Inflationsausgleich könnte es zu einer „kalten Progression“ kommen. Der Begriff bezeichnet eine Art schleichende Steuererhöhung, wenn eine Gehaltserhöhung komplett durch die Inflation aufgefressen wird, aber trotzdem zu einer höheren Besteuerung führt. Obwohl das Gehalt also gestiegen ist, hat man weniger Geld auf dem Konto. Diese Maßnahmen sollen genau das verhindern:

Der Grundfreibetrag wird erhöht

Lindner wird den steuerfreien Grundfreibetrag im Zuge des Inflationsausgleichs im kommenden Jahr auf 10634 Euro erhöhen. Für 2024 schlägt er eine weitere Anhebung um 300 Euro auf 10.932 Euro vor.

Familien werden unterstützt

Das Kindergeld wird in den Jahren 2023 bis 2024 schrittweise erhöht. Im kommenden Jahr soll es für das erste, zweite und dritte Kind einheitlich je 233 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind 250 Euro geben. Die Erhöhung des Kindergeldes gilt auch für einkommensschwache Familien, die keine Einkommensteuer zahlen. Im Jahr 2024 sollen die Sätze dann für das erste bis dritte Kind noch einmal auf 233 Euro angehoben werden.

Der Kinderfreibetrag wird ebenfalls schrittweise für jeden Elternteil von 2022 bis 2024 um insgesamt 264 Euro erhöht, sodass er bis zum 1. Januar 2024 bei 2.994 Euro liegt.

Der Unterhaltshöchstbetrag wird aufgehoben

Der Unterhaltshöchstbetrag für 2022 wird von 9.984 Euro auf 10.347 Euro angehoben. So können mehr Kosten, die etwa für Berufsausbildung oder Unterhalt für eine unterhaltsberechtigte Person anfallen, steuerlich geltend gemacht werden.

Der Spitzensteuersatz greift später

Um den Effekt der „kalten Progression“ auszugleichen, soll der Spitzensteuersatz erst bei höheren Einkommen greifen: Bei 61.972 Euro im Jahr 2023 und ein Jahr darauf bei 63.515 Euro. Die Grenze für den noch höheren Reichensteuersatz bleibt allerdings bestehen.

Lindners Pläne kommen nicht überall gut an. Kritik kommt von der SPD und den Grünen. Topverdiener würden in absoluten Zahlen deutlich mehr profitieren als Geringverdiener.

„Hohe und höchste Einkommensgruppen würden damit mehr als dreimal so viel erhalten wie Menschen mit kleinen Einkommen, welche die Entlastungen jetzt eigentlich am dringendsten brauchen“, sagte Fraktionsvize Andreas Audretsch (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

"Die vorgeschlagenen Maßnahmen von Bundesfinanzminister Lindner werden aber hohe Einkommen besonders stark entlasten und sind damit sozial noch nicht ganz ausgewogen. Hier sollten wir nachbessern", sagte SPD-Fraktionsvize Achim Post.

Bijan Djir-Sarai, FDP-Generalsekretär, findet die Kritik der Grünen haltlos. Die Anpassung ziele auf kleinere und mittlere Einkommen und senke die Steuerlast der „hart arbeitenden Mitte“. Für Spitzenverdiener sei der Entlastungsbetrag gedeckelt. „Die Entlastung ist fair und notwendig, damit die Menschen trotz der hohen Inflation von einer Lohn- oder Gehaltserhöhung profitieren und nicht durch eine höhere Steuerbelastung noch draufzahlen müssen“, sagte Djir-Sarai der Deutschen Presse-Agentur.

mit Material der dpa / cb