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Libra: Facebook plant mit eigener Kryptowährung eine Revolution

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Facebook sorgt wieder einmal für Aufregung, denn der US-Konzern plant eine eigene Kryptowährung. Sollte das Projekt mit dem Namen “Libra” erfolgreich sein, könnte es den globalen Zahlungsverkehr auf den Kopf stellen.

Facebook könnte mit der Kryptowährung "Libra" den Finanzmarkt umkrempeln. (Symbolbild: Getty Images)

Kryptowährungen gibt es wie Sand am Meer, rund 2.200 davon existieren bereits. “Libra”, deren Blockchain-Infrastruktur bereits Anfang des kommenden Jahres stehen soll, könnte diesen Bereich allerdings revolutionieren.

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Der Grund ist einfach. Bitcoin und Co. werden zwar oft thematisiert und sind mittlerweile vielen Menschen ein Begriff, die Anzahl der aktiven Nutzer hält sich aber in Grenzen. Facebook hat mit seinen rund 2,7 Milliarden weltweiten aktiven Nutzern dagegen ein immenses Potential in der Hinterhand. Sollte nur ein Bruchteil der Facebook-Nutzer auf “Libra” zurückgreifen, wäre Bitcoin bereits abgehängt.

Wechselkursbindung ist wohl geplant

Dieses Potential sehen auch andere Groß-Unternehmen. Bekannte Namen wie Ebay, Mastercard, Visa, Paypal, Spotify und Vodafone haben laut dem Branchenportal “The Block” bereits jeweils zehn Millionen US-Dollar an Facebook überwiesen, um eine individuelle “Libra”-Anwendung zu bekommen. Das würde das Potential weiter steigern.

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Geplant ist angeblich auch eine Wechselkursbindung zwischen “Libra” und einem Währungs-Konglomerat, das Dollar, Euro und Yen bilden sollen. Das könnte ebenfalls positive Auswirkungen haben. “PayPal, Visa und Mastercard werden dadurch wohl günstigere internationale Zahlungen anbieten können, weil sie das Wechselkursrisiko dadurch reduziert haben”, sagte Markus Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft dem “Business Insider”.

Gelingt Facebook-CEO Mark Zuckerberg mit "Libra" ein Finanz-Coup? (Bild: Getty Images)

“Libra wird alles verändern”

Szene-Kenner glauben, dass Facebook mit “Libra” einen großen Coup landen wird. “Libra wird alles verändern”, sagte Krypto-Expertin Jen Buakaew, Beraterin des EU-geförderten Blockchers-Projekts. “Facebook hat eine Brücke gebaut, die viele Menschen in die Kryptowelt bringen wird.” Demary glaubt sogar, dass “Libra” eine “internationale Konkurrenz” zum US-Dollar, Euro und Yen werden könne, da die Chance bestehe, dass “diese Kryptowährung aus ihrer Nische in den Mainstream wechselt”, erklärte er.

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Doch es gibt auch Kritik an “Libra”. Olga Feldmeier, Geschäftsführerin des Blockchain-Startups Smart Valor, formulierte ihre so: “Libra ist im Gegensatz zu Bitcoin nicht dezentralisiert, also wird nicht auf unauffindbaren Servern betrieben. Zudem ist es nicht anonym und bietet keine vergleichbare Privatsphäre.”

“Libra” dürfte dennoch in Sphären vorstoßen, von denen andere Kryptowährungen nur träumen können. Sven Korschinowski, Digital-Banking-Experte der Beratungsgesellschaft KPMG, sieht darin sogar das Potential einer neuen Zentralbank: “Wenn Facebook eine Kryptowährung ausgibt”, sagte er “Spiegel Online”, “wird der Konzern zu einer Zentralinstanz ähnlich wie eine Fed oder eine EZB.”

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