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Ich leite ein privates Sicherheitsunternehmen, das 30.000 Dollar pro Tag für Geiselbefreiungsmissionen verlangt — so sieht mein Job aus

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Adam Gonzales.
Adam Gonzales.

Dieser Artikel basiert auf einem transkribierten Gespräch mit Adam Gonzales, einem privaten Sicherheitsexperten, der darauf spezialisiert ist, Geiseln zu befreien. Der Text wurde gekürzt und überarbeitet.

Als ich in Miller Beach, Indiana, aufwuchs, war ich immer stolz, Amerikaner zu sein, wenn bei einer Sportveranstaltung die Nationalhymne gespielt wurde. Im Alter von 20 Jahren meldete ich mich zur Armee und wurde in den Irak und nach Afghanistan entsandt.

Vier Jahre lang wurde ich als Teil einer sechsköpfigen Fernüberwachungseinheit ausgebildet. Wir hatten den Auftrag zu Aufklärungs- und Überwachungszwecken unbemerkt mit dem Fallschirm über den feindlichen Linien abzuspringen. Im Jahr 2004 wechselte ich in den privaten Militärsektor und wurde zu dem, was ehemalige Militärangehörige als "Corporate Warrior" oder "Silent Professional" bezeichnen. Das bedeutet, ich stellte mich der US-Regierung weiterhin zur Verfügung, um sie im Krieg zu unterstützen.

Es war der Höhepunkt des Irak-Krieges, und ich wurde für sechs Monate als Sicherheitsbeauftragter von Botschafter Paul Bremer, dem damaligen Zivilverwalter im Irak, nach Bagdad entsandt. Unser Team, das aus etwa 50 Auftragnehmern bestand, wurde mit mehreren Missionen beauftragt. Unter anderem fuhren wir gepanzerte Geländewagen, waren den Schutz von Villen zuständig oder übernahmen die Luftunterstützung mit Hubschraubern. Ich arbeitete in der Nachtschicht von 19 Uhr bis sieben Uhr morgens. Wenn meine Schicht vorbei war, schlief ich, wenn ich konnte.

Im Jahr 2013 beschloss ich, dass es an der Zeit war, ein normaleres Leben zu führen und versuchte, einen zivilen Job zu finden. Da ich mein ganzes Erwachsenenleben im Ausland verbracht hatte, hatte ich keine beruflichen Beziehungen in Amerika, also zog ich nach Chicago und nahm eine Stelle als Elektrikerlehrling an.

Wechsel zum Personenschützer

Jeden Morgen fürchtete ich mich davor, zur Arbeit zu gehen. Ich saß in meinem Truck auf der Baustelle, starrte aus dem Fenster und dachte: "Ich gehöre nicht hierher" und weinte vor mich hin. Etwa ein Jahr hielt ich durch, bevor ich beschloss, meine militärische Erfahrung zu nutzen und Personenschützer zu werden. Ich arbeitete selbstständig und allein - ich war der Fahrer, das Vorauskommando, der Logistikmanager und der Beschützer.

Für manche ist eine Entführung ein schnelles Mittel zum Zweck, um Geld zu verdienen. In wenigen Fällen geht es jedoch nicht um Geld, sondern um Ehre oder einen Rachefeldzug. Das sind die schwierigsten Fälle - denn die Zeit tickt, wenn man ein Leben retten will.

Im Jahr 2015 wurde ich zu einem Fall gerufen, bei dem es um eine Frau Ende 20 ging, die sich freiwillig einer Sekte in Mittelamerika angeschlossen hatte und nun aussteigen wollte. Sie wurde gegen ihren Willen festgehalten, und ich wurde beauftragt, sie zu retten.

Ich kannte das betreffende Land gut und hatte einen Mann vor Ort, um Informationen zu sammeln, bevor ich mich allein auf den Weg machte. Während ein Flugzeug am Boden auf mich wartete, erfand ich eine ausgeklügelte Tarngeschichte, in der ich Interesse an einer Mitgliedschaft in der Sekte vortäuschte, um auf das Gelände zu gelangen. Der Sektenführer glaubte mir die Geschichte, lud mich ein und zeigte mir das Gelände. Er wies mir sogar ein Zimmer mit Zugang zu einem Schwimmbad und einem Computerraum zu.

Auf dem Computer lud ich Informationen herunter, die ich mit meinem Team teilen wollte, darunter auch die Grundrisse des Geländes. Ich gab mich auch diskret gegenüber der entführten Frau zu erkennen, indem ich ihr zeigte, dass ich Details über ihre Kindheit weiß, die ich von ihrer Familie erfahren hatte.

Unter dem Vorwand, die Frau sei krank, sorgte ich dafür, dass ein Außenstehender, der sich als Krankenwagenfahrer ausgab, sie von dem Gelände runterbringen konnte. Von dort aus ging sie sicher an Bord eines Privatflugzeugs und flog nach Hause. Das dauerte drei Tage von meiner Ankunft bis zur Rettung.

Ich hingegen musste noch ein paar Tage auf dem Gelände bleiben, um keinen Verdacht zu erregen. Ich erfand schließlich eine weitere Geschichte, dass ich wegen eines Notfalls abreisen musste, mit dem Versprechen, wiederzukommen. Stattdessen ging ich direkt in ein Hotel und entspannte eine Woche lang in einer Hängematte am Strand.

Hilfe für andere Veteranen

Im Jahr 2017 habe ich die Plattform Silent Professionals entwickelt, eine kostenlose Jobbörse für Militär- und Polizeiveteranen, die Arbeit im privaten Militär- und Sicherheitssektor finden wollen. Bis heute hat die Website 10.000 Veteranen bei der Rückkehr ins zivile Leben geholfen, indem sie sie dabei unterstütze, ihren Hintergrund und ihre Fähigkeiten zu nutzen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und einen neuen Lebenssinn zu entdecken.

Als unser Bekanntheit wuchs, wandten sich wohlhabende Menschen an uns, und so eröffnete ich Hyperion Services - ein globales Sicherheitsunternehmen, das von hochqualifiziertem, militärisch geschultem Personal unterstützt wird.

Der Großteil unseres Geschäfts besteht aus Sicherheitsdienstleistungen, die 2.000 Dollar (ca. 1.720 Euro) pro Tag kosten und Unterkunft, Verpflegung, Personal, Waffen und Ausrüstung beinhalten. Oft unterschreiben die Kunden einen Jahresvertrag und zahlen im Voraus den vollen Betrag. Darüber hinaus bieten wir Geiselbefreiungen ab 30.000 Dollar (25.860 Euro) pro Tag mit einer einmonatigen Verpflichtung sowie Entführungsprävention und Katastrophenhilfe an.

Zurzeit lebe ich südlich von DC, in der Gegend von Quantico. Ich leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, aber meine Frau, mit der ich seit fünf Jahren verheiratet bin und die ebenfalls Veteranin ist, hilft mir, damit fertig zu werden. Es fällt mir schwer, Menschen zu vertrauen, und ich hinterfrage alles. Wenn ein neuer Postbote vor unserer Haustür auftaucht oder das Auto hinter mir zu oft um die gleiche Ecke biegt wie ich, schaltet sich mein Spionage-Sinn ein.

Nachdem ich mit den gewalttätigsten Menschen der Welt zu tun hatte und Zeuge von Gräueltaten wurde, sehe ich die Welt mit ganz anderen Augen. Manchmal frage ich mich Nachts, wie anders mein Leben verlaufen wäre, wenn ich bei meinem Beruf als Elektriker geblieben wäre, aber es dauert nicht lange, bis mein Wecker klingelt und ich wieder bei der Arbeit bin.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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