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Lebensmittelhändler freuen sich über „das beste Jahr seit Menschengedenken“

Hielscher, Henryk
·Lesedauer: 3 Min.

Während viele Branchen in der Coronakrise immense Umsatzeinbrüche erlitten, verbuchten Supermärkte und Discounter Rekordeinnahmen, zeigt eine neue Studie des Marktforschers GfK. Doch 2021 könnte sich das Blatt wenden.

Anstehen für den Festtagsbraten: Die Begrenzung der Kundenzahlen in den Läden sorgt schon jetzt für Wartezeiten vor den Supermärkten Foto: dpa
Anstehen für den Festtagsbraten: Die Begrenzung der Kundenzahlen in den Läden sorgt schon jetzt für Wartezeiten vor den Supermärkten Foto: dpa

Nach einer Analyse des Marktforschers GfK haben Supermärkte und Discounter im Corona-Jahr 2020 enorme Umsatzzuwächse erzielt, wie die WirtschaftsWoche erfuhr. „Während andere Branchen immense Umsatzeinbrüche erlitten und ihre Beschäftigten in Kurzarbeit gingen, kann sich der Lebensmitteleinzelhandel über das beste Jahr seit Menschengedenken freuen“, schreiben die GfK-Experten. Siebzehn Prozent Mehrumsatz gegenüber dem Vorjahresmonat verbuchte der milliardenschwere deutsche Lebensmittelhandel demnach im Dezember 2020; das Jahresergebnis erhöhte sich laut den GfK-Daten gegenüber 2019 um insgesamt mehr als elf Prozent.

Allerdings waren die Zuwächse ungleich verteilt. Während Drogeriemärkte – die zum Lebensmittelhandel gezählt werden - im Gesamtjahr um rund 4,3 Prozent zulegten, wuchsen Discounter (+8,8 Prozent), SB-Warenhäuser (+10,2 Prozent) und vor allem klassische Super- und Verbrauchermärkte (+16,7 Prozent) deutlich stärker. „Shopper, die sich als Ersatz für entgangene Restaurantbesuche etwas Besonderes für zu Hause leisten wollten, suchten und fanden dies vor allem im Supermarkt“, heißt es in der GfK-Analyse. Das zeige sich deutlich im Weihnachtsmonat 2020, in dem die Vollsortimenter „sage und schreibe ein Viertel mehr Umsatz generierten als zu Weihnachten 2019“.

Bestseller: H-Milch und Frischfleisch

Zu den Warengruppen, die am stärksten profitierten, gehörte nach Gfk-Angaben Frischfleisch. Der Lockdown im Frühjahr führte bei den Einkaufsmengen von Frischfleisch demnach zu zweistelligen Zuwachsraten. Im zweiten Lockdown wiederholte sich der Effekt: Frischfleisch hat im Dezember 2020 ein Mengenplus von 25 Prozent erzielen können. Rotfleisch stieg um 23 Prozent und Frisch-Geflügel um 29 Prozent. Die Kategorie frisches Obst/Gemüse/Kartoffeln beendete das Jahr laut den Daten ebenfalls mit einem enormen Mengenzuwachs von 23 Prozent im Dezember.

Auf das Gesamtjahr 2020 bezogen kommt die Kategorie demnach auf ein Plus von neun Prozent in der Menge und 16 Prozent beim Umsatz. Die Tendenz zur Bevorratung im Corona-Jahr spiegelte sich bei Milchprodukten: Der Umsatz mit H-Milch stieg 2020 um 14,4 Prozent, während das frische Pendant lediglich ein Plus von 7,4 Prozent verbuchen konnte. Trendprodukte der Weißen Linie erfreuten sich auch im Corona-Jahr großer Beliebtheit, und ihr überproportionales Wachstum ist ungebrochen: Pflanzliche Produkte erzielten demnach 47,8 Prozent, Protein 44,1 Prozent und Bio 20,5 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.

Geschäftlich gesehen sei das Jahr 2020 für den Lebensmittelhandel und Hersteller „sicher ein großartiger Erfolg“, konstatieren die Marktforscher. Für das laufende Jahr sind sie indes skeptischer. „Die hohen Zuwächse bei Umsatz und Absatz, wie der Handel sie 2020 erlebte, werden ab dem Frühjahr 2021 wohl vorbei sein“, heißt es in der Analyse. Dann setze der Basiseffekt aus den Vorjahresmonaten ein. „Hinzu kommt, dass die Pandemie ihre Spuren bei den Haushalten mehr und mehr auch in finanzieller Hinsicht hinterlässt.“

Allzu viele Wirtschaftszweige und Branchen zehrten bereits allzu lange von der Substanz. Das werde wohl auch auf dem Arbeitsmarkt zunehmend Spuren hinterlassen – und könnte über kurz oder lang auch auf die Ausgabebereitschaft der Konsumenten durchschlagen.

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