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Laut Experten könnte die Umstellung auf E-Autos Hunderttausende Arbeitsplätze kosten

Im Gegensatz zur Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren sind bei der Fertig von E-Autos deutlich weniger Arbeitsschritte nötig. - Copyright: Witthaya Prasongsin via Getty Images
Im Gegensatz zur Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren sind bei der Fertig von E-Autos deutlich weniger Arbeitsschritte nötig. - Copyright: Witthaya Prasongsin via Getty Images

Die Zukunft der Automobilindustrie soll elektrisch sein. Und obwohl Elektroautos zu einer klimafreundlicheren Zukunft beitragen können, gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Denn durch die Elektrifizierung könnten Tausende Arbeitsplätze verloren gehen, weil sie durch die neuen Technologien überflüssig werden.

Mitarbeiter, die Benzinmotoren, Getriebe, Auspuffanlagen und die unzähligen anderen Teile, die in Elektrofahrzeugen nicht benötigt werden, zusammenbauen, werden für die Unternehmen künftig immer weniger nützlich sein. Außerdem ist die Fertigung von Elektromotoren und Batterien viel einfacher als herkömmliche Antriebssysteme, sodass die Automobilhersteller die gleiche Produktionsleistung mit weniger Arbeitskräften aufrechterhalten können.

Sowohl die Autobauer Ford als auch Volkswagen schätzen, dass Elektroautos 30 Prozent weniger Arbeitskräfte benötigen als herkömmliche Fahrzeuge. Das Beratungsunternehmen AlixPartners geht davon aus, dass für die Motoren und die Batterie eines Elektroautos 40 Prozent weniger Arbeitskräfte benötigt werden als für den Motor und das Getriebe.

Wandel in der Autobranche

Diese Auswirkungen in der Automobilindustrie sind zwar noch nicht sicher, aber einige Branchenbeobachter warnen davor, dass der Sektor Arbeitsplätze verlieren wird.

"Die Branche durchläuft einen Wandel, wie wir ihn noch nie erlebt haben", so Brett Smith, Direktor für Technologie am Center for Automotive Research. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass es weniger Mitarbeiter geben wird, die diese Autos bauen, weniger Mitarbeiter, die die Teile für diese Autos herstellen, und das wird in einigen Automobilunternehmen zu Problemen führen."

In einer Studie vom September erklärte der Thinktank "Economic Policy Institute", dass in den USA bis 2030 rund 75.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie wegfallen könnten, wenn der Anteil der Elektroautos am Inlandsabsatz auf 50 Prozent steigt. Heute machen sie etwa fünf Prozent aus. Schätzungen europäischer Automobilzulieferer zufolge könnte die schnelle Elektrifizierung sie bis 2040 275.000 Arbeitsplätze kosten – und das, selbst wenn man die neuen Stellen berücksichtigt, die bei der Herstellung von Elektroautoteilen entstehen.

Wahrscheinlich wird ein Aufschwung in der Batterie- und Motorenproduktion den Verlust der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, aber nicht ohne massive Umstrukturierungen.

Ford soll rund 8000 Entlassungen planen

Einer Analyse der Boston Consulting Group zufolge wird die Umstellung auf Elektroautos in Europa bis 2030 zu 630.000 weniger Arbeitsplätzen bei Automobilherstellern und Zulieferern von Teilen speziell für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor führen. Die boomende Nachfrage nach Batterien, Ladeinfrastruktur und ähnlichem wird jedoch 580.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

"Während die Kernindustrie der Automobilindustrie sicherlich erhebliche Arbeitsplatzverluste erleiden wird, werden einige neue Branchen, die die Elektrifizierung unterstützen, einen enormen Arbeitsplatzzuwachs erfahren", so das Unternehmen. Nach Schätzungen des "Economic Policy Institute" könnten politische Maßnahmen zur Förderung der inländischen Elektroautoproduktion in den USA insgesamt 150.000 neue Arbeitsplätze in der Automobilindustrie schaffen.

Dennoch gibt es keine Garantie dafür, dass die neu geschaffenen Stellen auch den entlassenen Arbeitnehmern zugutekommen werden. "Es werden nicht dieselben Leute sein, die einen neuen Job bekommen. Es werden oft neue Arbeitsplätze an neuen Orten für neue Leute geschaffen", sagte Smith. Die Automobilhersteller und ihre Partner planen eine ganze Reihe von Batteriewerken in den USA, aber viele dieser Fabriken werden weit entfernt von der derzeitigen Automobilproduktion liegen. Batteriepacks eignen sich gut für die Automatisierung, fügte Smith hinzu.

Die BMW-Konzernzentrale
Die BMW-Konzernzentrale

Auch die Angestellten werden davon nicht verschont bleiben. Menschen, die Systeme für Verbrennungsfahrzeuge entwickeln, müssen entweder umgeschult werden, damit sie ihre Fähigkeiten auf die nächste Generation von Elektrofahrzeugen anwenden können, oder sie werden ihren Arbeitsplatz verlieren, sagte Tammy Madsen, Wirtschaftsprofessorin an der Santa Clara University.

Diese Kürzungen sind möglicherweise bereits im Gange: Ford plant Berichten zufolge die Entlassung von etwa 8000 Angestellten in seiner Verbrennungsmotorensparte.

Zwar kann niemand die genauen Auswirkungen der bevorstehenden Elektroauto-Revolution vorhersagen, aber es scheint, dass der technologische Wandel die Automobilproduktion und die Beschäftigungslage verändern wird. "An manchen Standorten haben wir ohne Zweifel zu viele Arbeitskräfte", sagte Jim Farley, CEO von Ford, auf einer kürzlich abgehaltenen Bilanzkonferenz. "Wir haben Qualifikationen, die nicht mehr geeignet sind, und wir haben Arbeitsplätze, die sich verändern müssen."

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.