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Laschet in Rom: „Der Papst weiß mehr, als wir glauben“

·Lesedauer: 3 Min.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat Papst Franziskus bei einer Privataudienz getroffen. Dabei ging es natürlich auch um die Kanzlerkandidatur.

Sosehr sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auch bemühte, in Rom die ganz großen Themen der Weltpolitik wie Flüchtlingspolitik, Umweltschutz, Covid-19-Bekämpfung und Europas Zukunft anzusprechen: Am Ende ging es auch in Italien immer wieder um die eine Frage zum CDU-Parteivorsitz und zur Kanzlerkandidatenkür, die das Land bewegt. Deshalb war das Interesse an seiner Rom-Reise auch besonders groß. Die Innenpolitik verfolgte ihn bis in den Vatikan. Anlass der Italienreise war der Tag der Deutschen Einheit.

Ob die Merkel-Nachfolge ein Thema in seiner Begegnung mit Papst Franziskus gewesen sei, wurde er am Donnerstag nach seiner Privataudienz beim Heiligen Vater gefragt. Der Papst verfolge die Entwicklung in Deutschland mit großem Interesse, antwortete der CDU-Politiker, und er habe ihm auch Grüße der Bundeskanzlerin überbracht.

Aber die Kirche denke in ganz anderen historischen Dimensionen und nicht in Tagespolitik. Doch dann sagte er, ohne die Miene zu verziehen: „Der Papst weiß mehr, als wir glauben.“ Das kann man fast als besonderen Segen werten.

Die Privataudienz im Vatikan stellte seine politischen Begegnungen in Rom in den Schatten. Laschet, ein bekennender Katholik, traf Franziskus schon zum dritten Mal. Sie hätten über die neue Enzyklika „Fratelli tutti“ (wörtlich: alle Brüder) gesprochen, die Franziskus am Wochenende in Assisi unterschreibt, so Laschet. Darin gehe es darum, was die Menschheit aus der Pandemie lernen kann und dass die Welt vor einem Scheideweg stehe, „ob man besser aus der Krise herauskommt oder ob die Gesellschaft auseinanderbricht“.

Das zweite Thema mit dem Papst sei die Flüchtlingspolitik gewesen. Franziskus habe an den Norden appelliert, den Süden nicht zu vergessen, und auch die Situation im Südsudan und im Irak angesprochen. Um Außenpolitik ging es dann auch im Anschluss beim Treffen Laschets mit dem „Außenminister“ des Vatikans, Kardinalstaatssekretär Pietro Kardinal Parolin.

Keine Audienz für Mike Pompeo

Der traf Minuten später dann US-Außenminister Mike Pompeo, und es gab unterschiedliche und kontroverse Statements zum Verhältnis des Vatikans zu China. Die beiden Delegationen hatten sich fast gekreuzt im Apostolischen Palast, doch Pompeo bekam trotz Anfrage keine Audienz beim Papst. Parolin begründete dies damit, dass der Papst keine Persönlichkeiten empfangen wolle, die voll im Wahlkampfgeschehen stünden.

Über den Konflikt der deutschen Katholiken mit dem Vatikan verlor Laschet kein Wort. Dafür verkündete er, dass er den Papst für das nächste Jahr nach Deutschland eingeladen habe, nach Nordrhein-Westfalen natürlich. In Gedanken mag er kalkuliert haben, dass das nach der Bundestagswahl sein kann – mit ihm in einem neuen Amt.

Um Europa-Politik ging es beim Gespräch mit Premier Giuseppe Conte am Tag zuvor. Da war Laschet wieder ganz der Außenpolitiker. Seit die Regierung Conte II im Amt ist, hätten sich die deutsch-italienischen Begegnungen deutlich verbessert. Und es gebe gemeinsame Projekte zur Umsetzung des „Green Deal“ der EU.

Doch der Höhepunkt der Rom-Reise war die Begegnung mit dem Papst. Er nehme aus dem Gespräch mit, wie wichtig es sei, die Gesellschaft zusammenzuhalten. „Wir im Norden, die wir auch vom Zerbrechen bedroht sind, brauchen nicht so sehr finanzielle Solidarität“, sagte er. „Aber wir brauchen den spirituellen Impuls eines Mannes, der Menschen zusammenführen kann.“

Das sei ein besonderer Impuls, vor allem, wo viele sagten: „Mein Land first“. Deutlicher geht es nicht. Der Appell, seinen Teil zu leisten für eine bessere Welt, „das beflügelt mich“.