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Lanxess übernimmt US-Spezialchemie-Unternehmen Emerald Kalama

Fröndhoff, Bert
·Lesedauer: 4 Min.

Für eine Milliarde Dollar kauft Lanxess den amerikanischen Chemie-Spezialisten. Die Expansion der Kölner ist damit aber noch nicht abgeschlossen.

Mit der Übernahme verstärkt sich der Kölner Chemiekonzern im Bereich Lebensmittel und Tiernahrung. Foto: dpa
Mit der Übernahme verstärkt sich der Kölner Chemiekonzern im Bereich Lebensmittel und Tiernahrung. Foto: dpa

Der Spezialchemie-Konzern Lanxess baut mit einem Großzukauf sein Geschäft mit Inhaltsstoffen für Lebensmittel und Tiernahrung aus. Für 1,04 Milliarden Dollar (867 Millionen Euro) übernehmen die Kölner das US-Unternehmen Emerald Kalama, wie Lanxess am Sonntag ankündigte. Finanziert werde die Übernahme aus vorhandenen liquiden Mitteln. Die Transaktion werde voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2021 vollzogen. Sie unterliege noch der Zustimmung der zuständigen Behörden. Bisheriger Eigentümer ist die Beteiligungsgesellschaft American Securities.

Emerald Kalama ist den Angaben nach einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialchemikalien. Das Unternehmen beschäftige weltweit rund 500 Mitarbeiter und betreibe drei Produktionsstandorte. Es habe 2020 einen Umsatz von rund 425 Millionen Dollar erzielt, davon rund 45 Prozent in Nordamerika.

Etwa drei Viertel des Umsatzes entfielen auf Spezialitäten für den Konsumentenbereich, etwa Konservierungsstoffe für Lebensmittel, Haushalt und Kosmetik, Aroma- und Duftstoffe sowie Produkte für Tiernahrung. Das übrige Viertel komme aus dem Geschäft mit Spezialchemikalien für industrielle Anwendungen. Dabei sei ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda) von etwa 90 Millionen Dollar erzielt worden.

Lanxess wird bereits seit Längerem mit Firmenübernahmen in Verbindung gebracht. Schwerpunkt dabei liegt auf der neu geschaffenen Konzernsparte Consumer Protection. Der Konzern hat darin verbrauchernahe Spezialgeschäfte gebündelt, etwa Desinfektionsmittel, Entkeimungstechnologie für Getränkeindustrie, Konservierungsmittel und Inhaltstoffe für Arzneien und Pflanzenschutzmittel.

Für den Ausbau dieser Sparte hatten die Kölner zunächst eine noch größere Übernahme ins Auge gefasst. Lanxess war in der engeren Auswahl für die Spezialchemiesparte des Schweizer Unternehmens Lonza, die perfekt in das Segment Consumer Protection gepasst hätte.

Allerding stand Lanxess dabei in engem Wettbewerb mit verschiedenen Finanzinvestoren, was den Kaufpreis für die Lonza-Sparte immer weiter nach oben trieb. Anfang Februar verkauften die Schweizer die Geschäfte für 4,2 Milliarden Schweizer Franken an die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven. Lonza wiederum will sich nach dem Verkauf auf das Geschäft mit Pharmawirkstoffen konzentrieren.

Große Dynamik bei Übernahmen

Nun soll Emerald Kalama die Lanxess-Sparte Consumer Protection stärken. Lanxess kann sich den Zukauf locker leisten. Der Konzern verfügt letzten offiziellen Zahlen zufolge über ein Liquiditätspolster von 1,2 Milliarden Euro, das nun für die Expansion in den USA genutzt wird. Der Konzern hatte sich zu Beginn der Corona-Pandemie mit liquiden Mitteln versorgt, um für die Krise gerüstet zu sein. Allein durch den Verkauf der Anteile am Chemieparkbetreiber Currenta kamen 740 Millionen Euro in die Kasse.

Wie bei den meisten anderen Chemieunternehmen auch blieb bei Lanxess der befürchtete große Einbruch im vergangenen Jahr aber aus. Dank starker China-Geschäfte kam die ganze Branche vergleichsweise gut durch die Krise. Gerade im zweiten Halbjahr zog die Nachfrage überraschend stark an. Das vierte Quartal 2020 war das stärkste Schlussquartal seit acht Jahren, teilte Lanxess Ende Januar mit. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) wird die Analystenerwartungen deutlich übertreffen.

Da der Konzern über eine niedrige Verschuldung verfügt, bleibt noch Kraft für die weitere Expansion. Und die fasst Vorstandschef Matthias Zachert ins Auge: „Auch nach diesem Zukauf wollen wir weiter wachsen – organisch ebenso wie durch Zukäufe“, sagte er dem Handelsblatt. „Unsere starke finanzielle Aufstellung gibt uns auch künftig die Möglichkeit, attraktive Übernahmemöglichkeiten zu nutzen.“

Zachert geht davon aus, dass sich die Chemie-Industrie weiter neu sortieren wird und die aktuelle hohe Dynamik bei Fusionen und Übernahmen anhält. Auch die Leverkusener Covestro AG hat sich zuletzt mit einem größeren Zukauf verstärkt und rund 1,6 Milliarden Euro für die Beschichtungssparte von DSM bezahlt. Um den finnischen Farbenhersteller Tikkula hatte sich ein Bieterwettbewerb zwischen Akzo Nobel aus den Niederlanden und PPG aus den USA entfacht, bei dem sich die Amerikaner durchsetzen konnten.

Der Trend in der Branche geht in Richtung Fokussierung auf wenige Geschäfte, die dann zu ausreichender globaler Größe ausgebaut werden. „Der Druck auf Chemieunternehmen mit einem breit gefächerten Portfolio wird zunehmen“, heißt es in der M & A-Analyse von Kearney für 2021. Grund dafür sei auch die wachsende Bewertungslücke gegenüber fokussierten Spezialchemie-Unternehmen an der Börse.

Für die gesamte Branche erwarten Experten im Zuge des Umbaus zahlreiche weitere Abspaltungen. Bei der Essener Evonik etwa steht die Trennung vom Geschäft mit Superabsorbern an, diese saugstarken Stoffe werden etwa in Windeln verwendet.

Die Superabsorber haben sich in den vergangenen Jahren eher zu einem kapitalintensiven Massengeschäft mit starker Konkurrenz in Asien entwickelt. Von solchen Geschäften trennt sich Evonik, weil da nicht mehr viel „spezial“ drinsteckt.

Mit Material von dpa und Reuters.