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Wie lang kann man hohe Zinsen ignorieren? Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Jan-Patrick Barnert über trügerische Hoffnungen. — Fünf Themen des Tages ist auch als Newsletter erhältlich. Zum Gratis-Abo bitte hier entlang.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Keine Entwarnung am Aktienmarkt

Das Narrativ einer sanften wirtschaftlichen Landung wird durch die Erwartung dauerhaft höherer Zinsen zunehmend in Frage gestellt und man fragt sich, wie lange Dax & Co. das Thema noch aussitzen können.

Charlie McElligott von Nomura beispielsweise sieht eine “bösartige Drei-Wege-Dynamik” aus stärkerem Dollar, höheren Renditen auf US-Staatsanleihen und gestiegenen Ölpreisen, was den Konsens der “sanften Landung” in Frage stellt. Der Stoxx 600 hat gerade die längste Verlustserie seit 2018 hingelegt, mit sieben Tagen im Minus. Auch wenn der Rückgang mit knapp über 1% nicht dramatisch ausfällt, zeigt es doch, dass die Sommerkorrektur womöglich noch nicht am Ende ist und das Umfeld nur wenige Käufer auf den Plan ruft.

Das Beige Book der US-Notenbank hat diese Woche gezeigt, dass die US-Wirtschaft die Auswirkungen höherer Zinsen zu spüren bekommt. Die Gewinnmargen beginnen zu schrumpfen, die Zahlungsausfälle bei Verbraucherkrediten nehmen zu und der Konsum könnte in den kommenden Monaten etwas nachlassen, da die überschüssigen Ersparnisse aus der Covid-Ära zunehmend aufgebraucht sind.

Ob die EZB die Zinsen ein letztes Mal anheben wird, um die Inflation in den Griff zu bekommen, darüber sind sich die Ökonomen derzeit uneins. Wenn es dazu kommt, dann wahrscheinlich schon nächste Woche. Für die Aktienmärkte dürfte wie so oft die Wortwahl für das, was danach kommt, den größeren Ausschlag geben. Allzu taubenhaft wird es wohl nicht werden.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Boris Groendahl: Smartphone macht Kopfzerbrechen, Streik lässt Gaspreis steigen, China treibt E-Autos, Leistung verbindet, und alles gefälscht.

Smartphone macht Kopfzerbrechen

Huawei hat heute das Mate 60 Pro+ vorgestellt, ein High-End-Smartphone, das in Kürze auf dem chinesischen Festland erhältlich sein wird. Mit Messaging via Satellit, massig Arbeitsspeicher und einer maximalen Speicheroption von 1 Terabyte bietet es noch mehr als das Mate 60 Pro, das in den USA gerade für Kopfzerbrechen und Angstschweiß sorgt. Huawei und sein Chiphersteller SMIC sind seit langem Ziel von US-Handelssanktionen, scheinen aber große Fortschritte bei der Verbesserung der Chipherstellung gemacht zu haben, denn die neuesten Mobiltelefone enthalten wohl 7-Nanometer-SoCs (System-on-a-Chip). Das US-Handelsministerium, das für die Sanktionen hauptverantwortlich ist, will die neue Halbleitertechnologie nun untersuchen. Chefin Gina Raimondo war just zu Besuch in China, als das 60 Pro plötzlich auf den Markt kam. In Washington fragt man sich nun, was die Sanktionen überhaupt bringen.

Streik lässt Gaspreis steigen

In zwei großen australischen LNG-Produktionsanlagen begannen am Freitag Warnstreiks, nachdem in einem Tarifkonflikt keine Einigung erzielt werden konnte. Die Aussicht auf künftige Lieferengpässe ließ die europäischen Gaspreise im frühen Handel um bis zu 11% steigen. Was die Stromversorgung in den kommenden Monaten betrifft, kommen aus Frankreich dank Kernenergie beruhigende Nachrichten. Électricité de France hatte am Donnerstag 39 Reaktoren am Netz, 12 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zehn weitere sollen in den ersten beiden Septemberwochen folgen. Für das westeuropäische Stromnetz sei dies “eine große Erleichterung”, so der Energieexperte Marc-Antoine Eyl-Mazzega. Offshore-Wind, der keine Rechnung schickt, scheint nicht billig genug zu sein, um Windparkbetreiber zu Projekten zu bewegen. Eine Auktion der britischen Regierung erbrachte keine Gebote. Steigende Finanzierungskosten und höhere Preise für Stahl und andere Inputs machen einige Projekte selbst mit staatlich geförderten Verträgen unrentabel.

China treibt E-Autos

Der weltweite Absatz von Elektroautos stieg im 2. Quartal um 43%; drei Fünftel der 3,1 Millionen Wagen entfielen dabei auf China. In Europa wurden über 780.000 Elektroautos verkauft, etwa 10% mehr als BloombergNEF erwartet hatte. BNEF geht nun davon aus, dass der weltweite Absatz im laufenden Jahr 14,2 Millionen erreichen wird — der Großteil davon in China.

Leistung verbindet

Im Rahmen der jährlichen Leistungsbeurteilungen wird Goldman Sachs laut FT wohl schon im nächsten Monat daran gehen, sich von leistungsschwachen Mitarbeitern zu trennen. Listen werden bereits erstellt. Das Volumen der Entlassungen soll dabei am unteren Rand der bei der Bank üblichen Spanne von 1% bis 5% der Belegschaft liegen. Zum Vergleich: In der gesamten deutschen Bankenbranche sank die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr um 1%. Wegen seiner Performance in die Kritik geraten ist indessen auch Goldman-Chef David Solomon — es geht um seinen schroffen Führungsstils und die Expansion ins Retail-Geschäft, die den Konzerngewinn drückte und damit auch die Boni. Im CNBC-Interview sagte der Goldman-Boss gestern, die jüngste Berichterstattung habe ihn zur “Karikatur” verkommen lassen. Über Kritik habe er nachgedacht, im Fokus bliebe jedoch die Verbesserung der Firmenperformance.

Alles gefälscht

Als Chief Commercial Officer des Flugzeugzulieferers AOG Technics kann Ray Kwong auf eine imposante Karriere bei namhaften Unternehmen wie All Nippon Airways, Mitsubishi Heavy Industries und Nissan Motor Co. zurückblicken. Das geht zumindest aus seinem LinkedIn-Profil hervor — scheinbar. Das Problem ist, dass — genau wie bei dem Unternehmen, für das Kwong jetzt angeblich arbeitet — nicht alles so ist, wie es scheint. Kwong, falls es ihn überhaupt gibt, war nie bei Nissan oder bei ANA beschäftigt. AOG hat also nicht nur gefälschte Teile für die Reparatur von Düsentriebwerken geliefert, die viele ältere Airbus A320 und Boeing 737 antreiben, sondern womöglich gleich noch das dazugehörige Management erfunden. AOGs Geschäftsadresse ist das Nova Building im Londoner Stadtteil Victoria. Dort bietet The Argyll Club seinen Kunden Co-Working-Arrangements an, auch als virtuelle Büros, ohne physische Präsenz. Für nur 100 Pfund pro Monat bekommt man so “den Standort, der Ihrem Unternehmen zusätzliches Ansehen in der Branche verleiht oder einen beneidenswerten ersten Eindruck vermittelt”, heißt es auf der Argyll-Website.

Was sonst noch so passiert ist

  • Unerhörte Zimmerpreise

  • Geburtswehen vor G20-Erklärung

  • Hongkong abgesoffen

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