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"KT" soll zur Medienmarke aufgebaut werden: Warum die Insolvenz der Looping Group jetzt auch Ex-Verteidigungsminister Guttenberg betrifft

Dominik Wichmann (links) und Karl-Theodor zu Guttenberg - Copyright: picture alliance / dpa | Fredrik von Erichsen, ZUMAPRESS.com // Collage: Dominik Schmitt
Dominik Wichmann (links) und Karl-Theodor zu Guttenberg - Copyright: picture alliance / dpa | Fredrik von Erichsen, ZUMAPRESS.com // Collage: Dominik Schmitt

Es sollte ein fulminantes Comeback sein. Ein geläuterter Karl-Theodor zu Guttenberg sollte wie Phoenix aus der Asche steigen. Mit neuem Image, neuem Äußeren und ganz neuem Sound. Weniger Hybris, mehr persönliches Scheitern.

Für die Neuerfindung seines Ichs und das entsprechende Storytelling hob der Ex-Minister, dem spätestens nach seiner Plagiatsaffäre 2011 das Image eines Blenders anhaftete, im Frühjahr letzten Jahres eigens eine Firma aus der Taufe, die „Open Minds Media GmbH“. Business Insider liegt der Gesellschaftervertrag vor. Die Firma soll Guttenberg zu einer Medienmarke aufbauen. Der Mann, so die Geschäftsidee, soll fortan als TV-Moderator, Redner, Buchautor und Podcaster auftreten und seine eigene „Brand“ werden.

Anteile wenige Monate vor der Insolvenz transferiert

Doch mitten in die multimediale Wiedereingliederung des Freiherrn platzt nun die vorläufige Insolvenz seiner Geschäftspartner, der Looping Group. Die „Open Minds Media GmbH“ gehört Guttenberg nur zu 50 Prozent. Die andere Hälfte hält die Muttergesellschaft der Looping Group, Olando GmbH, die Firma von Ex-Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann. Sie befindet sich seit Ende Oktober in einer vorläufigen Insolvenz. Bis Juni hielt Guttenberg als persönlicher Gesellschafter 50 Prozent an der Open Minds Media. Doch das hat sich geändert.

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Im Juni 2023 zog der Ex-Minister seine persönlichen Anteile aus der Tochterfirma ab und schob sie in seine Beteiligungsgesellschaft, die Guttenberg Ventures, ehemals bekannt als Spitzberg Ventures. Der Eintrag des neuen Open-Minds-Media-Gesellschafters ins Handelsregister erfolgte jedoch erst jüngst Anfang November diesen Jahres, kurz nach dem Insolvenzantrag von Olando Ende Oktober. Warum erst jetzt, bleibt unklar.

Große Pläne für Guttenberg-Comeback

Die Pläne von Open Minds Media zum Aufbau der Medienmarke Guttenberg zum Moderator sind ambitioniert. Im Dezember vergangenen Jahres moderierte er zum Warmwerden gleich mal eine Live-Sendung, durch die zuvor 25 Jahre Günther Jauch geführt hatte. Größere Fußstapfen gibt es kaum. An der Seite von Thomas Gottschalk präsentierte Guttenberg durch den RTL-Jahresrückblick, die Quote stürzte ab.

Anfang Oktober publizierte er sein Buch „3 Sekunden – Notizen aus der Gegenwart“. Es beruht auf seinen LinkedIn-Texten. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hat das Werk gelesen und kommt zu dem Schluss, Guttenberg sei ganz der Alte geblieben. „Von dem Typen, der auf dem Times Square posierte bis zu dem, der nun, um seine Worte zu verwenden, 'die Insignien oberflächlicher Wichtigkeit' abgelegt hat und Hoody trägt. Nun scheine es, als habe er die Eitelkeit durch eine zur Schau gestellte Uneitelkeit befriedigt. Wie schreibt er selber durchaus treffend: 'Uneitelkeit kann sehr eitel gepflegt werden.'“

Guttenberg 2009 am Times Square in New York. Ein Foto, dass dem damaligen Wirtschaftsminister viel Kritik einbrachte - Copyright: picture alliance / dpa | Gero Breloer
Guttenberg 2009 am Times Square in New York. Ein Foto, dass dem damaligen Wirtschaftsminister viel Kritik einbrachte - Copyright: picture alliance / dpa | Gero Breloer

Der "Süddeutschen Zeitung" gibt Guttenberg Anfang November ein Interview: „Wenn ich auf einem Einreiseformular einen Beruf angeben soll, schreibe ich fast immer: KT Guttenberg.“ Kurz darauf sitzt der Mann bei Maischbergers TV-Talkshow. Es geht um seinen unfreiwilligen Ausstieg aus der Politik. Auf die Frage, „kehre ich in den Laden jemals zurück, sage ich, das können Sie abschreiben. Und mit dem Abschreiben kenne ich mich aus.“

Ist das der authentische Guttenberg? Oder stammen die Pointen aus einer fremden Feder, respektive von Autoren, die an einem ausgeklügelten Storytelling feilen, in der die Kunstfigur „KT Guttenberg“ einfach nur menschelnd und selbstkritisch rüberkommen soll?

Firma plante hochwertige Dokumentationen mit Guttenberg

Ein weiterer Pfeiler für den Launch der Guttenberg-Brand von Open Minds Media ist die Produktion von hochwertigen Dokumentionen mit dem Ex-Minister als Moderator, ebenfalls für RTL. Open Minds Media produziert sie mit der ehemaligen Firma von Günther Jauch, I&U.

Die erste Folge „KT Guttenberg - Auf den Spuren der Macht“ erschien Ende November 2022. Thema: Putin. In einer 90-minütigen TV-Doku sieht man Guttenberg in den Trümmern der Ukraine, in New York, London oder München.

Danach ist erst einmal ein Jahr Pause. Im Dezember erscheint nun Folge 2: „KT Guttenberg - Um Gottes Willen“ bei RTL. Es geht um den massenhaften Exodus von Mitgliedern aus der Kirche. 

Guttenbergs Positionierung, seine Gespräche über Gott und die Welt sollten nach Informationen von Business Insider von einer eigenen Redaktion mit Redaktionsleiter innerhalb der Firma erarbeitet werden. Angedacht für eine weitere Dokumentation war auch eine Folge zur FIFA und der WM in Katar.

Guttenberg heute - in der Sendung von Sandra Maischberger am 14. November 2023 - Copyright: picture alliance / Geisler-Fotopress | Thomas Bartilla/Geisler-Fotopres
Guttenberg heute - in der Sendung von Sandra Maischberger am 14. November 2023 - Copyright: picture alliance / Geisler-Fotopress | Thomas Bartilla/Geisler-Fotopres

Putin, die Krise der Kirche, die WM in Katar. Guttenberg als Welterklärer kann im Prinzip über alles reden. In dem von Open Minds Media und Podstars co-produzierten Podcast „Gysi gegen Guttenberg – der Deutschlandpodcast“ geht es seit Juni zum Beispiel um Einsamkeit, China, Heimat, die Ukraine und natürlich um ihn selbst.

Wie betrifft ihn nun die vorläufige Insolvenz der Looping Group? Als Firma ist Open Minds Media eine Tochterfirma der Olando. Sie selbst befindet sich nicht in der vorläufigen Insolvenz. Warum übertrug Guttenberg seine persönlichen Anteile im Juni in seine Beteiligungsfirma?

Zog Guttenberg bewusst Brandmauer zwischen sich und Looping-Mutter ein?

Ein Insolvenzexperte erklärte gegenüber Business Insider, dass Fachleute die Übertragung von Gesellschafteranteilen kurz vor einer Insolvenz der Firma als ein Indiz dafür sehen, dass jemand möglicherweise Kenntnis von den finanziellen Problemen seiner Gesellschaft oder zur Firmengruppe zugehörigen Unternehmen haben könnte. Oft zieht man in einem solchen Fall seine persönliche Beteiligung aus einer Firma heraus, um eine Brandmauer zwischen sich und einer potentiellen Finanznot des kriselnden Unternehmens aufzubauen.

Seit dem Insolvenzantrag der Looping Group steht Guttenbergs Firma vor einem Problem: Denn die Hälfte der Tochtergesellschaft gehört nun zur Insolvenzmasse, genau genommen die 50 Prozent der Olando. Über die befindet seitdem der Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt von der Kanzlei Pluta in München. Die Aufgabe des Teams um Willrodt besteht darin, ein Gutachten zu erstellen. Dazu gehört, den Unternehmensanteil von Olando an der Open Minds Media zu bewerten und – je nach Szenario - gegebenenfalls einen Investor zu suchen, um den Anteil zu Geld zu machen.

Ebenfalls vor der gleichen Fragestellung steht die Firma Beautiful Minds Media, auch eine Looping-Tochter, welche die Zeitschriften "Madame" und "Monsieur" herausbringt. Olando ist hier mit 81,5 Prozent Hauptgesellschafter, Madame-Chefredakteurin Petra Winter hält über ihr Unternehmen Winter Wonderland eine Beteiligung von 10 Prozent. Weitere 8,5 Prozent gehören der EV Media in Berlin.

Sollen Anteile der Looping verkauft werden?

Im Fall Guttenberg seht fest: Ihre Geschäfte kann die Open Minds Media weiter betreiben, aber erst einmal ist Hektik ausgebrochen. Denn die vorläufige Insolvenz geht alles andere als geräuscharm vonstatten. Die Looping Group bezichtigt ihren größten Auftraggeber, die Agentur The Game, welche die weltweiten Werbeaktivitäten von BMW betreut, eine „Intrige“ gesponnen zu haben, um sie in die Pleite zu treiben. The Game weist die Vorwürfe zurück.

Für die Firma Open Minds Media und zu Guttenberg geht es nun möglicherweise darum, was mit dem Anteil von Olando werden könnte. Bleibt alles beim Alten, weil die Looping Group sich erholt und weiter machen könnte? Der Insolvenzverwalter hat für sein Gutachten drei Monate Zeit. Bis Ende Januar kann er somit einschätzen, ob er die Insolvenz eröffnen wird. Dafür muss genügend Insolvenzmasse vorhanden sein und sowohl die Gerichtskosten als auch seine Kosten decken.

Insolvenzverwalter hält sich bedeckt

Offen bleibt die Frage, was dann passieren könnte. Plant der Insolvenzverwalter, die Looping-Anteile zu verkaufen. An wen? Wer wäre ein potentieller Investor? Zu Guttenberg selbst oder einer seiner Geschäftspartner?

Auf Anfrage will ein Sprecher Willrodts konkrete Fragen nicht beantworten, sagt lediglich allgemein: "Wir konzentrieren uns auf die Fortführung und Sanierung des Unternehmens. Unser Ziel ist es, eine zukunftsfähige Lösung für die renommierte Agenturgruppe zu finden. Weitergehende Informationen können wir nicht geben." Nach der Antwort auf unsere Anfrage gab Willrodts Sprecher am Freitagmittag bekannt, dass der Geschäftsbetrieb der Looping Group mit allen Auftraggebern und Großkunden vollumfänglich fortgeführt werde. Eine entsprechende Vereinbarung habe das Unternehmen auch mit dem Hauptauftraggeber unterzeichnet, wobei der Sprecher Willrodts keine Namen nennt. Gemeint sein dürfte allerdings The Game bzw. BMW. Auf Hochtouren werde nun nach Investoren gesucht.

Sollte das nicht klappen, könnte rein theoretisch etwa Dominik Wichmann Looping-Anteile für vergleichsweise schmales Geld erwerben. Laut einem Insolvenzverwalter erzielen die Anteile an einer gemeinsamen Agentur wenig Geld, da der wesentliche Wert in den Köpfen der Gesellschafter und Angestellten steckt, nicht etwa in Immobilien, Produktionsanlagen, erworbenen Gerätschaften oder hergestellten Produkten.

Tatsächlich gründete Wichmann am 13. November eine neue Firma, die DERA Capital UG in München. Es handelt sich um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Einlage beträgt – anders als bei einer GmbH - lediglich 300 Euro. Unternehmenszweck ist laut der Datenbank North Data die Vermögensverwaltung, die Beteiligung oder der Verkauf von Firmenanteilen, der Kauf und Verkauf von Immobilien oder Wertpapieren.

Auf Anfrage von Business Insider äußert sich Wichmann nicht.

Jedoch auch andere Geschäftspartner von Guttenberg, die mit der Looping Group zu tun haben, oder auch andere PR-Profis könnten theoretisch diese Anteile erwerben.

Statt sein neues Image zu pflegen und auf allen Kanälen über alles zu plaudern, muss sich der Ex-Minister nun darum kümmern, nicht in den Machtkampf um die vorläufige Insolvenz seiner Partner hineingezogen zu werden. Aber während er sonst gern über sich und das Weltgeschehen spricht, lässt er mehrere Anfragen von Business Insider unbeantwortet.