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Kritik an US-Plänen für CO2-Gutschriften für Konzerne

SCHARM EL SCHEICH (dpa-AFX) -Die Bundesregierung und Klimaexperten blicken skeptisch auf neue Pläne der USA, großen Unternehmen den Kauf von Gutschriften für den Ausstoß von Treibhausgasen zu erlauben. Das soll möglich sein bei der Finanzierung sauberer Energieprojekte in ärmeren Ländern, sagte der US-Klimagesandte John Kerry am Mittwoch beim Weltklimagipfel in Scharm el Scheich. "Keine Regierung der Welt hat genug Geld, um diesen Job zu erledigen", sagte Kerry. Die größte Hürde bei der Verringerung klimaschädlicher Emissionen sei fehlendes Geld. Chile und Nigeria haben bereits Interesse bekundet.

Über die Pläne verhandelt Kerry nach Informationen der "New York Times" seit Monaten mit gemeinnützigen Organisationen wie dem Bezos Earth Fund und der Rockefeller Foundation. Unternehmen sollen damit die Energiewende in Entwicklungsländern mitfinanzieren - und die eingesparten Emissionen ihrer eigenen Klimabilanz zurechnen dürfen. Damit soll privates Geld in Milliardenhöhe mobilisiert werden, um den Übergang "von dreckiger zu sauberer Energie" möglich zu machen, sagte Kerry.

Die Bundesregierung äußerte sich zurückhaltend. "Wir haben eine gewisse Skepsis, ob das das ersetzen soll, was wir als Industriestaaten gegenüber unseren Partnerstaaten zugesagt haben", sagte Entwicklungs-Staatssekretär Jochen Flasbarth. In Bereichen mit sehr hohen technologischen Hürden könne die Praxis "wundervolle Arbeit" leisten, sagte Flasbarth der Website "Politico" zufolge. Der US-Vorschlag gehöre aber in eine "andere Galaxis".

"Es gibt einen klaren Bedarf, die Finanzierung zur Energiewende deutlich zu erhöhen", sagte Leo Roberts von der Klima-Denkfabrik E3G. "Aber man erkennt nur schwer, wie freiwillige Kohlenstoffgutschriften dazu passen." Die Welt brauche klare Zusagen, dass diese Initiative wirklich ein Nettobeitrag sei zur Verminderung von Treibhausgasen - und keine Greenwashing-Initiative. Mit Greenwashing sind Strategien gemeint, mit denen sich Unternehmen oder Staaten wahrheitswidrig als besonders umweltfreundlich darstellen.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Dienstag darauf gepocht, dass Unternehmen sich alle klimaschädlichen Emissionen vollständig anrechnen müssen, also direkte, indirekte und auch jene aus ihren Lieferketten. Die an Kerrys Initiative beteiligten Firmen, darunter Bank of America, Microsoft und Pepsico, haben zugesagt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein.