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Kommt jetzt Trump TV? Was dafür und was dagegen spricht

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Es ist eine Spekulation, die seit Jahren die Runde macht, aber die Gerüchte halten sich auch heute hartnäckig: Donald Trump könnte einen eigenen Fernsehsender gründen. So stehen die Chancen, dass er ins TV zurückkehrt.

Es gibt vermutlich kaum einen angenehmeren Job als Ex-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Es winken hoch dotierte Vortragsreisen und Buchverträge, die alltäglichen Verpflichtungen bleiben dennoch überschaubar. Man muss ja nicht wie Jimmy Carter bis ins hohe Alter Häuser für die Armen bauen. Die meisten ehemals mächtigsten Männer der Welt machen sich bewusst rar in der Öffentlichkeit, geben ihrer Partei bei Bedarf einmal einen Wink und veranstalten sonst gelegentlich Tagungen und Konferenzen, auf denen das eigene Erbe mit Visionen für die Zukunft zusammengebracht wird. Das Ambiente bleibt gediegen, der Zeitaufwand gering.

Es ist eine Aussicht, auf die sich Donald Trump eigentlich freuen könnte. Doch der zukünftige Ex-Präsident scheint andere Pläne zu haben. Was genau die Zukunft für ihn bringt, ist noch unklar. Zwei Szenarien werden immer wieder vorgebracht: Eine erneute Kandidatur für das Weiße Haus in vier Jahren und die Gründung einer eigenen Medienmarke. Schlägt nach dem Auszug aus dem Oval Office die Geburtsstunde von Trump TV?

Es ist eine Spekulation, die seit Jahren die Runde macht. Schon vor seinem Wahlsieg 2016 gab es immer wieder Berichte, Trump werde im Falle einer Niederlage einen eigenen Fernsehsender gründen. Zwar bestritt der Kandidat damals jegliches Interesse an so einem Schritt, aber die Gerüchte halten sich auch heute hartnäckig. „Er will Fox News zerstören. Kein Zweifel“, zitiert das Portal Axios einen Vertrauten des Präsidenten.

Fox News und Trump – das war zeitweise eine fast symbiotische Beziehung. Auf Anregung des mittlerweile verstorbenen Sendergründers Roger Ailes, der den Kanal in den 1990er-Jahren im Auftrag von Medienmogul Rupert Murdoch aufbaute, bekam Trump im Jahr 2011 wöchentlich die Gelegenheit, in der Morning Show „Fox & Friends“ anzurufen und live seine Meinung zum politischen Tagesgeschehen einem Millionenpublikum darzulegen. So schuf Ailes Trump eine Anhängerbasis unter den Fox-Zuschauern – überwiegend weiß, überwiegend männlich, überwiegend konservativ – die später die Keimzelle für seine Präsidentschaftskandidatur werden sollte.

Als Trump das Weiße Haus eroberte, verschrieben sich die Moderatoren der Meinungssendungen des Senders voll und ganz der MAGA-Agenda (MAGA = „Make America Great Again“, Trumps Wahlkampfslogan). Die Nachrichtenredaktion mit einer hoch angesehenen Datenoperation hielt gleichwohl einen gewissen Sicherheitsabstand. So kam es, dass Fox News am Wahlabend als erster Fernsehsender Joe Biden als Sieger im wichtigen Bundesstaat Arizona verkündete – eine Prognose, die Trumps Weg zur Wiederwahl nahezu unmöglich machte. Im Wahlkampfteam des Präsidenten soll man rasend vor Wut gewesen sein, auch wenn sich die Projektion des Datenteams als richtig herausstellte.

Seitdem, so heißt es, sinnt Trump auf Rache. Eine eigene Medienplattform, die Fox News am rechten Rand Zuschauer abgraben könnte, wäre eine Möglichkeit, es Ailes' Nachfolgern heimzuzahlen. Gleichzeitig würde ein erfolgreiches Trump TV dem abgewählten Präsidenten womöglich für die kommenden Jahre die Meinungshoheit über seine Partei, die Republikaner, bewahren. Am Ende stünde vielleicht nicht ein amerikanischer Berlusconi, der den politischen Diskurs eines ganzen Landes beeinflussen konnte, aber immerhin ein Medienmogul, der die Meinungshoheit über einen großen Teil der US-Bevölkerung anstreben könnte. Eine verführerische Aussicht für Trump. Leicht wäre der Weg zum Medienimperium allerdings nicht.

Dass Trump wirklich einen vollständig neuen Sender gründet, halten Analysten für faktisch ausgeschlossen. Um Werbekunden anzuziehen, müsste Trump TV zunächst in die Pakete der Kabelanbieter aufgenommen werden – das bedeutet Aufwand, ganz abgesehen von den Kosten, die der Aufbau einer komplett neuen Plattform verursachen würde. Gleichzeitig sind die Anbieter derzeit nicht gewillt, hohe Lizenzgebühren an Sender auszuschütten, denn die Zahl der Kabel- und Satellitenanschlüsse in den USA sinkt gerade rapide. 2016 betrug sie noch 97,5 Millionen, vier Jahre später sind es keine 80 Millionen mehr. „Es ist unmöglich, in diesem Umfeld einen neuen Sender auf den Markt zu bringen“, so Derek Bain, Analyst bei Kagan, zur L.A. Times.

Das heißt nicht, dass Trumps Fernsehpläne nicht doch eine Zukunft haben können. Denkbar wäre schließlich auch die Übernahme eines bereits bestehenden Senders, der dann zu einem Trump TV umgebaut werden könnte. Zwei Stationen werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt: das One America News Network (OANN) und Newsmax.


Trumps zeigte bereits Interesse an OANN und Newsmax

Beide Sender haben sich in den vergangenen Jahren voll der Trump-Agenda verschrieben. Wenn das Wahlkampfteam des Präsidenten Verschwörungstheorien über seinen Gegner in der zurückliegenden Präsidentschaftswahl platzieren wollte, dann gingen sie meist zu OANN. Eine respektable Redaktion, über die etwa Fox neben seinen Pro-Trump-Meinungsshows verfügt, gibt es dort nicht. Newsmax wiederum weigert sich bis heute, den Wahlsieg von Joe Biden überhaupt anzuerkennen. Das wird im Weißen Haus gern gesehen. Trump twitterte in der Vergangenheit immer wieder Unterstützung für die Sender. Eine Übernahme wäre also zumindest inhaltlich durchaus logisch.

Das Problem: Die Besitzer der Stationen wollen nicht verkaufen. Wie das Wall Street Journal berichtet, streckte Trumps Umfeld bereits Fühler Richtung OANN aus, wurde aber abgewiesen. „Unsere Familie hat dieses Unternehmen nicht aufgebaut, um es zu verkaufen“, so OANN-Präsident Charles Herring.

Auch Newsmax steht wohl nicht zum Verkauf. Der Sender hat in den vergangenen Wochen einen regelrechten Quotensprung hingelegt. Vor der Wahl erreichte der Spartenkanal im Schnitt rund 25.000 Zuschauer. Zuletzt erreichte das Pro-Trump-Programm jedoch ein Publikum von rund 800.000 – wohl getrieben von Unzufriedenheit mit Fox News. Experten bezweifeln zwar, dass dieser Schub anhalten wird, doch er zeigt das Potenzial für eine Alternative rechts des Murdoch-Senders.

Bei Newsmax hoffen sie deshalb derzeit auf eine für sie elegante Lösung: die Verpflichtung von Donald Trump. Der Sender, so die Überlegung, könnte dem Ex-Präsidenten eine regelmäßige Sendung anbieten und ihn exklusiv unter Vertrag nehmen. „Donald Trump war und ist ein Quotenphänomen“, so Mehrheitseigner und Senderchef Christopher Ruddy zur L.A. Times. „Nach seiner Präsidentschaft würden wir seine neue Sendung ohne zu zögern bei uns willkommen heißen.“

Für Trump könnte ein solches Angebot durchaus reizvoll sein. Ein Millionenhonorar wäre ihm sicher, das unternehmerische Risiko trügen andere. Allerdings stellt sich die Frage, ob er tatsächlich bei einem Spartenkanal wie Newsmax seine Zukunft sieht. Schließlich könnte ihm Platzhirsch Fox News ein ähnliches Angebot machen – mit mehr Zuschauern und wohl einer besseren Entlohnung. Die Animosität zwischen dem zukünftigen Ex-Präsidenten und dem Sender könnte ein hoch dotierter Exklusivvertrag womöglich aus der Welt schaffen.

Ein solcher Schritt wäre allerdings wohl auch das Ende von Trumps weiteren politischen Ambitionen. In der Vergangenheit trennte sich Fox News immer wieder von republikanischen Politikern, die sich erneut um ein Amt bewarben. Will Trump also tatsächlich eine erneute Kandidatur anstreben, dann könnten Pläne für ein Trump TV wieder virulent werden. Vermutlich würde es die Form eines Streamingdienstes annehmen, der Geld über Abonnentengebühren verdient und nicht über Werbekunden.

Auch dafür gibt es bereits Beispiele. Verschwörungstheoretiker Alex Jones vertreibt so seit Jahren erfolgreich sein Programm. Auch Fox News startete bereits vor einigen Jahren einen Streamingdienst namens Fox Nation, der durchaus erfolgreich zu sein scheint. Die Konversionsrate von Gratisnutzern zu zahlenden Abonnenten beträgt laut Axios 85 Prozent. Trumps Unterstützerliste aus Wahlkampfzeiten könnte sicherstellen, dass der Dienst schnell ein großes Publikum erreicht. Auch wäre der Aufbau deutlich billiger, als der eines eigenen Senders. Wenn Trump also weiter auf Sendung bleiben will, dann mangelt es nicht an Optionen.

Mehr zum Thema: Mit jedem Tag, den das Schauspiel Trumps weitergeht, wird deutlicher: Eine politische Kultur der permanenten Eskalation führt an den Abgrund.