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Kommentar: Schauen wir zum Frauentag auf unsere Ziele!

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Ein T-Shirt auf einer Demo in Paris gegen Gewalt gegen Frauen (Bild: REUTERS/Gonzalo Fuentes)
Ein T-Shirt auf einer Demo in Paris gegen Gewalt gegen Frauen (Bild: REUTERS/Gonzalo Fuentes)

Heute wird viel über Emanzipation geredet. Aber so richtig kommen wir nicht aus dem Saft. Wie wäre es mit ein wenig Zielwasser?

Ein Kommentar von Jan Rübel

Heute ist ein Tag, an dem viel darüber geredet wird, was nicht gut klappt. Am Frauentag klingt es ein wenig halbherzig, wenn dieser Mangel und jene Ungerechtigkeit vermerkt wird wie alle Jahre wieder. Wie ein Ritual. Manchmal hört man auch, wie voran wir bei der Erfüllung von Frauenrechten gekommen sind, und das stimmt auch.

Aber andererseits hört sich dieses Wort komisch an: Frauenrechte. Als müsste auf eine besonders raffinierte oder bemühte Art begründet werden, dass Rechte auch für Frauen gelten – oder eben die gleichen. Ein leises Hehe aus Männermund ist da zuweilen die zweite Stimme.

Daher finde ich ein anderes Wort besser: Menschenrechte. Für die sind ja immer alle. Nur handelt es sich nicht nur darum, gegen das Herausreißen von Zungen in irgendeinem Folterstaat jenseits des Äquators ein paar Luftballons steigen zu lassen. Menschenrechte werden auch in der eigenen Familie verletzt, auf der Straße, in der Schule und an der Uni, im Job.

Was wäre, wenn…

Frauenrechte sind Menschenrechte. Und so macht es durchaus Sinn, heute am Frauentag innezuhalten und mit dem Aufzählen zu beginnen…

…nein, jetzt kommt keine lange Liste. Nur ein Vorschlag: Wenn du Mann denkst, dass eigentlich alles eine Chose ist, wie wäre es mit einem Gedankenspiel – stell dir vor, man nähme dich als Frau wahr. Würde alles, was du sagst, genauso gewichtet werden? Wäre deine Stellung auf der Arbeit die gleiche? Wie würde der Nachbar mit dir reden? Was geschähe auf der Straße? Und was würden deine Eltern dir gegenüber eventuell anders machen? Wenn du die Ohren spitzt und die Augen weitest, kommst du nicht umhin anzuerkennen, dass in vielen Situationen und Strukturen Frauen mit schwereren Bedingungen umzugehen haben.

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Halt, wirst du womöglich einwenden: Es gelten doch die gleichen Rechte für alle. Und nun wird überall so viel Rücksicht genommen – und Frauen kriegen oft den Vorzug! Ehrlich, den Vorzug sehe ich nicht wirklich. An den vielen kleinen Hebeln in unserer Gesellschaft, dort, wo gestaltet und entschieden wird, finden sich meist Männer. Und mit Qualifikation hat das nichts zu tun, das sieht man spätestens seit Jahren in den strukturell eindeutig besseren Schulleistungen von Mädchen gegenüber Jungen.

Es liegt vielmehr an ungleichen Startbedingungen. Ja, es gelten alle Rechte für alle. Aber wir sollten uns mehr Gedanken darüber machen, wie wir zur Erfüllung dieser Rechte kommen. Wir könnten uns Ziele setzen. Wie wäre es mit einem Universalismus, der nicht nur für alle gilt, sondern auch zielgerichtet ist? Weiten wir den Blick: Wie bei einem Wettlauf haben all jene einen Startvorsprung, die nicht Frauen oder behindert sind, die nicht aus einer sozial schwächeren Familie kommen, nicht aus einem bildungsferneren Hintergrund. Die mit beiden Eltern aufgewachsen sind und die keine Einwanderungsbiografie haben – jedenfalls eine, die in irgendeinem Jahrhundert begann; unterwegs sind immer alle mal gewesen.

Es ist einfach so. Zahlen lügen nicht. Einige laufen schlicht früher los oder starten kurz vor der Ziellinie. Das zu ändern ist Menschenrecht pur.

Das Ding mit der Identität

Nun sind wir mittendrin in der so genannten Identitätspolitik, über die gerade so viel geredet wird, besonders in der SPD. Ich musste erstmal genau nachschlagen, was mit dem Begriff gemeint ist und verstehe nicht, wie man dagegen etwas haben könnte: Es geht dabei schlicht um den Blick auf die unterschiedlichen Startbedingungen. Keinem wird dabei etwas weggenommen, es wird dagegen an anderer Stelle geholfen, zu mehr Fairness und Gerechtigkeit verholfen. Theoretisch hat niemand etwas dagegen. Warum nicht auch praktisch?

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