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Klarna steht vor einer neuen Finanzierungsrunde – und würde damit das wertvollste Fintech Europas

Holtermann, Felix
·Lesedauer: 2 Min.

Zahlungsdienstleister stehen derzeit bei Investoren hoch im Kurs. Der schwedische Unternehmen könnte bald 30 Milliarden Dollar wert sein.

Das Fintech bietet eine Online-Bezahlmethode an, versteht sich aber darüber hinaus als Shopping-App mit weiteren Dienstleistungen. Foto: dpa
Das Fintech bietet eine Online-Bezahlmethode an, versteht sich aber darüber hinaus als Shopping-App mit weiteren Dienstleistungen. Foto: dpa

Das schwedische Finanz-Start-up Klarna peilt eine Finanzierungsrunde über 500 Millionen Dollar an. Die Bewertung des Zahlungsdienstleister würde damit auf 25 bis 30 Milliarden Dollar steigen. Das berichtete das schwedische Start-up-Blog „Breakit“. Klarna wollte sich dazu nicht äußern.

Kommt die neue Finanzierung, würde Klarna zum mit Abstand wertvollstem, nicht börsennotierten Fintech in Europa. Derzeit wird die Firma mit knapp elf Milliarden Dollar bewertet. Der britische Zahlungsdienstleister Checkout.com kommt auf 15 Milliarden Euro.

Klarna bietet eine Online-Bezahlmethode an, versteht sich aber darüber hinaus als Shopping-App mit weiteren Dienstleistungen. So gibt Klarna seit längerem eine eigene Kreditkarte heraus. Erst am vergangenen Mittwoch ist das Fintech mit einem Girokonto in Deutschland gestartet. Allein in Deutschland zählt Klarna sechs Millionen App-Nutzer.

Zahlungsdienstleister, zu denen auch Klarna gehört, stehen derzeit bei Investoren hoch im Kurs. Checkout und Rapyd, ebenfalls aus Großbritannien, haben vor wenigen Wochen dreistellige Millionensummen eingesammelt. Der niederländische Wettbewerber Adyen meldete für 2020 einem Umsatz- und Gewinnsprung, der Aktienkurs ist seit dem Börsengang vor zweieinhalb Jahren stetig gestiegen. Adyens Börsenwert beträgt mehr als 60 Milliarden Euro.

Auch Klarna wird ein baldiger Börsengang zugetraut. Fraglich ist, ob er sich durch eine neue Finanzierungsrunde nach hinten schieben könnte. Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski hatte dem Handelsblatt im vergangenen Jahr gesagt: „Ein Börsengang wäre noch mal eine zusätzliche Qualifizierung und hätte den Vorteil, dass bisherige Gesellschafter einfacher ihre Anteile verkaufen können“, sagte er dem Handelsblatt.

Coronakrise beschleunigt Trend

Die Branche profitiert vom geänderten Zahlungsverhalten der Verbraucher. Weltweit kaufen immer mehr Menschen per Internet ein und zahlen an der Ladenkasse mit Karte oder Smartphone statt mit Bargeld. Die Coronakrise hat den Trend noch einmal beschleunigt.

Dabei richtet sich Klarna sowohl an Verbraucher wie auch an Händler. Klarna bietet verschiedene Bezahlarten an, unter anderem Kauf auf Rechnung und Ratenkauf. Branchenbeobachter fassen solchen Bezahlmethoden unter dem Schlagwort „Buy now, pay later“ zusammen und trauen ihnen ein starkes Wachstum zu.

„Buy-now-pay-later-Angebote sind in Deutschland bereits sehr prominent. Kauf auf Rechnung, Lastschrift und Ratenkredite bilden zusammen etwa 50 Prozent aller Onlinezahlungen ab“, erklärt Markus Ampenberger, Zahlungsexperte der Beratungsfirma BCG. „In anderen Ländern sind diese Bezahlarten aber erst jetzt auf dem Vormarsch, dort wird bisher viel mehr per Kreditkarte oder über digitale Wallets wie Paypal bezahlt.“