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Kaum noch Schäden infolge von Datenklau an Geldautomaten

Frankfurt/Main (dpa) - Der Datenklau an Geldautomaten in Deutschland hat im vergangenen Jahr auf niedrigem Niveau zugenommen. Doch weil Kriminelle ausgespähte Kartendaten und Geheimnummern (PIN) nur in vergleichsweise wenigen Fällen für betrügerische Geschäfte nutzen konnten, verringerte sich der Schaden infolge solcher «Skimming»-Fälle binnen Jahresfrist um 78 Prozent auf das Rekordtief von 125 000 Euro.

Im Gesamtjahr 2022 zählte die Frankfurter Einrichtung Euro Kartensysteme 233 Manipulationen an Geldautomaten in Deutschland. Ein Jahr zuvor waren es 136. Einzelne Automaten können mehrfach in der Statistik auftauchen. Um sensible Daten von Bankkunden auszuspähen, manipulieren Täter zum Beispiel den Kartenleser oder die Tastatur eines Geldautomaten.

Fast die Hälfte der «Skimming»-Fälle im vergangenen Jahr wurde in Hamburg gezählt: 104 manipulierte Automaten. Mit einigem Abstand folgen Niedersachsen (48), Baden-Württemberg (26) und Bayern (17). Dass die Zahlen im Jahresvergleich regional teilweise stark schwanken, erklären Experten damit, dass wechselnde Tätergruppen sich jeweils auf bestimmte Gebiete spezialisieren.

Zu Geld machen konnten Kriminelle Daten, die sie im vergangenen Jahr an Geldautomaten in Deutschland geklaut haben, in 113 Fällen. Dafür mussten sie allerdings ins Ausland ausweichen. Denn Kartendubletten funktionieren im Grunde nur in Ländern, die noch auf relativ leicht kopierbare Magnetstreifen setzen. Weltweit hat sich weitgehend die sogenannte EMV-Technik durchgesetzt. Dabei wird die Echtheit von Bezahlkarten mit Hilfe eines eingebauten Mini-Computers bei jedem Gebrauch geprüft.

Schäden 2022

Im abgelaufenen Jahr kamen Kartendubletten auf Basis von in Deutschland ausgespähten Daten nach Angaben von Euro Kartensysteme daher vor allem in Brasilien (49 Prozent), den USA (39 Prozent) und im Karibik-Inselstaat St. Lucia (11 Prozent) zum Einsatz.

Deutschlands Banken und Sparkassen können sich fast die gesamte Schadenssumme zurückholen, denn für Schäden aus betrügerischen Geschäften mit geklauten Kartendaten müssen aufgrund internationaler Abkommen die Länder mit den niedrigsten Sicherheitsstandards aufkommen. Wer hierzulande «Skimming»-Opfer geworden ist, muss in der Regel keinen finanziellen Nachteil fürchten: Sofern die betroffenen Kundinnen und Kunden sorgfältig mit ihrer Bezahlkarte und PIN umgegangen sind, ersetzen Geldinstitute solche Schäden.

Doch weil manche Verbraucherinnen und Verbraucher trotz aller Warnungen Karte und PIN zusammen im Geldbeutel aufbewahren, gehen die Schäden infolge von Diebstahl und Verlust von Zahlungskarten seit Jahren in die Höhe. Im Gesamtjahr 2022 registrierte Euro Kartensysteme in diesem Bereich 22 676 (Vorjahr: 13 968) Fälle und einen Schaden von rund 28,9 (rund 18,2) Millionen Euro.