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Katar steigt mit 125 Millionen Dollar bei Siemens-Joint-Venture Fluence ein

Höpner, Axel
·Lesedauer: 3 Min.

Das Unternehmen wird durch den Deal mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Derzeit plant Fluence, die größte Batterie der Welt zu bauen.

Das Siemens-Joint-Venture Fluence sieht sich als weltweit führenden Anbieter von großen Batteriespeicher-Lösungen. Nun steigt nach Informationen des Handelsblatts Katar mit einem 125 Millionen-Dollar-Investment bei dem Gemeinschaftsunternehmen ein, das Siemens gemeinsam mit dem US-Versorger AES betreibt.

Die Qatar Investment Authority (QIA) übernimmt im Rahmen der Kapitalerhöhung etwa zwölf Prozent der Anteile. Fluence wird dadurch mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Siemens und AES wollen mit je 44 Prozent der Anteile langfristig Gesellschafter bleiben.

Energiespeicherung sei ein Schlüsselelement der Energiewende, sagte Siemens-Vorstand Matthias Rebellius, der die Sparte Smart Infrastructure führt. Siemens habe das Geschäft als signifikantes, langfristiges Wachstumsfeld definiert. Das Investment von QIA werde Fluence in einem dynamisch wachsenden Markt voranbringen.

Mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung durch den Einstieg Katars sollen neue Produkte entwickelt und neue Märkte weltweit erobert werden. Die Herausforderung des Klimawandels könne nur bewältigt werden, wenn die Kräfte von Ingenieuren und Investoren in der ganzen Welt gebündelt würden, sagte Fluence-CEO Manuel Perez Dubuc.

Fluence dürfte den Umsatz laut AES-CEO Andrés Gluski in diesem Jahr auf 500 Millionen Dollar verfünffachen. Damit sei das Unternehmen Marktführer in seinem Segment. Zu den aktuellen Projekten gehört zum Beispiel ein 112 Megawatt-Speicher neben einem Solarpark in Chile.

Pilotanlage in Chile mit Porsche

Das Gemeinschaftsunternehmen plant derzeit zudem, die größte Batterie der Welt in Australien zu bauen. Das Projekt sieht die Installation von zwei Lithium-Ionen-Batterien mit einer Leistung von jeweils 250 Megawatt vor, die in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales gebaut werden.

Im Moment hält Tesla den Rekord. Elon Musk ließ ebenfalls in Australien die mit 150 Megawatt Leistung bislang größte Batterie der Welt bauen. Energiespeicher wie die von Fluence und Tesla sollen an Netzknotenpunkten überschüssigen Strom aufnehmen und später wieder abgeben können, um damit die Schwankungen bei erneuerbaren Energien auszugleichen und bestehende Leitungen besser auszunutzen.

Eine ähnliche Funktion – überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien zu speichern – kann auch Wasserstoff übernehmen. Hier baut Siemens Energy gerade in Chile mit Porsche eine Pilotanlage.

Chile gilt als einer der besten Windkraftstandorte der Welt. Neben einer 3,4-Megawatt-Windkraftturbine von Siemens Gamesa soll ein Elektrolyseur von Siemens Energy errichtet werden. Dieser soll mithilfe der Windkraft klimaneutrales synthetisches Benzin und Methanol produzieren. Die Kraftstoffe werden von Porsche abgenommen.

Stärke von Siemens liegt eher bei Großanlagen

Eine klare Strategie in Sachen Speicherlösungen war bei Siemens lange schwer erkennbar. Die Münchener waren – vor der Abspaltung des Energiegeschäfts – zum Beispiel auch in den Markt für kleinere Solar-Heimspeicher eingestiegen. Doch wurde die Vermarktung des Batteriesystems Junelight im Herbst wieder eingestellt.

Nach Einschätzungen aus Industriekreisen war Siemens zu spät in das Segment eingestiegen, das sich lange kleinere Mittelständler wie E3/DC, Senec oder Sonnen aufgeteilt hatten. Die Stärke von Siemens aber liegt eher bei Großanlagen, weniger im kleinteiligen Geschäft mit Endkonsumenten.

Die Energiespeicherplattform Siestorage für große Batterien hatte Siemens bereits 2017 in das Gemeinschaftsunternehmen mit AES eingebracht. Die Amerikaner steuerten ihre Plattform Advancion zu Fluence bei.

Der Markt gilt in der Ära der Energiewende als attraktiv. „Gerade Batteriespeicher haben das Potenzial, die Energiewende weiter voranzutreiben und zur Flexibilisierung des Stromnetzes beizutragen“, heißt es bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Laut Prognosen des Marktforschers BloombergNEF (BNEF) könnten weltweit bis zum Jahr 2040 Energiespeicher für insgesamt 620 Milliarden Dollar installiert werden.