Deutsche Märkte geschlossen

Karriere ohne Strategie? Wie zwei besondere Stärken die Karriere dieses Instagram-Managers boosteten

„So viele Zufälle haben mich dahin geführt, wo ich heute bin“, sagt Heiko Hebig. Die Karriere des Instagram-Mitarbeiters der ersten Stunde wirkte zuletzt schnörkellos. Der Spiegel, Burda, Facebook, Instagram. Blickt der 49-Jährige selbst auf die Anfänge zurück, sieht er Kurven und Sprünge und glückliche Zufälle. Er sollte mal Banker werden, heute ist er Partner Manager in einem Tech-Unternehmen. Und angefangen hat alles mit einer Zeitschrift.

Es begann mit „Internet for Dummies“

Hebig, Jahrgang 1973, ist in Ostfriesland aufgewachsen, das Kind zweier Lehrer. Nach der Schule begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann. „Irgendwann hatte ich mal eine Zeitschrift in der Hand, in der drin stand: Wenn du jetzt anfängst, über das Internet zu lesen und dich schlau zu machen, weißt du in der Zukunft mehr als andere darüber.“ Das nahm er sich zu Herzen. Im Buchhandel – Amazon gab es noch nicht – bestellte er sich „Internet für Dummies“ auf Englisch. Damit lernte er die ersten Dinge über dieses neuartige Phänomen des Internets. Und natürlich probierte er es auch selbst aus. Hebig wohnte damals noch bei seinen Eltern, besorgte sich ein Modem und ließ sich eine eigene Telefonleitung ins Kinderzimmer legen – damit das Telefon nicht immer besetzt war, wenn er surfte. Seine Eltern verstanden es damals nicht.

Das angeeignete Wissen reichte dann aus, um neben der Ausbildung an der örtlichen Industrie- und Handelskammer Kurse für mittelständische Unternehmen zu geben, in denen Hebig das Internet und seine noch unausgeschöpften Möglichkeiten erklärte. Wie baut man eine Webseite? Was ist eigentlich HTML? Solche Fragen konnte er nun beantworten.

Nach der abgeschlossenen Ausbildung entschied sich Hebig zum Studium: Internationales Marketing und Management. Die Hochschule in Groningen, die er sich dazu ausgesucht hatte, besaß gut ausgestattete Internet-Räume – zu dieser Zeit noch immer eine Seltenheit – und Hebig verbrachte viel Zeit darin. Er lernte autodidaktisch, wie man Webseiten baut, programmiert. Für ihn so spannend, dass er sich lose auf Jobs bewarb, in denen er dieses Wissen auch anwenden konnte.

Studienabbruch für den Job in einer Agentur

Für eine Stelle bei der Internet-Agentur Icon Medialab in Hamburg brach er sein Studium ab. Vor dem Platzen der ersten großen Internetblase im Jahr 2000 baute er schon Internetpräsenzen für Startups in der Szene auf, wie „letsbuyit.com“, das später an ProSieben verkauft wurde. Dank seines Wissens war Hebig mittendrin in dieser Aufbruchsstimmung. Als Weblogs zuerst aufkamen, probierte er sich auch daran aus – was dazu führte, dass er plötzlich als Experte galt und auch zum Thema interviewt wurde.

Es folgten unter anderem sechs Jahre bei Burda, ein kurzer Zwischenstopp beim Spiegel, bis ihn sein Weg schließlich zu Facebook führte, das heute unter Meta firmiert. Und auch hier beschäftigte er sich früh mit allem, was noch ganz am Anfang stand. Instagram zum Beispiel, das gerade von Facebook gekauft worden war und erst Mitarbeiter im zweistelligen Bereich hatte. Durch den Wissensvorsprung wurde das Team um Hebig Ansprechpartner für interne Instagram-Fragen. „Ich wusste dann zufällig mehr über Instagram als andere“, sagt Hebig dazu. Alles Zufall, sagt er.

Zwei Stärken hoben ihn aus der Masse hervor

Head of Digital Media, Innovation Lab hier, Think Tank das. Sind das Titel, die man bekommt, wenn man alles dem Zufall überlässt? Laut eigener Aussage ist Hebig das schwarze Schaf einer Lehrerfamilie. Er könne eben ganz gut beibringen und erklären und habe eben ein gutes technisches Verständnis. Dabei sei er aber nie der Beste gewesen: „Wie sagt man so schön: Ich weiß genug, um gefährlich zu sein. Ich bin vielleicht nicht der beste Programmierer der Welt, aber ich kann mich mit Programmierer*innen unterhalten. Genauso kann ich mich aber auch mit Menschen unterhalten, die überhaupt nicht programmieren können.“

Er habe technische Entwicklungen früh gesehen und verfolgt und sie für seine jeweiligen Arbeitgeber übersetzt. Als das erste iPhone herauskam, war Hebig gerade bei einem Verlag angestellt. Aus der technischen Entwicklung ließen sich von ihm einige Fragen davon ableiten: Was bedeutet das für meine Firma und welche Möglichkeiten eröffnen sich? Wie lassen sich Geschäftsmodelle neu erfinden oder erschließen?

Heiko Hebig beantwortet eure Fragen zu Instagram
Heiko Hebig beantwortet eure Fragen zu Instagram

Wenn man genau hinschaut, dann baut Hebigs Karriere aber grundsätzlich auf zwei Stärken auf: auf Neugier und auf der Ausdauer, sich selbst etwas beizubringen und lernen zu wollen: „Dieses permanente Lernen und auch Spaß daran haben, neue Dinge zu lernen, und dann auch willens sein, diese neuen Dinge zu vermitteln, manchmal gegen den Willen des Umfelds. Das ist, glaube ich, was mich so ein bisschen auszeichnet.“

Bei Facebook beziehungsweise Meta ist Hebig mittlerweile rund zehn Jahre. Frühere Stationen hat er teilweise deutlich schneller hinter sich gelassen. Ausschlaggebend sei dabei immer „Bauchgefühl“ gewesen. Übersetzt heißt das: Wenn der Zenit überschritten wurde, war es Zeit zu gehen. Kann er im Unternehmen noch etwas lernen? Sind die Kollegen und Kolleginnen nett oder ist es nur noch anstrengend? Gibt es gesunde Veränderungen? Dabei hat Hebig auch durchaus schon mal gekündigt, ohne etwas Neues gehabt zu haben. Damals schöpfte er das Selbstvertrauen dafür aus seinem starken Netzwerk, das ihm neue Möglichkeiten eröffnete. Bei Instagram hat er nun offenbar noch nicht ausgelernt. Die Plattform entwickelt sich stetig weiter – und damit auch die Aufgaben.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.