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Justiz ermittelt gegen Luxuskonzern Kering wegen schweren Steuerbetrugs

Hanke, Thomas
·Lesedauer: 2 Min.

Die Muttergesellschaft von Gucci und Balenciaga steht im Visier der Behörden. In Italien musste Kering bereits mehr als eine Milliarde Euro nachzahlen.

Die französische Luxusgruppe Kering hat zugegeben, dass die Finanzstaatsanwaltschaft ihres Heimatlandes wegen schweren Steuerbetrugs gegen sie ermittelt. „Nach einem Presseartikel hat das Parquet National Financier bestätigt, im Februar 2019 Ermittlungen gegen Kering begonnen zu haben. Diese Information war der Gruppe bislang nicht zur Kenntnis gebracht worden“, schrieb das Unternehmen am Donnerstagmorgen in einer Pressemitteilung.

Die Untersuchung „scheint mit den eventuellen Konsequenzen für die französischen Gesellschaften von Kering verbunden zu sein, die eine im November 2017 gegen die Schweizer Filiale LGI gestartete Ermittlung haben könnte“, äußerte sich Kering etwas verschlungen. Dieses Verfahren sei im Mai 2019 durch eine Einigung mit den italienischen Steuerbehörden beendet worden.

Im Kern geht es beim französischen Verfahren offenbar um dieselbe Konstruktion wie die, mit der Kering Milliarden an Euro am italienischen Fiskus vorbeigeschleust hatte. Das französische Internetportal „Mediapart“ hatte 2018 berichtet, dass Kering im Schweizer Kanton Tessin die Firma LGI gegründet hatte.

Diese habe den größten Teil der Gewinne von Kering-Marken wie Gucci, Brioni, Balenciaga oder Saint Laurent vereinnahmt. Der Vorteil: Statt 33 Prozent Steuern wie in Frankreich zahlte Kering im Tessin lediglich acht Prozent.

Italien hatte den höchsten Schaden durch Kerings Steuerhinterziehung: Gucci ist in Italien angesiedelt und trägt den größten Teil zu den Kering-Gewinnen bei. Anfang 2019 einigte sich das von der Familie Pinault geführte Unternehmen mit den italienischen Behörden auf eine Rekord-Steuernachzahlung von 1,25 Milliarden Euro.

Familie ist gut vernetzt

Es ist nicht nachzuvollziehen, wieso Kering nicht gleichzeitig eine Einigung mit den französischen Behörden über eine freiwillige Nachzahlung für seine in Frankreich niedergelassenen Unternehmen suchte. Kering reagierte am Donnerstag nicht auf entsprechende Nachfragen. „Mediapart“ zufolge hat allein Saint Laurent durch den Tessin-Trick 180 Millionen an Steuern hinterzogen.

Das Konglomerat Kering wurde 1962 von François Pinault gegründet und wird heute von seinem Sohn François-Henri geführt. 41 Prozent des Kapitals liegen in den Händen der Familien-Holding Artemis. Die Pinaults zählen mit einem geschätzten Vermögen von 37 Milliarden Euro laut dem Magazin „Forbes“ zu den reichsten Familien Frankreichs.

Politisch sind sie gut vernetzt: François-Henri Pinault wurde von Staatspräsident Emmanuel Macron damit beauftragt, eine Studie über Mode und Umwelt zu erstellen. Sein Vater François Pinault hat sich vor zwei Jahren mit der linken Stadtverwaltung von Paris auf die Rückführung seiner Kunstsammlung aus Italien nach Frankreich geeinigt, wofür die Stadt ihm ein großes historisches Gebäude im Herzen der Hauptstadt zur Verfügung stellt.

Völlig offen ist bislang, ob der Fiskus auch gegen die Familie Pinault persönlich ermittelt oder ob lediglich das Unternehmen im Fadenkreuz steht.