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Jeff Bezos ist „über Amazon hinausgewachsen“ und verliert den Kontakt zu Kunden und Belegschaft, sagt ein Buchautor

·Lesedauer: 2 Min.
Amazon-Chef Jeff Bezos.
Amazon-Chef Jeff Bezos.

Im dritten Quartal des Jahres wird Jeff Bezos als CEO des Online-Versandhändlers Amazon zurücktreten. Wie er sich in den 27 Jahren als Chef des Tech-Giganten verändert hat, erklärte der Journalist Brad Stone im Interview mit der „Wirtschaftswoche“ (WiWo). Stone ist Journalist und Autor des Buches „Amazon unaufhaltsam“. Bereits 2013 hatte er mit „Der Allesverkäufer“ einen Bestseller über den Online-Giganten aus Seattle geschrieben.

Stone beschreibt Bezos zunächst einmal als „Imperien-Gründer, der eine ganze Reihe von Industriezweigen erschüttert hat“ — vom Handel über das Cloud Computing bis hin zum digitalen Lesen. Derzeit arbeite er an der Disruption des Supermarkts und weiterer Sektoren. Dabei geholfen habe sein Führungsstil, der aus „Einschüchterung und Inspiration“ bestehe. Er verlange viel von seinen Mitarbeitern und „das Risiko, ihn zu enttäuschen und den Job zu verlieren, ist hoch.“

Jeff Bezos ist „über Amazon hinausgewachsen“

Was den Amazon-CEO gegenüber anderen Tech-Größen auszeichne, seien weniger seine Fähigkeiten als brillanter Designer oder Produktentwickler — und das, obwohl er Amazons Alexa fast im Alleingang entworfen habe. Vielmehr würde seine Fähigkeit bewundert, ein riesiges Konglomerat aufgebaut und zusammengehalten zu haben, so Stone. Zu Bezos' Imperium gehörten ja eben nicht mehr nur Amazon, sondern auch die Washington Post, sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin und seine wohltätigen Organisationen. Sein Fokus habe sich geweitet und er sei „über Amazon hinausgewachsen“.

Der damit einhergehende Reichtum sei aber auch eine von Bezos' größten Schwächen als Unternehmer. Denn er verliere zunehmend den Kontakt zu seinen Kunden und seiner Belegschaft. Das sei auch wenig verwunderlich, so Stone: „Wie soll jemand mit einem Vermögen von 200 Milliarden Dollar den Alltag eines Arbeiters verstehen, der 15 Dollar die Stunde in einem Warenhaus verdient?“ Dadurch wirke Bezos in der Öffentlichkeit manchmal etwas unbeholfen, wenn er den Online-Händler vertrete. Als Beispiel dafür gibt der Journalist Bezos' Aussagen vor dem US-Repräsentantenhaus im vergangenen Jahr an, wo der Amazon-CEO Probleme gehabt habe, die einzelnen Geschäftsbereiche seines Unternehmens zu erklären. „Er wirkte unvorbereitet und nicht über die Details informiert.“

Bezos kann auch nach seinem Ausscheiden „immer wieder die Kontrolle übernehmen“

Trotz alledem würde Amazon mit Bezos seinen Chef-Innovator verlieren. Denn Stone erwartet, dass sich der Gründer nach der Abgabe des CEO-Postens auf andere Gebiete konzentrieren werde. Mehr Freizeit dürfte eine große Rolle spielen, aber auch Blue Origin werde mehr Energie in Anspruch nehmen. Und nicht zuletzt werde sich Bezos angesichts seines riesigen Vermögens auch stärker philanthropischen Projekten widmen. Mit zehn Milliarden Dollar für den Bezos Earth Fund hatte er im letzten Jahr beispielsweise eine Stiftung zur Bekämpfung des Klimawandels gegründet.

Ganz werde sich Bezos bei Amazon aber nicht zurücknehmen. „Und sollte das Unternehmen tatsächlich ernsthafte Probleme bekommen, kann er immer wieder die Kontrolle übernehmen“, so Stone. Bezos wäre nicht der erste Ex-CEO, dem das passiert.

sb