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Italienische Hersteller von Schutzmasken produzieren jetzt im 24-Stunden-Betrieb

Der Zivilschutz braucht fünf Millionen Schutzmasken. Die Hersteller kommen mit der Produktion kaum nach – und ärgern sich über Wucherangebote.

Die Produzenten der Masken können den Bedarf derzeit nicht decken. Foto: dpa

„FFP3“ ist Mangelware in Italien. Die Schutzmaske, die 98 Prozent der Atemluft filtert und mit einer Europa-Norm zertifiziert ist, ist seit dem Ausbruch des Coronavirus kaum noch zu finden.

Auch nicht das Modell „FFP2“, das immerhin 92 Prozent der Atemluft filtert, wie der Verband der Hersteller und Distributoren von Schutzgeräten erklärt. An den meisten Apotheken kleben seit Tagen große Schilder auf Italienisch und Englisch: „Keine Masken mehr vorrätig“.

Fünf Millionen Stück braucht Angelo Borrelli, der Chef des Zivilschutzes. Er hat bereits die EU um Hilfe gebeten. Denn Covid-19 hält Italien weiter in Atem. Am Mittwochmittag wurde noch erwogen, ob alle Schulen des Landes möglicherweise bis 15. März geschlossen bleiben.

Eine generelle Beschlagnahmung aller Schutzmasken, wie sie der französische Präsident Emanuel Macron am Dienstag verordnet hatte, gibt es in Italien nicht. Borrelli, der täglich um 18 Uhr den Stand der Ausbreitung von Covid-19 bekanntgibt, erklärte, dass die Masken für das Personal in Krankenhäusern gebraucht werden.   

Forschung an waschbaren Masken

Die Hersteller fahren Sonderschichten. „Wir arbeiten rund um die Uhr, 24 Stunden an sieben Tagen“, sagt Massimo Scagliarini dem Handelsblatt. Er ist Chef von GVS, einem der Marktführer in der Healthcare-Branche, der 2019 auf einen Umsatz von 230 Millionen Euro kam. „Wir kommen kaum hinterher, die Aufträge aus der ganzen Welt sind seit Jahresbeginn um 200 Prozent im Vergleich zum gesamten Vorjahr angestiegen“, sagt er.

Das Familienunternehmen, das 1979 in einer Garage im Hinterland von Bologna gegründet wurde, hat heute 2500 Angestellte in 13 Produktionsstätten und exportiert 94 Prozent seiner Produkte. Die Nachfrage nach Schutzmasken sei schon einige Zeit vor dem Ausbruch von Covid-19 exponentiell in die Höhe gegangen, berichtet Scagliarini. Bisher seien diese aber vor allem im Arbeitsschutz eingesetzt worden.

Jetzt setzt das Unternehmen drei neue Produktionslinien auf, um die Fertigung zu steigern. Dann sollen pro Monat 450.000 FFP3-Schutzmasken zusätzlich zu den bisher eine Million die Werke verlassen.

Außerdem forscht das Unternehmen an waschbaren und damit wiederverwendbaren Masken. Das Virus wird mit Temperaturen ab 50,5 Grad beseitigt, sagt der CVS-Chef. Eine normale 60-Grad-Wäsche würde also ausreichen. „Ich rechne damit, dass wir in rund zehn Tagen eine Lösung haben.“

Auch andere Hersteller wie der Unternehmer Pier Palo Zani arbeiten unter Hochdruck. Sein Start-up-Unternehmen BLS, das mit dem Polytechnikum von Mailand zusammenarbeitet, ist ausgelastet. „Im Februar wurden zehnmal so viele Masken wie sonst im ganzen Jahr bestellt“, sagt er.

Geschäftemacherei mit der Angst

Und er protestiert gegen Profiteure. Denn im Netz werden Schutzmasken zu Wucherpreisen angeboten. „99,90 Euro für fünf Stück des Modells FFP3“, ist da als Angebot zu finden. Ein völlig überzogener Preis für einen Mundschutz, der in normalen Zeiten ein paar Euro kostet. Zehn Stück des Modells FFP2 kosten im Netz 56 Euro plus 18 Euro Versandkosten. Amazon ist bereits alarmiert.

Die Geschäftemacherei mit der Angst der Menschen blüht. Erst waren es die Touristen aus China, die nun ausbleiben. Dann viele Italiener, die in der Metro oder im Bus mit Masken herumlaufen.

Die Wissenschaft hält dagegen. „Schutzmasken für gesunde Menschen sind völlig überflüssig, sie helfen überhaupt nicht”, sagt Walter Ricciardi, Medizin-Professor in Mailand, Mitglied der Weltgesundheitsorganisation und Berater des Gesundheitsministeriums. „Die Masken werden benötigt für erkrankte Menschen und das Personal im Gesundheitswesen.“

Das sagt auch Andrea Spasciani, Chef des gleichnamigen Unternehmens in der Nähe von Varese. Die Leute sollten diese Produkte nicht kaufen, meint er. „Die wenigen Vorräte, die es noch gibt, sollten an Ärzte, Krankenpfleger und die Fahrer von Krankenwagen gehen.“

Und an die eigenen Leute: „Wir tragen alle Masken bei der Arbeit, in der Fertigung wie in den Büros“, sagt GVS-Chef Scagliarini. „Hätten wir auch nur einen Verdacht auf Corona hier – nicht auszudenken.“