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Unser Investor ist in eine finanzielle Notlage geraten – und zog sein Investment zurück

·Lesedauer: 3 Min.
Startups benötigen Cash, um wachsen zu können. Doch wie geht man damit um, wenn Investoren kurzfristig abspringen? (Symbolbild)
Startups benötigen Cash, um wachsen zu können. Doch wie geht man damit um, wenn Investoren kurzfristig abspringen? (Symbolbild)

Arbeiten im Startup – damit verbinden viele Menschen kostenlosen Kaffee und volle Obstkörbe bei niedrigem Gehalt und mindestens ausbaufähigen Arbeitsbedingungen. Was ist dran an diesem Bild? In anonymen Erfahrungsberichten lässt die Gründerszene-Redaktion aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter junger Unternehmen sprechen. Aufgezeichnet werden ihre Worte von wechselnden Autoren. Der Startup-Alltag im Realitätscheck:

Ich bin Gründer eines Startups, das versucht, das Reisen zu erleichtern. Ich habe mir selbst jahrelang die Welt angesehen – und weiß, wie viel Arbeit das Planen solcher Reisen in Anspruch nehmen kann. Das wollte ich ändern.

Mit einem Freund gründete ich also mein erstes Unternehmen. Nicht lange nach der Gründung stellten wir fest, dass wir Kapital brauchten, um unser Vorhaben realisieren zu können. Wir suchten nach Business Angels – und fanden rasch einen, der willens war, in unser junges Unternehmen zu investieren.

Mein Co-Gründer und ich sprühten vor Tatendrang. Mit der schriftlichen Zusage unseres ersten Investors begannen wir, Personal einzustellen. Unser Ziel war es, schnell zu wachsen – das heißt, Personal einzustellen und unsere Website ins Laufen zu bekommen. Doch eines Abends erreichte mich eine Mail, die mir monatelang schlaflose Nächte bereiten sollte. Darin stand nämlich, dass unser Investor in eine finanzielle Notlage geraten sei – und deshalb kurzfristig von dem Investment zurücktreten wollte.

„Was passiert nun mit den Leuten, die wir eingestellt hatten?“

Für mich war das ein Schock. Was passiert nun mit den Leuten, die wir eingestellt hatten? Manche sind für den Job sogar in eine andere Stadt gezogen. Mein Co-Gründer und ich waren uns einig: Wir wollten den Leuten nicht kündigen. Also nahmen wir all unser Erspartes, um uns für die nächsten acht Wochen über Wasser zu halten und Gehälter zu bezahlen. Das Geld stammte aus der Zeit, in der mein Co-Gründer und ich eine Marketingagentur geleitet hatten. Nichtsdestotrotz schränkten wir uns auch privat ein, indem wir uns selbst kein Gehalt auszahlten.

Wir lebten in kleinen Wohnungen, gingen selten auswärts essen – und arbeiteten wie verrückt, um in den paar Wochen, die uns blieben, einen neuen Investor aufzutreiben. Über unser Netzwerk stießen wir auf weitere Investoren, die sich für unser Vorhaben interessierten. Und als sei die Suche nach Investoren nicht schon stressig genug, erkältete ich mich dann aber auch noch kurz vor unserem nächsten Pitch. Meine Stimme war so gut wie weg.

Kein Geld mehr auf dem Konto – was dann?

Egal. Ich wollte uns diese Chance nicht versauen. Ich riss mich zusammen und machte mit einem warmen Tee in der Hand den Pitch. Es war zwar nicht mein bester, doch es ging um alles. Wir brauchten das Geld. Unser Konto stand nahe Null. Privates Geld zum Nachschießen hatten wir nicht mehr.

All das erzeugte Existenzängste in mir. Ich sorgte mich um meine Mitarbeiter, die nebenbei gesagt alle älter als ich waren. Die Angst, mich von ihnen trennen zu müssen, hat mich daher viele Nächte wach liegen lassen.

Umso erleichterter war ich, als wir schließlich die Zusage für ein Investment bekamen. Dieses Geld hat uns dann weitere zwei Monate über Wasser gehalten. Wir konnten unser Produkt in die Beta-Phase bringen. Und das überzeugte unsere Investoren, in der nächsten Runde ein weiteres Mal zu investierten.

Gründer leben von 1.000 Euro im Monat

Irgendwann haben mein Co-Gründer und ich damit begonnen, uns 1.000 Euro im Monat zu zahlen. Unsere Mitarbeiter verdienen natürlich mehr. Deren Gehalt orientiert sich an branchentypischen Durchschnittseinkommen. Mein Co-Gründer und ich werden unseren Lohn erst aufstocken, wenn wir unser Produkt launchen und das Geschäft läuft.

Die Zeit, in der wir kurz vor der Pleite standen, werde ich nicht vergessen. Zurückblickend haben wir einen großen Fehler gemacht, indem wir unserem ersten Investor blind vertraut haben. Wir hätten uns im Voraus besser über unser Business Angel informieren sollen. Denn im Endeffekt ist ein Investment wie eine Ehe, die man eingeht. Und heiraten tut man in der Regel auch nicht den Erstbesten – so wie wir es getan haben. Man sollte sich erst mal auf dem Markt umschauen und erst dann eine so wegweisende Entscheidung treffen.

Aufgezeichnet von Fiona Mathewson. Ihr arbeitet auch für ein Startup und wollt eure Erfahrungen – gute wie schlechte – anonym mit unseren Leserinnen und Lesern teilen? Schreibt uns gerne hier oder per E-Mail: fiona.mathewson@gruenderszene.de.

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