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ING verdient weniger – und schafft Gebühren für ETF-Sparpläne ab

Holtermann, Felix
·Lesedauer: 4 Min.

Die ING leidet unter der Corona-Pandemie, steht aber robuster da als von Analysten befürchtet. In Deutschland streicht ING als erste Bank die Gebühren für ETF-Sparpläne.

Gewinnrückgang im vierten Quartal. Foto: dpa
Gewinnrückgang im vierten Quartal. Foto: dpa

Der Gewinn der größten niederländische Bank ING ist im vergangenen Jahr weniger stark zurückgegangen als erwartet. Zu verdanken hat sie das vor allem der deutschen Tochter, die im Schlussquartal als einzige Landesgesellschaft einen höheren Gewinn erwirtschaftete. Deutschland ist der wichtigste Markt der ING.

ING-Gruppenchef Stephen van Rijswijk versprach den Anlegern am Freitag auch eine Dividende. Die Aktien stiegen an der Börse in Amsterdam zeitweise um sechs Prozent.

Zu Gute kamen ING im vergangenen Jahr unter anderem die Turbulenzen an den Börsen. Kunden investierten mehr in Fonds und handelten mehr mit Aktien, was zu höheren Provisionseinnahmen führte. Auch Strafzinsen für Spareinlagen trugen dazu bei, die sinkenden Zinseinnahmen abzufedern.

Unter dem Strich stand im vergangenen Jahr auf Konzernebene ein Gewinn von 2,5 Milliarden Euro, was unter anderem auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. Das war zwar nur etwa halb so viel wie 2019, Analysten hatten aber mit einem noch stärkeren Gewinneinbruch gerechnet.

Insbesondere mit dem Verlauf des Schlussquartals zeigten sich die Beobachter zufrieden: Der Gewinn belief sich im vierten Quartal 2020 auf 727 Millionen Euro (Vorjahresquartal: 880 Millionen Euro).

Ungefähr ein Drittel davon steuerte die in Frankfurt ansässige Deutschland-Tochter bei. Sie baute ihren Gewinn im vierten Quartal unter anderem dank höherer Provisionseinnahmen um gut sieben Prozent auf 237 Millionen Euro aus. In den Niederlanden und Belgien gingen die Gewinne hingegen zurück.

ETF-Offensive bei ING Deutschland

Insgesamt verdiente die deutsche ING 2020 rund 1,0 Milliarden Euro, nach gut 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Risikokosten von 264 Millionen Euro führten zu einer besonderen Belastung. Das Provisionsergebnis stieg bedingt durch ein starkes Wertpapiergeschäft um 48 Prozent auf 479 Millionen Euro, das Zinsergebnis lag mit 2,0 Milliarden Euro nur knapp unter dem Vorjahresniveau.

„Wir haben in einem bewegten Geschäftsjahr ein sehr ordentliches Ergebnis erzielt und gezeigt, dass unser Geschäftsmodell wetterfest und für eine digitale Zukunft sehr gut geeignet ist“, sagte ING-Deutschlandchef Nick Jue am Freitag.

Die Zahl der Kunden in Deutschland und Österreich stagnierte 2020 bei 9,5 Millionen. Wachsen wolle man 2021 unter anderem mit neuen Wertpapierangeboten für Privatkunden, so Jue. Ab April 2021 wolle man alle Sparpläne für 800 Indexfonds (ETF) ohne Kaufgebühren anbieten. „Zusammen mit dem kostenlosen Depot und der Möglichkeit, bereits ab einem Euro Sparrate in Wertpapiersparpläne zu investieren, schafft die Bank ein im deutschen Markt einmaliges Angebot“, so die Ankündigung.

Im zweiten Quartal 2021 will das Institut eine digitale Anlageberatung starten: Bei Bedarf unterstützt dann ein Coach Kunden bei bestimmten Produkten per Videokonferenz.

Am kostenlosen Girokonto-Angebot, falls ein monatlicher Geldeingang zu verzeichnen ist, wolle man festhalten, erklärte Jue. „Wir haben keine Pläne, daran etwas zu ändern. Wir wollen Hausbank unserer Kunden sein.“

Besonders negativ schlug bei der deutschen ING das eigene Kreditengagement beim aufgrund eines milliardenschweren Bilanzskandals untergegangenen Zahlungsdienstleister Wirecard ins Kontor. ING hatte Wirecard knapp 200 Millionen Euro geliehen, von denen die Bank einen Großteil abschreiben muss.

Man beobachte die Aufklärung des Skandals durch die Staatsanwaltschaft und im Untersuchungsausschuss des Bundestags genau, hieß es am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz. Zu möglichen rechtlichen Schritten, etwa gegen den langjährigen Wirecard-Bilanzprüfer EY, könne man sich noch nicht äußern.

Vorsicht im Firmenkundengeschäft

Wie andere Geldhäuser bekam auch ING die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise in ihren Kreditbüchern zu spüren. Für ausfallgefährdete Darlehen bildete die Gruppe 2020 weltweit eine Risikovorsorge von 2,7 Milliarden Euro. Das war mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor, aber weniger als bei anderen Banken in Europa. ING fühle sich damit gut abgesichert, so der internationale Chef van Rijswijk.

Investoren sollen eine Dividende von zwölf Cent für das Quartal erhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Banken der Euro-Zone aufgefordert, ihr Kapital zusammenzuhalten und möglichst auf Gewinnausschüttungen zu verzichten, um die Folgen der Coronakrise besser abfedern zu können.

Auch in Deutschland agiert die ING angesichts der Corona-Pandemie vorsichtiger, insbesondere im Firmenkundengeschäft. Das Kreditvolumen ging hier um zehn Prozent zurück auf 31,5 Milliarden Euro. Die Erträge schrumpften auf 521 Millionen Euro (2019: 588 Mio. Euro). Der Vorsteuergewinn brach sogar auf 151 Millionen Euro ein (2019: 431 Millionen Euro), unter anderem aufgrund des Wirecard-Engagements.

Doch 2021 schaltet ING wieder auf Wachstum. „Wir gehen davon aus, dass wir eine stärkere Nachfrage nach Krediten sehen werden“, sagte Geschäftskundenvorstand Joachim von Schorlemer. Man wolle das eigene Engagement erweitern, jedoch mit Sorgfalt: „Wir dürfen keine unsicheren Geschäfte tätigen. Wir wollen unsere existierenden Kunden weiter begleiten, bei Neukunden schauen wir genau hin.“

2019 hatte die Direktbank ING fünf Filialen für Firmenkunden eingerichtet und damit bei der Konkurrenz für Aufsehen gesorgt. Mit der Entwicklung der Zentren sei man zufrieden, so Schorlemmer. Weitere Standorte seien derzeit nicht geplant.

Mit Material von Reuters.