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Impfkommission empfiehlt Astra-Zeneca-Impfstoff nur für unter 65-Jährige

Waschinski, Gregor Siebenhaar, Hans-Peter
·Lesedauer: 5 Min.

Die Impfkommission sieht „aktuell keine ausreichenden Daten“ für die Impfeffektivität bei Älteren. Der Mangel an Impfdosen dürfte sich weiter verschärfen.

Die Ständige Impfkommission sieht noch keine Grundlage dafür, den Einsatz des Impfstoffs von Astra-Zeneca auch für die Gruppe der über 65-Jährigen zu empfehlen. Das geht aus einem 88-seitigen Beschlussentwurf des beim Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelten Gremiums hervor, der auf den 26. Januar datiert ist.

Wörtlich heißt es in dem Papier: „Der Covid-19-Vaccine Astra-Zeneca wird aktuell aufgrund der derzeit verfügbaren Daten nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen.“ Abgesehen von dieser Einschränkung sei der Impfstoff ebenso geeignet wie die beiden zugelassenen Seren von Biontech/Pfizer und Moderna.

Anfang der Woche hatte es bereits Diskussionen in Koalitionskreisen und Bundesbehörden über die schwache Datenlage und eine möglicherweise geringere Wirksamkeit des Impfstoffs von Astra-Zeneca bei Älteren gegeben. In dem am Donnerstag öffentlich gewordenen Empfehlungsentwurf der Ständigen Impfkommission heißt es nun, dass für die Impfeffektivität ab 65 Jahren „aktuell keine ausreichenden Daten“ vorliegen.

Derzeit ergebe sich aus den Studien von Astra-Zeneca für diese Altersgruppe eine Wirksamkeit von 6,3 Prozent, aufgrund der sehr dünnen Datenlage sei diese allerdings „statistisch nicht signifikant“. In der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren liegt die Wirksamkeit auf Basis einer deutlich besseren Datenlage dem Dokument zufolge bei 71,1 Prozent.

Am Freitag entscheidet die europäische Arzneimittelbehörde (Ema) über eine Zulassung in der EU. Das Mittel von Astra-Zeneca wäre nach Biontech/Pfizer und Moderna der dritte Impfstoff, der in der EU zum Einsatz kommen würde. In Großbritannien hatte der Impfstoff von Astra-Zeneca bereits Ende Dezember eine Notfallzulassung für alle Altersgruppen bekommen, obwohl auch dort damals offenbar keine statistisch verlässlichen Daten für die Impfeffektivität bei Senioren vorlagen.

Weitere Daten an die Ema

Dem Vernehmen nach hatte Astra-Zeneca bis zuletzt noch klinische Daten an die Ema geliefert, um eine ausreichende Wirksamkeit auch bei Älteren demonstrieren zu können. Der britisch-schwedische Pharmakonzern teilte mit, dass die EU-Behörde ihre Analysen dieser Daten „in den kommenden Tagen“ veröffentlichen werde.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte, die Ständige Impfkommission werde ihre endgültige Empfehlung zum Einsatz des Astra-Zeneca-Vakzins erst nach der Entscheidung der Ema treffen. Am Samstag ist zu diesem Thema auch eine Schaltkonferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern geplant.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, forderte angesichts dieser Entwicklung ein Umdenken. Für die stark gefährdete Gruppe der älteren Senioren falle das Astra-Zeneca-Präparat erst einmal flach. Für sie sollten deshalb die anderen beiden Impfstoffe reserviert werden, forderte er. Ärzte, Pflegepersonal und andere priorisierte Berufsgruppen sollten dafür den Astra-Zeneca-Impfstoff bekommen, schlug Brysch vor.

Lieferengpässe auch bei den anderen Impfstoffherstellern dürften in den kommenden Wochen zu einer weiteren Verschärfung der Lage führen. „Mindestens zehn harte Wochen“ kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Blick auf die Knappheit der Impfstoffe bereits an.

Mehr als 1,7 Millionen Menschen in Deutschland sind bisher einmal gegen Covid-19 geimpft, mehr als 366.000 haben auch die nötige zweite Spritze bereits erhalten. Durch ansteckendere Varianten des Virus, die auch in Deutschland schon vereinzelt nachgewiesen wurden, entwickelt sich das Impfprogramm jedoch immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Auch die Länge des Lockdowns steht für Wissenschaftler damit in Zusammenhang. Zu frühe Lockerungen könnten die Infektionszahlen wieder hochschnellen lassen und die medizinische Lage unkontrollierbarer machen.

Sollte sich die Ema trotz der zusätzlich von Astra-Zeneca gelieferten Daten wie die Ständige Impfkommission dafür entscheiden, die Altersgruppe über 65 Jahren vorerst auszuschließen, dürfte das eine Anpassung der Impfpläne in vielen europäischen Staaten nötig machen.

Unterdessen ging der Streit zwischen der EU und Astra-Zeneca um die Lieferung von Impfstoffdosen auch nach einem Krisengespräch am Mittwochabend weiter. Der Konzern lehnte es weiter ab, Impfstoffe aus seinen britischen Fabriken in die EU umzulenken, um dort mehr Dosen bereitzustellen.
Hierzulande wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Montag über die Probleme beim Impfen sprechen. An diesem Gespräch in Form einer Videokonferenz werden neben weiteren Mitgliedern der Bundesregierung und den Regierungschefs und -chefinnen der Länder auch Vertreter der Impfstoffhersteller sowie der betreffenden Verbände teilnehmen.

„Wir fordern von Astra-Zeneca einen klaren Plan“

„Wir bedauern die anhaltende Unklarheit über den Lieferplan und fordern von Astra-Zeneca einen klaren Plan für die schnelle Lieferung der Impfstoffmenge, die wir für das erste Quartal auch reserviert haben“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides nach einem virtuellen Treffen mit dem Astra-Zeneca-Topmanagement.

Kyriakides und ein Astra-Zeneca-Sprecher bezeichneten den Austausch zwar als „konstruktiv“, jedoch erklärte ein EU-Vertreter in einem vertraulichen Gespräch, wie unzufrieden die Mitgliedstaaten seien. Die EU wünsche zwar keine Eskalation der Spannungen, es sei aber noch viel Arbeit nötig, um aus der festgefahrenen Situation herauszukommen.

Nach den Worten von EU-Ratspräsident Charles Michel sollen rechtliche Mittel und Zwangsmaßnahmen geprüft werden, um die Lieferung von Impfstoffen wie vereinbart sicherzustellen. Auf rechtliche Mittel werde man zurückgreifen, wenn es keine zufriedenstellende Lösung bei den Gesprächen mit den Impfstoffherstellern gebe, schreibt Michel in einem Brief an vier Staats- und Regierungschefs der EU. „Ich unterstütze alle Bemühungen, die Angelegenheit mit den Unternehmen durch Dialog und Verhandlungen zu lösen.“ Sollte eine zufriedenstellende Lösung nicht gefunden werden, dann sei er dafür, alle Optionen zu prüfen.

Mehr: Die Kontroverse um den Impfstoff von Astra-Zeneca