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Dieser Immobilienunternehmer hat ein neues Erfolgsmodell gefunden

·Lesedauer: 5 Min.

Gerade erst hat der Österreicher Hanno Soravia die historische Tengelmann-Zentrale gekauft. Jetzt sieht er auch große Chancen in Osteuropa.

Nach einem Notartermin unweit des Wiener Stephandoms gönnt sich Hanno Soravia auf der Terrasse des In-Lokals Fabio einen Pfiff auf der Terrasse – so nennt man hier das kleine Bier für zwischendurch. Der 60-Jährige ist tiefenentspannt. Soravia, CEO des Osteuropageschäfts der Soravia-Gruppe, kennt jeden zweiten Gast, und jeder zweite Gast kennt ihn.

In Österreich ist der Familienunternehmer eine Größe. Eine charmante Begrüßung für den Vorstandschef und Großaktionär des Baukonzerns Porr, Karl-Heinz Strauß, samt Gattin. Ein vertrauliches Kurzgespräch mit dem Aufsichtsrat der Vienna Insurance Group, einer der größten Immobilienbesitzer in der Alpenrepublik. In der Wirtschaft Österreichs kennt man sich – oft seit Jahrzehnten.

Das ist im Fall von Soravia kein Wunder. Die Geschichte des Familienunternehmens reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1885 gründete Johann Soravia ein Bauunternehmen. Seitdem ist die Familie in der Branche tätig. Der Vater Erwin Soravia, Mitbegründer des Baukonzerns Strabag und einer der großen Bauunternehmer Österreichs, starb vor vier Jahr im Alter von 80 Jahren.

Doch Hanno Soravia schwelgt keineswegs in der Vergangenheit. Zuletzt ist er auch in Deutschland mit spektakulären Projekten aufgefallen: So hat er jüngst das Areal der ehemaligen Tengelmann-Zentrale in Mülheim gekauft und will es entwickeln. Zuvor hatte er versucht, VW zu überzeugen, ein neues Werk in Bulgarien zu errichten – was nicht geklappt hatte.

Nun arbeitet der Jurist an seiner neuen Idee. „Unser Ziel ist es, Wohnraum in den Metropolen Osteuropas in Zusammenarbeit mit den Kommunen zu schaffen“, sagt der Unternehmer. „Es mangelt von Ungarn und der Slowakei über Kroatien bis nach Serbien und Bulgarien an preiswertem Mietwohnraum. Für die Städte wie Budapest, Bratislava, Zagreb, Belgrad oder Sofia ist das zunehmend ein Problem.“

Sein Modell ist einfach: Der Immobilienentwickler errichtet Wohnungen im großen Stil und die Städte geben dafür eine Mietgarantie über 20 Jahre. Der Immobilienentwickler und seine Investoren haben so langfristig stabile Mieteinnahmen. Die Städte schaffen durch die private Partnerschaft schnell und im großen Stil Wohnraum zur Miete. „Mit einem solchen nachhaltigen Modell schaffen wir eine Win-win-Situation“, ist sich Soravia sicher.

Soravia kann Großprojekte stemmen

Die Gespräche mit den Städten Budapest und Zagreb seien „sehr vielsprechend“. Der erste Schritt ist es, in der ungarischen und der kroatischen Hauptstadt Musterhäuser mit einer Wohnfläche von rund 5000 Quadratmetern zu errichten. In Phase zwei sollen dann 40.000 bis 50.000 Quadratmeter gebaut werden. „Von der Vertragsunterzeichnung bis zur Fertigstellung rechnen wir mit 14 Monaten. Aus unserer Sicht kann es bereits in drei Wochen losgehen“, sagt der Immobilienentwickler.

Große Projekte stemmen, das kann das Familienunternehmen. Bislang hat die Soravia-Gruppe Projekte im Volumen von rund fünf Milliarden Euro umgesetzt und 12.000 Wohnungen errichtet. Das Unternehmen mit über 1500 Mitarbeitern hat derzeit Projekte, insbesondere in Österreich, Deutschland, Bulgarien, Rumänien und der Slowakei, von insgesamt 1,5 Milliarden Euro in der Entwicklung.

Sein jüngerer Bruder Erwin, 53, kümmert sich als CEO um den Heimatmarkt und um Deutschland. Er hatte zuletzt das Areal von Tengelmann erworben. Zu den Beteiligungen des Familienunternehmens gehören beispielsweise das Wiener Auktionshaus Dorotheum und die Hotelkette Ruby, um die sich Erwin Soravia kümmert. Die Soravia-Gruppe gehört den beiden Brüdern jeweils zur Hälfte.

Während andere in Schockstarre während der Pandemie verfallen, treiben die beiden Unternehmer ihre Projekte voran. „Vom wirtschaftlichen Abschwung durch die Pandemie lassen wir uns als Familienunternehmen nicht beeindrucken. Der Markt für leistbares Wohnen in Osteuropa ist unendlich“, sagt Hanno Soravia.

Pate steht dabei für Soravia das Modell der Stadt Wien für erschwinglichen Wohnraum über Steuervorteile. „In Wien werden Investoren von preiswerten Wohnungen und Häusern steuerlich gefördert. Im Gegenzug liegen die Mietpreise rund 20 Prozent unter den Marktpreisen“, schwärmt Soravia. Am Ende können die Eigentümer des neuen, steuerlich geförderten Wohnraums beispielsweise nach einer Haltefrist von 15 Jahren ihre Immobilien verkaufen. Jährlich werden so in Wien allein 150 Millionen Euro investiert.

Nicht jede Wette funktioniert

In Budapest will der Immobilienentwickler im 19. Bezirk ein Pilotprojekt starten. Das soll schnell ausgerollt und bis 2024 abgeschlossen werden. „So könnten wir über 200.000 Quadratmeter preiswerten Wohnraums in der ungarischen Hauptstadt schaffen“, ist sich Soravia sicher. Doch es gibt auch Risiken. Zum einen ist Korruption, politische Willkür und mangelnde Rechtssicherheit in den osteuropäischen Ländern an der Tagesordnung.

Und nicht jede Wette funktioniert – wie zuletzt in Bulgarien: Vor den Toren der Hauptstadt Sofia hatte Soravia mit der bulgarischen First Investment Bank ein Gelände von 650 Hektar erworben. Dort sollte sich das neue VW-Werk ansiedeln. Doch am Ende entschieden sich die Wolfsburger gegen Bulgarien und für die Türkei. Der Wiener Miteigentümer des gewaltigen Industriegeländes muss sich nun mit der Alternative eines südkoreanischen Batterieherstellers begnügen.

Hanno Soravia ist ein diskreter Genussmensch mit einem Faible für gutes Essen. Hinter einer unscheinbaren braunen Tür in Wiens drittem Bezirk verbirgt sich sein mondäner Wohnpalast mit weitläufigem Patio – ein Anwesen, das in seiner Größe und Pracht auch in Beverly Hills stehen könnte. Sein Bruder Erwin wohnt direkt über ihm. Die Kinder leben auf dem weitläufigen Areal in einem eigenen imposanten Gebäudetrakt. Seine mediterrane Terrasse mit Blick in den Garten nutzt der Immobilienunternehmer für manche Geschäftsgespräche in der Coronazeit.

„Hanno Soravia ist ein hochmotivierter Unternehmer. Er ist sehr verbindlich und mit Bodenhaftung“, sagt Matthias Kohlbecker, Architekt und Geschäftsführer des Familienunternehmens Kohlbecker Gesamtplan, der für viele Autokonzerne wie Daimler oder Volkswagen Fabriken baut. Er sei jemand, der nicht gerne unnötige Risiken eingeht. Kohlbecker kennt den Firmenpatriarchen seit rund zehn Jahren.

Um die Zukunft bangt Soravia trotz Wirtschaftsabschwungs nicht. „Es gibt trotz der Pandemie eine sehr hohe Liquidität im Markt, die nach langfristigen Anlagen sucht“, ist er überzeugt. „Die hohe Volatilität an den Börsen hilft dem Immobilienmarkt als nachhaltiger Investmentform.“ Das ist eine gute Grundlage für einen unternehmerischen Erfolg in Osteuropa – und für einen erholsamen Sommer in der familieneigenen Villa am pittoresken Millstätter See in Südösterreich.