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Immer mehr Paketdienste liefern zu festen Zeiten

Immer mehr Paketdienste vereinbaren mit ihren Empfängern möglichst genaue Lieferzeiten. Der zum Hamburger Versandhändler Otto gehörende Lieferservice Hermes gab bekannt, Kunden ab dem kommenden Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen zu wollen, wann ihre Sendungen überbracht werden. Die Konkurrenten GLS und DPD nennen Empfängern schon seit vergangenem Jahr Zeitfenster für Lieferungen.

Hermes-Chef Hajo Schneider sagte dem "Handelsblatt", es sei Ziel des Unternehmens, gemeinsam mit den Verbrauchern einen Weg zu finden, dass diese ihr Paket bekommen, "wann und wohin sie es haben wollen". Hermes werde künftig "zeitlich enger eingrenzen können, wann wir zustellen". Das Zeitfenster, in dem Kunden dann warten müssen "soll maximal ein bis zwei Stunden betragen". Zudem werde Hermes verstärkt nach Feierabend zustellen, kündigte Schneider an.

Starten will Hermes mit dem neuen Service demnach im kommenden Jahr - und zwar testweise in zwei Ballungsgebieten. Für exaktere Lieferzeiten wäre aus Sicht von Hermes ein Datenprofil der Paket-Empfänger ideal, wie Schneider sagte. Daraus solle für den Zusteller hervorgehen, wann ein Empfänger an welchem Ort anzutreffen sei.

Der Online-Handel boomt, immer mehr Pakete müssen daher zugestellt werden. Die Paketdienste treffen die Kunden aber häufig nicht zu Hause an, weil diese noch bei der Arbeit oder etwa nach Feierabend unterwegs sind. Für die Zustellfirmen erhöht dies die Kosten.

Wettbewerber GLS führte bereits im September einen Service mit bestimmten Lieferzeiten ein. Dieser Dienst sei "fester Bestandteil des nationalen Paketversandes", erklärte das Unternehmen am Dienstag auf Anfrage. Für den Versender entstünden dadurch keine Mehrkosten. Empfänger erhielten nach der Abholung der Sendung beim Versender E-Mails mit dem voraussichtlichen Zustelltermin. GLS gebe hierbei für den Liefertag ein "drei- bis fünfstündiges Zeitfenster" für die Lieferung an.

Die Rückmeldungen für dieses Angebot seien bislang "durchweg positiv" gewesen, erklärte GLS. Empfänger könnten besser einschätzen, ob jemand zum Zustellzeitpunkt zu Hause sei. Dadurch ließen sich Sendungen häufiger als vor Einführung des Services schon beim ersten Versuch zustellen.

Auch Konkurrent DPD bietet Versendern die Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. "Bei uns ist das Zwei-Stunden-Fenster seit dem vergangenen Jahr umgesetzt", sagte ein DPD-Sprecher. Der Dienst werde gegen Gebühr angeboten. Empfänger würden dann per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert.

Das Angebot "funktioniert bislang mit guten Ergebnissen", sagte der DPD-Sprecher. Für Versender sei der Service schon "alleine aufgrund der geringeren Retourenquote profitabel".

Der deutsche Marktführer unter den Paketdiensten, DHL, war für eine Anfrage zu Lieferzeitpunkten nicht erreichbar. Für Standardpakete bietet die Post-Tochter Empfängern die Möglichkeit, einen Wunschtag festzulegen.

Der ebenfalls auf dem deutschen Markt aktive US-Anbieter UPS nennt Kunden für Zustellungen lediglich ein Zeitfenster zwischen 09.00 Uhr und 17.00 Uhr. Der Zustelldienst könne sich "in diesem Zeitfenster auf keine bestimmte Uhrzeit für die Zustellung festlegen", heißt es auf der Internetseite von UPS. Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen. Wochenenden und Feiertage seien für die Zustellung ausgeschlossen.