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Ifo-Geschäftsklima zeigt: Der Pessimismus kehrt zurück

Riedel, Donata
·Lesedauer: 4 Min.

Deutschlands wichtigster Frühindikator signalisiert vorsichtigere Geschäftserwartungen in den deutschen Unternehmen. Das gilt sogar für die Industrie.

Seitdem der Lockdown verschärft wurde, ist die Unsicherheit in den Unternehmen erneut gestiegen. Foto: dpa
Seitdem der Lockdown verschärft wurde, ist die Unsicherheit in den Unternehmen erneut gestiegen. Foto: dpa

Unternehmenschefs in Deutschland blicken pessimistischer als zum Jahreswechsel auf die Konjunktur. Das zeigt der Ifo-Geschäftsklimaindex von Montag, der von 92,2 Punkten auf 90,1 Punkte zurückging. Ihre aktuelle Lage beurteilen die 9000 Firmenlenker in der monatlichen Umfrage schlechter: Der Lage-Index sank auf 89,2 von 91,3 Punkten.

Für die nächsten sechs Monate erwarten sie zudem weniger gute Geschäfte: Dieser Teilindex fiel von 93,0 auf 91,1 Punkte. „Die zweite Corona-Welle hat die Erholung vorerst beendet“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Sogar die Industrie blickt skeptischer in die nahe Zukunft: Deutlich weniger Industriefirmen bewerteten ihre Geschäftsaussichten optimistisch als in den vergangenen Monaten. Ihre aktuelle Lage schätzten sie allerdings noch als gut ein.

Deutlich pessimistischer als die Industrie schätzen die Dienstleister ihre derzeitige Lage und ihre nahe Zukunft ein. Besorgniserregend ist, dass sich der Auftragsbestand vor allem im Bereich Transport und Logistik schwächer entwickelte: Dies könnte ein erster Hinweis auf eine Abschwächung des Welthandels sein.

Dazu passt, dass das Geschäftsklima am stärksten im Handel eingebrochen ist, auch im Großhandel. Der Indikator zur Lage stürzte in diesem Sektor in den negativen Bereich; es war der stärkste Rückgang seit dem tiefsten Corona-Rezessionsmonat April 2020. Die Stimmung mit Blick auf die Zukunft verschlechterte sich teilweise massiv, so das Ifo.

Seit der Lockdown vor allem wegen möglicherweise erhöhter Ansteckungsgefahren durch Virus-Mutanten bis Mitte Februar verlängert und leicht verschärft wurde, steigt die Unsicherheit in den Unternehmen erneut.

Das hatte vergangenen Freitag bereits der Einkaufsmanagerindex des IHS Markit-Instituts gezeigt: Demnach ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresauftakt so langsam gewachsen wie seit sieben Monaten nicht mehr. Dieser Index fiel im Januar um 1,2 auf 50,8 Punkte, blieb damit allerdings in der Wachstumszone oberhalb von 50 Punkten, denn die Industrie entwickelte sich laut dieser Umfrage weiterhin gut: Die internationale Nachfrage nach Gütern „made in Germany“ ist demnach stark. „Die Industrie ist weiterhin der Lichtblick. Die Hersteller strotzen vor Zuversicht, wie der Rekordwert bei den Geschäftsaussichten zeigt“, sagte IHS-Markit-Direktor Phil Smith.

Wesentlich trüber sah es auch bei IHS Markit für die Dienstleister aus, deren Geschäfte laut dieser Umfrage schrumpften.

Wie stark der Lockdown die Wirtschaft bremst, ist umstritten

Wie stark der Cocktail aus Europa-weit noch immer hohen Infektionszahlen, Virus-Mutanten und verspäteten Impfstofflieferungen die Konjunktur im Winter und Frühjahr ausbremsen wird, ist unter Konjunkturbeobachtern umstritten. „Der Konjunktureffekt dürfte nicht sehr groß sein“, erwartet etwa der Chef der Wirtschaftsweisen, Lars Feld.

Die Bundesregierung formuliert etwas vorsichtiger. Wegen des Lockdowns werde die Konjunktur wohl nicht ganz so kräftig zulegen wie gedacht, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach der Verlängerung. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht, der am Mittwoch veröffentlicht wird, wird die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2021 voraussichtlich von 4,4 Prozent auf drei Prozent absenken.

Drei Prozent Wachstum für 2021 erwartet seit Mitte Dezember auch die Bundesbank, während die Wirtschaftsweisen in ihrer Herbstprognose von 3,7 Prozent ausgehen. Die meisten Institute rechneten demgegenüber im Dezember mit einem Plus über vier Prozent.

Vom Handelsblatt befragte Konjunkturexperten erwarteten Ende letzter Woche zumeist, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um ein bis zwei Prozent schrumpfen wird. Das Ifo-Institut allerdings hielt diese Erwartung für zu pessimistisch und rechnete mit Stagnation im ersten und einem Wachstum um drei Prozent im zweiten Quartal 2021.

„Der Start in das Jahr 2021 ist hart, die Erholung folgt im Jahresverlauf – in diesem Spannungsbogen praktisch aller gängigen Konjunkturprognosen bewegt sich zurzeit auch das Ifo-Geschäftsklima“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Für wieder mehr Hoffnung bedürfe es zunächst noch Geduld und Disziplin bei der Zurückdrängung der Neuinfektionen, einer effektiven Impfstrategie sowie einer wirksamen Unterstützung der vom Lockdown betroffenen Unternehmen, sagte sie.


Spaltung der Unternehmenswelt

Solange die Industrie auf ihrem Wachstumskurs bleibt, droht nach Meinung der Ökonomen keine Rezession. „Solche anfänglichen Befürchtungen sind ja auch im vierten Quartal 2020 nicht eingetreten“, sagte Michael Hüther, Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

„Das verarbeitende Gewerbe ist derzeit der Konjunkturmotor“, sagte Wirtschaftsweisen-Chef Feld. Da dieser Sektor mit einem Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erheblich größer ist als die geschlossenen Branchen, die vier bis fünf Prozent ausmachen, gleicht der Industrie-Aufschwung den Rückgang aus. „Die Spaltung zwischen betroffenen und nicht betroffenen Branchen wird sich allerdings vertiefen“, sagt wiederum Hüther.

Entscheidend in den nächsten Wochen dürfte daher sein, ob sich die Stimmungsverschlechterung in der Industrie mit Blick auf die Zukunft tatsächlich in niedrigeren Auftragszahlen niederschlagen wird.