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Habeck gibt zwei AKWs in Gaskrise über den Winter Gnadenfrist

(Bloomberg) -- Wirtschaftsminister Robert Habeck hat angesichts der sich vertiefenden Energiekrise nun doch eine Kehrtwende vollzogen und die Kernkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim in diesem Winter als Notfallreserve weiter verfügbar halten.

Die Entscheidung verlängert die Lebensdauer der beiden Kraftwerke um wenige Monate. Eigentlich hätten sie im Rahmen des nach der Fukushima-Katastrophe beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergie zum Jahresende endgültig abgeschaltet werden sollen. Habeck schloss einen Weiterbetrieb über April hinaus kategorisch aus.

Moskaus Entscheidung, die Ostseepipeline Nord Stream abzuschalten, ließ Gas- und Strompreise am Montag in die Höhe schnellen und erhöhte die Dringlichkeit, die eskalierende Krise einzudämmen. Bundeskanzler Olaf Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron verkündeten nach einem eilig arrangierten Telefonat am Montag einen Energiepakt, mit dem sich die größten Länder der Europäischen Union gegenseitig durch den Winter helfen wollen. Am Freitag kommen die Energieminister der EU zu einem Sondertreffen zusammen, um Notfallmaßnahmen zu diskutieren.

Die Entscheidung dafür, die Kernkraftwerke in Reserve zu halten, markiert einen Politikwechsel, der für die Ampelkoalition schwer war und wohl weiter Diskussionsstoff bietet. Der grüne Wirtschaftsminister betonte, dass der Atomausstieg weiter gelte, und die Entscheidung nur für diesen Winter gelte.

“Als Minister, der für die Versorgungssicherheit zuständig ist, tue ich alles, was nötig ist, um die Versorgungssicherheit vollumfänglich zu gewährleisten”, sagte Habeck. “Mit der Einsatzreserve tragen wir den Risiken der Atom-Technologie und der Sondersituation im Winter 2022/23 Rechnung. So können wir im Fall der Fälle agieren.”

Der russische Lieferstopp via Nord Stream stellt auch das Ziel der Bundesregierung in Frage, mit zu 95% gefüllten Speichern in den Winter zu gehen, hatte Bloomberg zuvor gemeldet.

Mehr zum Thema: Habecks Gasspeicherziel nach Nord-Stream-Stopp außer Reichweite

Während Deutschland zuwenig Gas hat, kämpft Frankreich derzeit mit Elektrizitätsmangel, da seine Atomkraftwerke mit einer Reihe von Problemen kämpfen und weit weniger produzieren als normalerweise. Berlin und Paris wollen sich daher in diesem Winter gegenseitig unterstützen.

So werde Frankreich in den kommenden Wochen Arbeiten an Pipelines abschließen, um Gas nach Deutschland zu liefern - “immer, wenn es benötigt wird”, so Präsident Macron. Umgekehrt werde Deutschland die Stromproduktion ankurbeln, um bei Nachfragespitzen nach Frankreich liefern zu können.

Französische Strom-Futures für nächstes Jahres kosten derzeit etwa 30% mehr als in Deutschland, da die Erzeugung in den Kernkraftwerken stockt. Normalerweise ist Frankreich in Spitzenzeiten ein großer Stromexporteur, doch in diesem Jahr braucht das Land Importe - einer der Gründe für die hohen europäischen Preise.

Berlin und Paris sind sich einig, dass eine EU-weite Gewinnsteuer auf Übergewinne im Energiesektor notwendig sei, sagte Macron. Er forderte außerdem die “Spekulation” mit Energiepreisen unter Kontrolle zu bringen und Strom- und Gaspreise zu entkoppeln.

Überschrift des Artikels im Original:

Germany Keeps Its Nuclear Plants Alive as EU Seeks Crisis Fixes

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