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Ich habe schon immer große Brüste – und leide sehr darunter

Unsere Autorin hatte aufgrund ihrer großen Oberweite mit starken Schamgefühlen zu kämpfen. - Copyright: Courtesy of the author
Unsere Autorin hatte aufgrund ihrer großen Oberweite mit starken Schamgefühlen zu kämpfen. - Copyright: Courtesy of the author

Ich war zehn Jahre alt und ging mit meiner besten Freundin Kleidung für die Schule einkaufen. Wir fanden ein Set aus einer Strickweste und einem Faltenrock und wollten es in verschiedenen Farben kaufen. Die Ladenbesitzerin – eine befehlshaberische, gut frisierte Frau – kam zu uns, um uns zu helfen. Sie zog die königsblaue Weste für Marilyn heraus und wies ihr den Weg in die Umkleidekabine. Ich hatte derweilen bereits das grüne Kleidungsstück, das mir gefiel, in der Hand. Ich drehte mich in dieselbe Richtung, aber dann bemerkte ich die Hand der Frau auf meiner Schulter.

Als ich mich umdrehte, zog sie mir die Kleider aus den Armen und tauschte sie gegen die nächst größere Größe aus. "Du hast eine große Oberweite", sagte sie. Das war das erste Mal, dass eine Fremde meinen heranwachsenden Körper kommentierte.

Die Scham überkam mich. Ich wollte die Sachen am liebsten hinwerfen und aus dem Laden stürmen. Aber Marilyn, die die Frau gehört hatte, sah mich verständnisvoll an. Sie wusste, dass ich gerade einen Sport-BH bekommen hatte und wollte, dass ihre Mutter ihr auch einen kaufte. Er war so neu, dass wir das Wort im Flüsterton buchstabierten, als wäre es ein Geheimcode.

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Aber es war nicht das letzte Mal, dass ich mich für meine Brüste schämte.

Ich wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf meine Brüste lenken

Ich war 26 und ging mit meiner modebewussten Freundin Jolie einkaufen, die ich während meiner Arbeit in einer PR-Firma am Rodeo Drive in Beverly Hills kennengelernt hatte. Ich fragte Jolie, ob die Jeans, die ich anprobierte, meinen Po groß aussehen ließ. Wir kicherten und sie versicherte mir, dass sie mir schmeicheln würde.

Ich betrachtete mich weiter im Spiegel der Umkleidekabine und überlegte, ob die Bluse, die ich anprobierte, meine Brüste noch stärker betonte oder ein zu großes Dekolleté zuließ. Ich fragte Jolie jedoch nicht, weil ich die Aufmerksamkeit nicht auf meine Brüste lenken wollte, so wie es die kritische Ladenbesitzerin getan hatte, als ich noch ein Teenager war.

Die Menschen glauben, dass ich flirte, auch wenn ich es nicht tue

Mit 39 Jahren war ich Ehefrau und Mutter und hatte gleichzeitig mit chronischer Migräne zukämpfen. Ich hatte fast ständig Schmerzen und zwischen den Anfällen vergingen meist nicht mehr als ein oder zwei Tage. Da meine guten Tage sowohl selten als auch unvorhersehbar waren, konnte ich mich nicht mehr wie früher an der christlichen Privatschule meines Sohnes ehrenamtlich engagieren. Das bedeutete, dass ich jegliches Ansehen und den Respekt verlor, die eine Familie durch viele ehrenamtliche Stunden oder großzügige finanzielle Zuwendungen erhielt.

Als ein neuer Schulleiter eingesetzt wurde, suchte ich ihn auf, um ein Problem mit meinem Sohn zu besprechen. Als ich an diesem Tag den Campus betrat, um mich mit ihm zu treffen, entdeckte ich eine mir bekannte Mutter. Sie kam auf mich zu und musterte mich von oben bis unten. Ich dachte, das läge daran, dass ich nicht meinen üblichen Look aus Yogahose und Pferdeschwanz anhatte.

Stattdessen trug ich Straßenkleidung und war geschminkt. Als ich ihr erklärte, wo ich hinwollte, nickte sie und riss mir dann den Schal vom Hals, sodass mein V-Ausschnitt und mein Dekolleté zum Vorschein kamen. Sie zog eine Augenbraue hoch und warf mir einen unangenehmen Blick zu. Verlegen riss ich ihr den Schal aus den Händen und ging wortlos davon.

Das erste Anzeichen für die Gerüchte, die sich um mich rankten, kam ein paar Wochen später. Damals nahm mich eine Mutter aus der Schule nach der Kirche zur Seite und sagte mit flüsternder, besorgter Stimme: "Weißt du, Diana, er ist verheiratet." Meine Wangen wurden rot vor Scham, gefolgt von etwas anderem. Wut. Ich spürte, wie sie in mir aufstieg, aber ich verdrängte sie. Mit solchen Gefühlen konnte und wollte ich in meinem angeschlagenen, geschwächten Zustand nicht umgehen.

Ich musste eine Therapie beginnen, weil ich Panikattacken hatte

Ich schwor mir, nie wieder in die Schulkirche zurückzukehren. Stattdessen ging ich dazu über, mit meinem katholischen Ehemann die Messe zu besuchen. Während des Gottesdienstes starrte ich auf die Beichtstühle. Ich wünschte mir, ich könnte dem Priester die Wahrheit sagen und mich so von der selbst erzwungenen, unsichtbaren Scham zu befreien, die mir in der Brust brannte. Weil ich das Gefühl hatte, dass die Schulmütter mich als schlechten Menschen und schlechte Mutter verurteilten, bekam ich Panikattacken. Ich suchte daher einen Therapeuten auf. Aber anstatt meine Angst zu überwinden, rutschte ich in eine Depression ab, die sich vertiefte und schließlich behandlungsresistent wurde.

Heute, vier Jahre später, bin ich genesen und es geht mir gut. Ich gehe immer noch zu derselben Therapeuten, Victoria, die mich während der ganzen Zeit beraten hatte. Bei einem kürzlichen Besuch erzählte sie mir von einer Studie. Darin wurde festgestellt, dass Frauen mit großen Brüsten häufiger unter Depressionen, geringem Selbstwertgefühl und Angstzuständen leiden. "Forscher weisen auf die Scham hin, die Frauen wie wir mit sich herumtragen", sagte sie. "Das ist ein Thema, das oft übersehen wird."

Was Victoria erzählte, blieb bei mir hängen. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass wir Frauen über die Vorurteile sprechen müssen, die wir unbewusst oder unwissentlich in unseren Köpfen tragen – und zwar so offen und so oft wie möglich. Und das so lange, bis wir uns sicher fühlen, dass wir nichts von der großen Last zu befürchten haben, die einige von uns auf ihrer Brust tragen.

Dieser Artikel wurde von Stefanie Michallek aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.