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„Höhle der Löwen“-Investor rettet mit seiner Firma den Grillhersteller Landmann

Terpitz, Katrin
·Lesedauer: 3 Min.

Ralf Dümmel übernimmt Landmann, Deutschlands ältesten Grillanbieter. Das insolvente Familienunternehmen konnte vom Barbecue-Boom nicht profitieren.

Für den traditionsreichen Grillhersteller Landmann gibt es wieder eine Zukunft. Im November hatte das Familienunternehmen aus Osterholz-Scharmbeck Insolvenz anmelden müssen. Seit einigen Jahren befindet sich Deutschlands ältester Grillproduzent in einer tiefgreifenden Restrukturierung.

Nun übernimmt die Firma DS Produkte von Serieninvestor Ralf Dümmel, bekannt als Juror in der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, die Nummer zwei auf dem deutschen Grillmarkt. Das gab Landmann-Insolvenzverwalter Malte Köster am Mittwochnachmittag bekannt. Eine Vereinbarung zur Übernahme sei unterzeichnet, der Deal werde im ersten Quartal von statten gehen. Über Kaufpreis und Details wurde Stillschweigen vereinbart.

„Die Produktportfolien ergänzen sich sehr gut, das bietet aussichtsreiche Zukunftsperspektiven für Landmann“, meinte Köster. „Die Zusammenarbeit bietet viele Synergieeffekte, und wir werden unseren Kunden ein noch umfassenderes Produktportfolio anbieten können“, begründete Dümmel den Zukauf. Bisher beschäftigte Landmann 200 Mitarbeiter, darunter 100 in Deutschland. Der Umsatz lag zuletzt bei rund 60 Millionen Euro.

Obwohl die Grillbranche seit Jahren boomt, geriet Landmann immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Das Unternehmen versuchte, sich vom reinen Saisongeschäft unabhängiger zu machen. So stellt das Familienunternehmen auch luxuriöse Außenküchen her. Denn der Grill ist immer mehr zum Statussymbol geworden.

Allerdings ist der internationale Wettbewerbsdruck auf dem Grillmarkt gestiegen. Marktführer in Deutschland ist mit deutlichem Abstand das US-Familienunternehmen Weber-Stephen.

Die Firma Landmann entstand 1966. Der Bremer Unternehmer Bernd Hockemeyer besuchte damals die Eisenwarenmesse in Toronto und war begeistert von einem innovativen Produkt: Holzkohlegrills.

Spontan bestellte der damalige Inhaber der Gebrüder Thiele-Gruppe 30.000 Geräte. Doch die deutschen Großhändler winkten ab. So gründete Hockemeyer aus der Not seinen eigenen Grillvertrieb, benannt nach dem ersten Geschäftsführer Landmann. Das Familienunternehmen stellte bald Grillgeräte selbst her und verkaufte zuletzt mehr als drei Millionen Grills im Jahr – nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, dem Mutterland des Barbecue.

Auch nach der Übernahme bleibt Landmann in Familienhand. Käufer DS Produkte aus Stapelfeld bei Hamburg ist ebenfalls ein Familienunternehmen. Die Gruppe zählt als international tätiges Handelshaus zu den größten Non-Food-Lieferanten für Handelsketten, Einzelhändler, Lebensmittelhändler, Discounter, Online- und Versandhändler in Europa. DS vertreibt mehr als 4000 Produkte im Bereich Haushalt, Kleinelektro, Outdoor, Beauty und Gesundheit.

Die wenigsten wissen, dass hinter den etwa 700 Marken das Hamburger Unternehmen steht. „Dabei besitzt wohl fast jeder deutsche Haushalt etwas von DS Produkte“, sagte Ralf Dümmel, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter, 2016 dem Handelsblatt.

Mit 21 Jahren kam Dümmel zu DS. „Ich habe weder studiert noch Abi“, betont der Vollblutvertriebler. Aber Firmengründer Dieter Schwarz habe an ihn geglaubt und ihm viel Freiheit gegeben. Heute führt Dümmel, 53, die Geschäfte von DS Produkte. Das Unternehmen mit mehr als 400 Mitarbeitern machte 2019 rund 270 Millionen Euro Umsatz.

Den Zukauf von Landmann dürften sich die DS-Chefs gut überlegt haben: „Ich habe einen Riecher für Trends“, sagt Dümmel gern über sich selbst.